Viele Weisse Flecken auf den Inseln : Ein Netz aus Funklöchern

In Wyk gehören Südstrand und Promenade zu den Problemzonen.
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In Wyk gehören Südstrand und Promenade zu den Problemzonen.

Wenn Handy-Empfang zur Glückssache wird: Auf Föhr und Amrum sind viele Kunden mit dem Mobilfunknetz unzufrieden.

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25. Juli 2018, 12:30 Uhr

Die Digitalisierung soll vorangetrieben werden. Schöne Visionen, wenn da nur nicht die Realität wäre. Denn im Mobilfunknetz in vielen Kommunen außerhalb der Ballungszentren gibt es noch jede Menge weiße Flecken. Auch Föhr und Amrum machen da keine Ausnahme, egal ob der Anbieter Telekom, Vodafone oder O2 (Telefónica) heißt.

Entsprechend groß war die Resonanz auf eine Umfrage des Insel-Boten. Viele Leser berichteten von Empfangsproblemen. So seien auf Föhr die Landgemeinden besonders betroffen, schreibt Hans Braun aus Borgsum, der Kunde der Telekom ist. Das Telefonieren per Handy sei ärgerlich. „Im Haus habe ich teilweise nur an zwei Stellen Empfang und bin gezwungen, das Festnetz zu nutzen. Und wenn mein Gesprächspartner nur per Handy erreichbar ist, muss ich einen zusätzlichen Tarif zahlen.“

Ähnliche Klagen erreichten uns anbieterübergreifend aus nahezu allen Landgemeinden und auch in Wyk entspricht die Realität längst nicht immer den Aussagen der Telefongesellschaften. Insbesondere der Südstrand und die Strandpromenade, aber auch das Gebiet am Grünstreifen wurden genannt. Das gleiche Bild auf Amrum, wo Einwohner und Gäste aus allen Gemeinden ihr Leid klagten. „Ich wäre schon froh, wenn die ganz normale Telekomleitung zuhause ohne ewige Probleme funktionieren würde“, sagt Silke Cas Schau aus Norddorf, und Michael Neron aus Nebel spricht von einem „Funkloch für die Ewigkeit“. Für die Tourismus-Organisationen ist das leidige Thema ebenfalls ein ständiger Begleiter. Auf Amrum hielten sich die Klagen, die hauptsächlich O2 beträfen, allerdings in Grenzen, war von der Amrum-Touristik zu erfahren. Auf Föhr komme es dagegen häufiger zu Beschwerden von Gästen und Einheimischen, sagt Heike Link von der Föhr Tourismus GmbH. Betroffen seien hier alle Anbieter.

Handys sind allgegenwärtig, da nervt es, wenn zum Telefonieren eine bestimmte Ecke in der Wohnung aufgesucht oder das Haus gleich ganz verlassen werden muss. Zudem erwarten Urlaubsgäste eine gute Netz-Versorgung und Geschäftsleute sind sogar auf eine solche angewiesen. Doch die Probleme, mit denen sich die Nutzer täglich herumschlagen, dürfte es nach Aussagen der Netzbetreiber gar nicht geben. Von der Telekom heißt es, die Versorgung auf beiden Inseln sei sehr gut. Fünf Mobilfunkanlagen betreibt das Unternehmen auf Föhr, vier auf Amrum. „Wir liegen bei einer durchschnittlichen LTE-Versorgung (4G) von knapp 95 Prozent“, teilt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle auf Nachfrage mit.

Ähnlich lauten die Aussagen von Vodafone. Man biete auf beiden Inseln mit vier Mobilfunkstationen eine nahezu flächendeckende Versorgung, so Konzernsprecher Volker Petendorf. „In den besiedelten Gebieten haben wir eine Outdoor-Versorgung von 99,9 Prozent. Innerhalb ihrer Gebäude können 92 Prozent der Einwohner und Gäste mit dem Handy telefonieren.“ Auch bei der mobilen Breitbandversorgung mit der neuesten Mobilfunktechnologie LTE weise Vodafone auf den beiden Inseln schon jetzt eine Versorgung von 92 Prozent der besiedelten Fläche auf.

Telefónica betreibe auf Amrum und Föhr jeweils zwei Mobilfunkstandorte, teilt deren Pressesprecher Jörg Borm mit. „Diese versorgen beide Inseln grundsätzlich flächendeckend mit UMTS (3G), auf Amrum ist an einigen Orten auch LTE verfügbar, auf Föhr komplett.“ Auf Amrum würden allerdings derzeit Malerarbeiten am Leuchtturm zu Beeinträchtigungen führen. Der Leuchtturm ist der südlichste O2-Standort auf der Insel und die Anlage musste aufgrund der Arbeiten abgeschaltet werden. Dadurch bedingt gebe es vorübergehende Einschränkungen in Nebel, Süddorf und Wittdün. „Auf Föhr befindet sich je eine Anlage am westlichen und östlichen Ende der Insel. Somit wird die Insel mindestens außerhalb von Gebäuden gut versorgt“, so Borm Um die Versorgung weiter zu verbessern, werde die westliche Anlage in Kürze um GSM (2G) erweitert. GSM eignet sich allerdings lediglich zum Telefonieren und verschicken von Textnachrichten. Für eine Datenübertragung sind die Übertragungsraten zu niedrig. Wirklich glücklich dürften genervte O2-Nutzer, die auf Föhr zuletzt ohnehin mit Einschränkungen aufgrund eines technischen Defekts konfrontiert waren, mit dieser Erweiterung also kaum werden.

Auch wenn Reetdächer und Betonwände, Topografie, Witterung und Vegetation den Empfang beeinträchtigen können: Hauptgrund für die weißen Netz-Flecken in der Landschaft dürfte die fehlende Wirtschaftlichkeit sein. Für die Netzbetreiber rentieren sich Sendemasten in ländlichen Gebieten schlicht nicht. Doch die Kunden dürfen hoffen: Vor knapp drei Wochen haben die drei großen Mobilfunkanbieter bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zugesagt, die Handynetze stärker auszubauen als bisher geplant. Demnach sollen bis Ende 2020 99 Prozent der deutschen Haushalte mit einem LTE-Zugang versorgt werden. Wer weiß: Vielleicht klappt’s ja dann mit dem Telefonieren in den eigenen vier Wänden.

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