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Orgelvirtuose : Ein Meister der Improvisation

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Matthias Eisenberg begeisterte erneut das Publikum in der St. Nicolai-Kirche. Der Musiker aus Sachsen gibt fast jedes Jahr ein Konzert in Wyk.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 09:30 Uhr

„Als Konzertorganist spiele ich praktisch an jedem Wochenende, auf das Jahr hochgerechnet bin ich sicherlich 50 Prozent der Zeit auf Reisen“, erzählte Matthias Eisenberg vor seinem Orgelkonzert in der St. Nicolai-Kirche. Am Vortag hatte der Zwickauer noch in Keitum gespielt, wo er viele Jahre als Kirchenmusiker tätig war, und am nächsten Morgen sollte es schon wieder mit der ersten Fähre aufs Festland gehen, um am Abend pünktlich in Leipzig beim nächsten Auftritt zu sein.

Mit Matthias Eisenberg konnte Martin Bruchwitz einen der profiliertesten Konzertorganisten der Republik nach Föhr holen, und das nun schon zum wiederholten Mal. Seit der Kantor von St. Nicolai Eisenberg vor 20 Jahren auf einem Seminar kennengelernt hatte, kommt dieser nahezu jedes Jahr einmal zu einem Solokonzert nach Boldixum.

Das Programm, das er dieses Mal mitgebracht hatte, begann mit den zwei Bachwerken Präludium und Fuge e-Moll (BWV 548) und der Triosonate Nr. 5 C-Dur (BWV 529). Nach der ruhigen, kammermusikalischen Triosonate folgten die dynamische Toccata und Fuge E-Dur sowie das Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Ludwig Krebs. Auf den dritten Teil des Abends, die Orgelimprovisationen, hatte das Publikum mit besonderer Spannung gewartet.

Improvisationen seien ursprünglich fester Bestandteil eines jeden Auftritts eines Organisten gewesen. Alle großen Musiker hätten ihre Werke ursprünglich auch improvisiert, bevor sie diese überhaupt aufgeschrieben haben, so Martin Bruchwitz. „Diese Tradition ist in der klassischen Musik leider völlig verloren gegangen. Heute geht es nur noch um die perfekte Wiedergabe von aufgeschriebenen Noten.“

Und tatsächlich waren die Improvisationen der Höhepunkt des Abends. Eisenberg begann mit einer Variation auf den Kirchenchoral „Was Gott tut das ist wohlgetan“, danach folgte eine Improvisation der bekannten Melodie „Der Mond ist aufgegangen“. Gekonnt variierte er dabei das Hauptthema, oder nahm die Melodie des Stücks und spielte sie als Begleitung. Zum Abschluss war „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ in mehreren Versionen zu hören, die durch die unterschiedlichen Registrierungen der Orgel auch im Charakter ganz verschieden klangen. Ein Hörgenuss für das Föhrer Orgelkonzert-Stammpublikum, das sich mit anhaltendem Applaus bei dem Künstler bedankte.

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