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Gegen das Vergessen : Ein Mahnmal gegen den Krieg

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Kampfhandlungen gab es im 2. Weltkrieg kaum auf Föhr und Amrum, Tote gab es dennoch. Ihnen setzte Heinz Lorenzen in einem Buch ein Denkmal.

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erstellt am 23.Apr.2016 | 14:00 Uhr

Zwölf Tote und 29 Verletzte, so lautete die Bilanz der Angriffe britischer Jagdbomber auf zwei Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Sommer 1944. Dramatische Geschehnisse, die sich binnen zweier Wochen vor Föhr und Amrum abspielten und deren Verlauf der frühere Wyker Bürgermeister Heinz Lorenzen akribisch aufgearbeitet hat. Mehr als zehn Jahre hatte das ehemalige Stadtoberhaupt recherchiert, Zeit- und Augenzeugen befragt und in diversen Archiven nach Fakten gesucht. Das Ergebnis ist nun in dem Buch „In Brand geschossen und auf Strand gesetzt“, erschienen in der Schriftenreihe des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseums, nachzulesen.

Gleichschaltung, Ressentiments gegen Juden, das Vorgehen gegen Andersdenkende, all dies gab es während der Zeit des Dritten Reiches auch auf Föhr und Amrum. Der Siegeszug der NSDAP war beachtlich und politische Widersacher wurden von den braunen Machthabern kaltgestellt. Zwar blieben die Inseln von Kampfhandlungen weitestgehend verschont, dennoch hatte fast jede Familie Gefallene an den weit entfernten Fronten zu beklagen. Als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende näherte, gerieten schließlich auch die Inseln im Wattenmeer stärker in den Fokus. Die Alliierten besaßen längst die komplette Lufthoheit über dem Deutschen Reichsgebiet und die Piloten der Jagdbomber hatten in der Wahl ihrer Ziele freie Hand.

Als der 1908 bei den Kieler Howaldtswerken gebaute Doppelschrauben-Salondampfer „Föhr-Amrum“ am 26. Juni 1944 von britischen Bombern angegriffen wurde, befand er sich auf der Fahrt von Wyk nach Wittdün. Der Kapitän Wilhelm Nommensen aus Oevenum wurde tödlich getroffen, zudem wurden zwei Besatzungsmitglieder und vier Passagiere verletzt. Das Handruder der erheblich beschädigten „Föhr-Amrum“ funktionierte noch und der Dampfer konnte aus eigener Kraft nach Wyk fahren.

Mehr Tote gab es bei dem Angriff auf die unter dem Kommando des Kapitäns Georg Schäfer stehende „Kapitäne Christiansen“. Das Schiff – im Gegensatz zu der unbewaffneten „Föhr-Amrum“ mit einem leichten Maschinengewehr bestückt – war am 10. Juli 1944 mit etwa 50 Passagieren auf der Überfahrt von Dagebüll nach Föhr und Amrum. Der Angriff aus der Luft erfolgte unvermittelt und setzte das Schiff in Brand. Eine Panik brach an Bord nicht aus und Kapitän Schäfer entschied, nicht den Wyker Hafen anzusteuern, sondern das leckgeschlagene Schiff auf den Strand zu setzen. Elf Tote und 23 Verletzte gab es am Ende zu beklagen.

Den Einzelschicksalen – der Toten, der Verwundeten und der mit dem Schrecken davongekommenen, aber auch der Piloten – widmet sich das Buch ebenso ausführlich wie einfühlsam. Lorenzen zeigt auf, wie wenige Sekunden über Leben oder Tod entscheiden und für die Überlebenden nicht selten lebenslanges Leid bedeuten. Das Erscheinen seines Buches hat Heinz Lorenzen nicht mehr erlebt, der im Oktober 2015 verstarb. Doch der Autor, der sich immer wieder in Vorträgen und – in seiner aktiven Zeit als Lehrer – in Schulprojekten mit der Zeit des braunen Terrors insbesondere auf Föhr auseinandergesetzt hatte, hinterlässt mit „In Brand geschossen und auf Strand gesetzt“ ein beeindruckendes Mahnmal gegen den Krieg.

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