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125 Jahre Seebad Nebel (Teil 2) : Ein Kapitän verscheucht die Badegäste

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Längst nicht alle Dorfbewohner waren mit dem Aufschwung des Fremdenverkehrs einverstanden. Doch dann merkten sie, dass man mit Touristen viel Geld verdienen kann.

Durch den Besitzwechsel im Jahre 1895 war das Kurhaus an der Satteldüne faktisch ein Teil des Seebades Wittdün geworden. Erst im Jahre 1905 kam es dann zu einer weiteren Initiative auf dem Weg zu einem Seebad beziehungsweise Erholungsort in Nebel. Hier errichtete der Sanitätsrat Johannes Ide, der als Badearzt durch das Seehospiz nach Amrum gekommen war, sein „Nordsee-Sanatorium“ neben dem Friedhof und der St.-Clemens-Kirche. Gleichzeitig hatte Ide auch das alte Pastorat nebenan gekauft und nutzte es für Kinder-Patienten. Durch Kinderhand geriet das Gebäude dann am 19. Juli 1911 in Brand und ging total verloren.

Zu den weiteren Initiativen in Richtung Fremdenverkehr gehörten dann das „Hotel Friedrichs“ und das „Honig-Paradies“ des Ehepaares Schmidt am Wattenweg nach Steenodde. Auch das „Bahnhofs-Hotel“ an der Station der Inselbahn, die in den Jahren 1901/02 von Wittdün bis Nebel und Norddorf erweitert worden war, richtete sich auf die Übernachtung von Fremden ein, diente aber vor allem kurzzeitigen Tagesgästen. Im Übrigen gab es in den drei Dörfern der Gemeinde Nebel aber noch eine gewisse Ablehnung des Fremdenverkehrs.

Als Beispiel sei das Haus des Kapitäns Martin Conrad Simons genannt. Derselbe war Kapitän beim Sultan von Sansibar und kam nur alle sieben Jahre nach Hause. Als seine Frau Anine auf Bitten von Sanitätsrat Ide einige Zimmer für Badegäste zur Verfügung stellte, klapperte der Kapitän, gerade wieder einmal nach Hause gekommen, so lange in den Ruhestunden mit Holzschuhen durch das Haus, bis die Gäste empört wieder auszogen. Martin Conrad entschwand dann wieder Richtung Sansibar mit dem Auftrag an seine Frau, lieber noch eine Kuh mehr in den Stall zu stellen, aber keine „Baaselidj“, Badeleute, mehr als Störfaktor im Haus aufzunehmen. Unter der Tochter Amanda Urbans wurde das Anwesen dann aber später doch zu einem vielbesuchten und beliebten Gästehaus in Nebel.

In den 1920/30-er Jahren richteten sich Insulaner bei Neubauten in Nebel und Süddorf aber zunehmend auch auf die Unterbringung von einigen Gästen aus und erste Häuser entstanden auf der Westerheide der beiden Dörfer. Hinzu kamen Ereignisse, die in den Dörfern der Gemeinde Nebel (seit 1912 von Wittdün und seit 1925 von Norddorf getrennt) zu einer Belebung des Fremdenverkehres führten: Am 17. August 1925 brannten in Norddorf das „Ambronenhaus“ und zehn weitere Gebäude ab und die dort einquartierten Gäste brauchten sozusagen über Nacht ein neues Quartier, das sie notgedrungen in Nebel und Süddorf fanden. Hier merkten die Bewohner dann bald, dass man mit Badeleuten Geld verdienen kann und richteten sich entsprechend ein. Und ab 1936 sorgte die NS-Ferienorganisation „Kraft durch Freude“ für eine Belegung‚ auch der einfachen Quartiere. Immerhin war die Sommersaison dann schon derart gebucht, dass 1938 eine „Strand-Konzession“ durch die Kreisverwaltung erlassen werden musste und die Gemeinde Nebel damit in den Kreis der Nordseebäder trat.

Mitte der 1930-er Jahren gaben Nebel, Süddorf und Steenodde jeweils eigene Prospekte heraus. „Die alten Häuser haben meist noch Reetdach, die Zimmer noch die alten schönen blauen und braunen Kachelwände. Die Frauen tragen noch die alte, kleidsame Friesentracht … Und ein von den Einwohnern Nebels gebauter bequemer Weg führt vom Dorfe durch den Wald und durch die Dünen über die Sandbank (Kniep) zur offenen See … Am Ende desselben ist eine große Schutzhalle errichtet, die bei Sturm und Regen Unterkunft bietet … Die Preise sind vom Reichs-Einheitsverband des Deutschen Gaststättengewerbes festgelegt. Die Kurtaxsätze sind niedrig …“ heißt es im Nebeler Prospekt. „Süddorf bietet einfache, saubere Unterkunftsmöglichkeiten und gute Verpflegung. Die Süddorfer betrachten es als ihre Pflicht, dem Ruhesuchenden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen… Und Süddorf macht durch die noch bestehenden altfriesischen Dorfhäuser einen liebenswürdigen, behaglichen Eindruck …“ während Steenodde auf seine einmalige Lage auf einer Anhöhe hinweist, „wo man einen Blick über Hafen und Schiffsverkehr und auf die vielen Fahrzeuge von Büsumer, Finkenwerder und Blankeneser Fischkutter genießt …“

Neben den größeren, auf den Fremdenverkehr bezogenen Häusern (Nordsee-Sanatorium, Bahnhofshotel‚ Honig-Paradies, Konditorei Nautilius Schmidt, Gasthof Erholung und andere) sind auch etliche Dorfbewohner mit Annoncen vertreten. Ganz groß das Haus „Klar Kimming“ der Kapitänswitwe Gine Tönissen, andere mit dem Titel „Kleines Friesenhaus“.

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