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Ferring-Stiftung auf Föhr : „Ein Glücksfall für die Insel“

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Alkersumer Ferring-Stiftung wird 25 Jahre alt und feiert das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür. Neben musikalischer Unterhaltung stehen auch spannende Vorträge auf dem Programm.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2013 | 14:00 Uhr

Alkersum | „Die Ferring-Stiftung bestand anfangs aus Dr. Frederik Paulsen in seinem Ledersessel und einigen Jüngern drum herum“, erinnert Dr. Volkert Faltings an die Anfänge der Einrichtung, die in einer Woche, am Sonntag, 3. November, mit einem Tag der offenen Tür ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Faltings, inzwischen Vorsitzender der Stiftung, war damals selbst einer dieser „Jünger“, der dann, ausgestattet mit einem großzügigen Etat, von dem leidenschaftlichen Büchersammler Paulsen losgeschickt wurde, um für die Stiftung eine Bibliothek aufzubauen.

Man müsse etwas tun, um regionale Kultur und zu fördern und jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, auf diesem Gebiet zu forschen, sei die Intention Paulsens gewesen, berichtet Faltings von diesem „Glücksfall für die Insel“. Paulsens Stiftung fördert die Erforschung der Lebensbedingungen in den Uthlanden, der friesischen Sprache und Kultur und der nordfriesischen Geschichte.

Aufbauend auf die Privatsammlung von Frederik Paulsen entstand mit den Jahren eine der größten privaten Fachbibliotheken in Schleswig-Holstein, die als Präsenzbibliothek der Öffentlichkeit zugänglich ist. Unter anderem enthält sie die weltweit vollständigste Sammlung der Schriften des nordfriesischen Revolutionärs Harro Harring, berichtet Faltings stolz. In der Bibliothek forschen Studenten aus aller Herren Länder, die während ihres Aufenthalts auf Föhr auch in einem Appartement im Alkersumer Stiftungsgebäude wohnen können. Und so manche studentische Arbeit konnte von der Stiftung als Buch veröfffentlicht werden. Doch nicht nur junge Wissenschaftler, auch viele Privatleute, die beispielsweise Ahnenforschung betreiben, nutzen die Angebote der Stiftung. Ihnen steht nicht nur die riesige Bibliothek zur Verfügung, sondern auch das Archiv, das neben dem eigenen Stiftungsarchiv die Insel-Archive von Föhr und Amrum beherbergt. Und sie können das Bildarchiv nutzen, das auf dem riesigen Fundus von Wilhelm Ellermann basiert, der viele Jahrzehnte alle Ereignisse auf Föhr für den Insel-Boten fotografiert und seine Schätze vor einigen Jahren der Stiftung überlassen hat. „Das ist vermutlich das größte Fotoarchiv in nichtstaatlicher Hand“, schwärmt Faltings und berichtet, dass diese Fotosammlung oft zur Personensuche genutzt werde. „Da fragen Amerikaner an, die wissen wollen, wie ihre Oma aus Boldixum aussah“, sei die Ferring-Stiftung längst von einer reinen Förderstiftung zum Dienstleistungsbetrieb geworden.

Ein Betrieb, in dem nicht nur in Archiven und Büchern gestöbert werden kann, sondern in dem auch eigene Mitarbeiter ehrenamtlich Forschungsprojekte verfolgen. So kommt regelmäßig eine Gruppe zusammen, die sich mit alten friesischen Redewendungen und Sprichwörtern beschäftigt, und auch das Projekt zur Erfassung alter Obst- und Rosensorten ist unter dem Dach der Ferring-Stiftung angesiedelt.

Von Anfang an, so berichtet Volkert Faltings, habe die Stiftung außerdem eng mit dem Wyker Gymnasium zusammengearbeitet. Sie belohnt jedes Jahr den besten Abiturienten mit einem Preis und hat mit der Schule schon einige gemeinsame Projekte verwirklicht. So haben Föhrer Gymnasiasten eine Kindergeschichte und ein Werk von Ernest Hemmingway ins Friesische übersetzt und als Bücher herausgegeben, die komplett von den Schülern gestaltet wurden. „Die haben nicht nur übersetzt, sondern gelernt, wie man ein Buch macht“, berichtet Faltings. Schmunzelnd erinnert er sich daran, wie der Inhaber der Rechte am Werk Hemmingways in Amerika zunächst überhaupt nichts mit der Anfrage anzufangen wusste, ob man eine friesische Ausgabe eines Werks des Dichters herausgeben dürfe. „Der dachte bei Friesen an die Rinderrasse Friesian.“

Beim Tag der offenen Tür wird eines der jüngsten Kinder der Ferring-Stiftung, der im Stiftungsgebäude untergebrachte Radiosender Friisk Funk einer der Hauptakteure sein. Während der ganzen Veranstaltung, die von 10 bis 16 Uhr dauert, wird das Friesenradio senden und hat sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen: Wer schon immer einmal seinen Lieblingstitel im Radio selbst ankündigen wollte, kann an diesem Tag eine CD mitbringen und ein Stück ansagen.

Bibliothek und Archive können außerdem an diesem Tag besichtigt werden, die Besucher können friesische Sprachaufnahmen hören und sich über das Pflanzenprojekt informieren.

Und es gibt einige interessante Vorträge. Um 10 und 13 Uhr heißt es „Die Ferring Stiftung wird 25 – ein Rückblick“, um 10.30 Uhr berichtet Christfried Godbersen über das Armenhaus in Oldsum und um 11 und 14 Uhr wird unter dem Titel „Das Pferd – vom Nutztier zum Freizeitvergnügen“ eine Auswahl aus dem Bildarchiv vorgestellt. Für musikalische Untermalung des Jubiläumsfestes sorgt um 15 Uhr „Et orkester“ der Grundschule Föhr-Land, und natürlich gehören Kinder an diesem Tag nicht nur zu den Akteuren, sondern bekommen auch ein buntes Kinderprogramm mit Malstation und Quiz geboten.

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