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Föhrer Motiv : Ein Gemälde für das Friesenmuseum

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Insulanerin in Tracht: Der Kunsthistoriker Jürgen Ostwald überreicht im Namen der Fielmann-Stiftung ein Werk des Berliner Malers Paul Ernst Hildebrandt.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2015 | 10:00 Uhr

Jürgen Ostwald aus Kappeln hat einen Traumjob. Der Kunsthistoriker reist für die Fielmann AG von Auktion zu Auktion, und wenn er irgendeinen Kunstgegenstand des Kaufens für würdig hält, kann er mitbieten, ohne auf den Cent achten zu müssen. So geschah es im Frühjahr, als Ostwald in einem Rostocker Auktionshaus auf ein Gemälde mit eindeutigem Föhrer Motiv stieß. Es gelang ihm, dieses 1908 entstandene Werk des Berliner Genre- und Bildnismalers Paul Ernst Hildebrandt zu erwerben.

Ostwald hat dieses Bild nicht für sein eigenes Wohnzimmer, sondern für das Wyker Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseum erworben. Denn die Fielmann-Stiftung unterstützt seit 20 Jahren mittlere und kleinere Museen, die über keinen eigenen Etat für Anschaffungen verfügen können. In Schleswig-Holstein sind es rund 100 Häuser und außerhalb des nördlichsten Bundeslandes etwa 50 Einrichtungen, die von der Fielmann-Stiftung profitieren können. „Ich bin der Hilfskustos für die Museen“, erklärt Jürgen Ostwald, der auf seinen Reisen ein Augenmerk auf alles hat, was mit der Insel Föhr zu tun hat. Daneben darf er aber auch die 150 anderen Museen nicht vernachlässigen.

Das nun erworbene Bild – eine Föhrerin in Tracht sitzt in einer Friesenstube an einer Wiege – und sein Rahmen wurden in Kiel von Jochen Rosehr restauriert. Dieses Werk konnte Ostwald jetzt im Namen der Fielmann-Stiftung an Museumsleiterin Jutta Kollbaum-Weber überreichen.

Mit dem Erwerb ist der Einsatz des Kunsthistorikers noch lange nicht beendet. Vielmehr forscht er nun in alle Richtungen, um Einzelheiten über den Künstler und dessen Arbeit zu erfahren. Durch die Aufzeichnungen von Otto Heinrich Engel war zwar bekannt, dass sich Hildebrandt 1907 und 1908 auf Föhr aufgehalten und ihm Lena Hinrichsen Modell gestanden hatte. Doch bisher war kein Föhr-Bild von Hildebrandt nachweisbar gewesen. Otto Heinrich Engel äußerte sich übrigens in seinen Aufzeichnungen recht herablassend über den Künstler, den er offensichtlich als Konkurrenten sah. „Das ist kein Maler, dem fehlt jedes Temperament und Feuer.“

Bisher konnte Jürgen Ostwald herausfinden, dass Paul Ernst Hildebrandt 1876 im heute polnischen Tuchel geboren wurde und 1942 in Berlin starb. Alte Adressbücher verrieten dem Kunsthistoriker zudem, dass Hildebrandt in der Luipoltstraße 7 gewohnt und von 8 bis 9 Uhr eine Sprechstunde für Kunstinteressierte angeboten hatte. Im Katalog von 1908 der Großen Berliner Kunstausstellung ist ebenfalls ein Werk des Genre-Landschafts- und Bildnismalers verzeichnet. Bekannt ist auch, dass Hildebrandt Meisterschüler von Anton von Werner war. „Doch nach dem Ersten Weltkrieg verlieren sich alle Spuren des Malers“, berichtet der Mitarbeiter der Fielmann-Stiftung, der aber noch immer auf Hildebrandts Spuren ist.

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