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Auf Föhr : Ein Lichtblick für traurige Menschen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Neues Angebot des Brücke-Vereins in Wyk: Die Selbsthilfegruppe bietet Unterstützung bei Depressionen und Antriebslosigkeit.

Der Verein zur Unterstützung vom Menschen in Not, die „Brücke“ hat sein Selbsthilfeangebot um eine Gruppe erweitert. Sie ist gedacht für traurige und antriebslose Menschen, die mit dem Gefühl von Deprimiertheit und Lustlosigkeit zu oft ins Negative abdriften und selbst nicht wieder raus kommen aus diesen Gedankenschleifen. Bisher ist der Kreis noch klein, die Gruppe gibt es erst seit knapp sechs Wochen, aber Systemcoach Dr. Marina Kowalewski hofft, dass mit diesem Angebot etwas geschaffen wurde, was für Betroffene eine echte Hilfe sein kann. „Lichtblick“ nennt sich der Kreis, der sich einmal in der Woche donnerstags trifft und von der 57-Jährigen gestützt wird.

„Die Teilnehmer gehen sehr aufeinander ein“, sagt Kowalewski. „Und sie sehen in den Erzählungen der anderen auch die kleinen Lichtblicke, die man selbst ja oft gar nicht sieht“, bemerkt sie. Das entspricht genau dem, was sie für wichtig hält: „Ich sehe mich nur als Moderatorin oder Impulsgeberin; das sich Weiterbringen machen die Teilnehmer eigentlich ganz von selbst, da entsteht schon viel positive Energie.“ Folglich läuft die Gruppe auch unter dem Selbsthilfeangebot des Vereins, wo auch Themen wie Übergewicht, Alkohol, Krebs und Trauer einen Ort des Miteinandersprechens haben.

Entstanden ist die Gruppe aufgrund von Anfragen, die bei der Vorsitzenden Eva-Maria Findeisen im Posteingang landeten. „Und zwar von Föhrern, die ich vorher nicht kannte, aber die wohl unser Angebot kennen und hofften, dass wir helfen können“, sagt Findeisen, die seit 14 Jahren dabei ist und der es eigentlich seit Anbeginn an ein Bedürfnis war, zu diesem Thema eine Gruppe anbieten zu können. Natürlich ersetze die Gruppe keine Therapie für ausgewiesene Depressionen. Aber, so Kowalewski, sie ließe sich sehr gut zur Überbrückung nutzen, bis ein Therapieplatz frei ist. Auch zur Nachsorge nach erfolgten Therapien wird sie angenommen, stellt Kowalewski fest. Und natürlich als Hilfe zur Selbsthilfe.

Die studierte Philosophin und Germanistin mit Zusatzausbildung in systemischer Beratung hat Erfahrung im Coachen und bei der Perspektivsuche für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt seit vier Jahren auf Föhr, kennt also noch nicht jeden.

Wie aber gehen Teilnehmer miteinander um, die sich vermutlich alle irgendwie kennen? Und jetzt plötzlich Sachen erzählen wollen, direkt in die Augen von Menschen, die man zu zig anderen Gelegenheiten auch noch wiedersieht. „Erstaunlich gut“, sagt Kowalewski. „Es ist ihnen teilweise egal, oder sie versuchen, es zu ignorieren und sich auf das zu konzentrieren, was in der Gruppe passiert.“ Man lerne auch, keine vorschnellen Urteile zu fällen, sagt Kowalewski. „Außerdem ist dieser Kreis hier ein geschützter Rahmen. Und alle eint die Priorität: ich will mir helfen.“

Ein Pluspunkt der Gruppe sei, dass die Teilnehmer genau wüssten, worüber der andere redet, sagt Beraterin Kowalewski. „Das ist zuhause beim Partner natürlich anders. Hier ist keiner genervt, hier gibt keiner sofort Tipps. Alle sind froh, einfach einen Raum zum Reden und Zuhören gefunden zu haben. Und der Fokus liegt längst nicht auf Traurigkeit, sondern auf Entwicklung.“

Über Kirchen, Ärzte und andere Beratungsstellen hat Findeisen die Gruppe bisher „annonciert“. Wer teilnehmen mag, kann sich telefonisch anmelden
(✆  04681/4611) oder einfach donnerstags um 17.30 Uhr im Brücke-Zentrum in der Strandstraße 4 G dazukommen. „Wir sind noch in den Anfängen, da gehe ich davon aus, dass alle, die mögen, auch einen Platz finden“, sagt Marina Kowalewski.

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