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Insel-Bote

12. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

Wyk : Ein Hotel und viele Fragen

vom

Baugenehmigung bisher nur für Appartementhäuser - Land bewilligt keine Fördermittel - kontroverse Diskussion in der Stadtvertretung.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 08:19 Uhr

Wyk | Per E-Mail, so berichtete Bürgermeister Heinz Lorenzen in der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung, habe ihm der Investor mitgeteilt, dass er weiter zum Hotelprojekt am Südstrand stehe und "intensiv und mit Nachdruck" an der Realisierung arbeite. "Nun kann man sagen, dass, auch wenn mit den Appartements eher begonnen wird, trotzdem die Erstellung des Gesamtprojektes das Ziel ist", zeigte sich Lorenzen nach Erhalt dieser Mail erleichtert.

Tatsächlich könnte mit dem Bau der Ferienwohnungen eher begonnen werden, denn während die Baugenehmigung für das Hotel noch aussteht, liegt die für die benachbarten Appartementhäuser, wie Lorenzen weiter berichtete, seit dem 14. Mai vor. Und der Bürgermeister äußerte Verständnis dafür, wenn mit deren Bau vor dem des Hotels angefangen werden sollte. Denn, so Lorenzen, beim ersten Spatenstich würde für die Käufer die erste Rate fällig - Geld das der Investor zur "Quersubventionierung" des Hotelbaus benötige.

Ausführlich war Heinz Lorenzen noch einmal auf die Pläne für das ehemalige Gelände der "Schöneberger" und auf die Verträge eingegangen, mit denen die Stadt absichern will, dass dort auch tatsächlich ein Hotel gebaut wird. In einem Durchführungsvertrag mit dem Investor sei vereinbart worden, dass auf dem Grundstück neben einem Vier-Sterne-Hotel mit 300 Betten neun frei stehende Appartementhäuser sowie eine Strandbar errichtet und von einem erfahrenen Betreiber bewirtschaftet werden. Und nur der dürfe die Appartements vermieten. Die Gebäude seien binnen fünf Jahren nach Erteilung der Baugenehmigung zu errichten. Baubeginn, -fortschritt und endgültige Fertigstellung seien mit der Stadt abzustimmen.

Doch der Baubeginn, eigentlich schon für Ende letzten Jahres angekündigt, verzögert sich immer weiter. Zunächst war ein Schallschutzgutachten nicht anerkannt worden, weil der Gutachter in Schleswig-Holstein nicht zugelassen ist. Inzwischen liege ein neues Gutachten in Husum vor. Doch nun fehlt, wie die Ausschuss-Vorsitzende Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) berichtete, ein Brandschutzgutachten. Dem Investor sei nicht bekannt gewesen, dass das in Schleswig-Holstein nur öffentliche Gutachter erstellen dürften. Nun werde es vom Kreis selbst angefertigt, so Ofterdinger-Daegel.

"Der Investor hat die Unterlagen nicht so zügig eingereicht, wie er das vielleicht gekonnt hätte", räumte Heinz Lorenzen ein. Außerdem, begründete Ofterdinger-Daegel die vorab erfolgte Baugenehmigung für die Appartements, dauere es um einiges länger, den Antrag für einen Hotelkomplex zu prüfen, als den für einfache Appartementhäuser. "Angesichts der vielen Hotels, die auf Sylt gebaut werden, müsste das Kreisbaumt da doch langsam Übung haben", ließ Annemarie Lübcke (Grüne) diese Entschuldigung nicht gelten.

In Abstimmung mit dem Investor sei inzwischen sicher, dass mit dem Bau des Hotels nicht vor September begonnen werde, berichtete Lorenzen. Doch ob es tatsächlich noch zum Hotelbau kommt, wurde an diesem Abend von einigen Politikern und Zuhörern angezweifelt. Der Investor habe immer gesagt, dass er das Hotel nur bauen könne, wenn er die vom Land für die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen beantragten Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro erhalte, erinnerte Annemarie Linneweber. "Ich weiß nun aus zuverlässiger Quelle, dass er vom Land eine Ablehnung bekam und dagegen, obwohl dies möglich war, keinen Einspruch eingelegt hat", berichtete die SPD-Politikerin und ergänzte: "Ich finde das alles dubios". Für den Investor bestehe immer noch die Möglichkeit, nur die Appartements zu bauen und an die Stadt die vereinbarte Vertragsstrafe zu zahlen, "und die ist in unseren Augen dem Ganzen nicht angemessen", so Linneweber.

"Wie hoch ist diese Strafe?" - diese Frage an den Bürgermeister wurde in der Einwohnerfragestunde gestellt. Und die Antwort wurde von den Zuhörern mit Gelächter quittiert. 200 000 Euro, so berichtete Lorenzen, muss der Investor berappen, wenn er sich bei diesem Millionen-Projekt nicht an die vertraglichen Vereinbarungen hält. "Egal wie Verträge geschlossen wurden, es bleibt immer ein Restrisiko", räumte Lorenzen denn auch ein, dem die Ablehnung des Landeszuschusses ebenfalls bekannt war. "Wir sind das eingegangen und sollten alles tun, damit das Hotel gebaut wird", appellierte er.

"Was passiert, wenn die Appartements gebaut sind und das Hotel nicht, werden die dann wieder abgerissen", fragte eine Zuhörerin. "Wir müssen zusehen, dass nach einem gewissen Baufortschritt mit dem Hotel begonnen wird und können nicht zulassen, dass die Appartements fertig sind, bevor der Hotelbau beginnt", antwortete Lorenzen, räumte dann aber ein: "Zu 100 Prozent ausschließen können wir das nicht, aber wir werden alles tun, um das zu verhindern".

Der Bebauungsplan lasse keine Appartements ohne Hotel zu, sprang Paul Raffelhüschen (CDU) ihm zur Seite. Doch auch dessen Fraktionskollege Jan Arndt Boetius äußerte Zweifel. Es wäre wichtig, den Vertrag noch einmal juristisch darauf abzuklopfen, wie wasserdicht er ist, forderte er. Denn: "Schiss haben wir alle ein bisschen".

Zumal, weil anders als im vergangenen Herbst bekanntgegeben, ein Hotelbetreiber noch gar nicht feststeht (wir berichteten). Auf Nachfragen von Claudia Andresen (CDU) räumte Lorenzen jetzt ein, dass es mit der Düsseldorfer Lindner-Gruppe lediglich einen Vorvertrag gebe, der Investor aber außerdem noch einen weiteren renommierten Betreiber in der Hinterhand habe. "Aber das ist noch nicht entschieden", so der Bürgermeister. Er nehme an, dass das mit der Baugenehmigung zusammenhänge, "wenn die da ist, werden die handfestere Verträge unterschreiben".

Schließlich wurde noch über einen SPD-Antrag beraten, nach dem der Vorhabenträger aufgefordert werden sollte, umgehend zum Baufortschritt und zum Betreiber verbindlich Stellung zu nehmen. Einen Antrag, den Claudia Andresen (CDU) mit Hinweis auf die Vermieter in der Nachbarschaft der Baustelle unterstützte, die endlich Gewissheit haben müssten, ab wann es in ihrem Umfeld Beeinträchtigungen gibt. "Das hat mehr Wirkung, wenn wir das zwar jetzt beschließen, aber erst in der zweiten Julihälfte losschicken", meinte der Wyker Bürgermeister, "denn jetzt bekommen wir keine oder wieder nur eine unklare Antwort". Die Stadtvertreter beschlossen schließlich einstimmig, dass der Investor am 1. August Post aus Wyk bekommen soll.

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