Otto Christian Hammer : Ein echter Held der Insulaner

Anhand einer Karte erläuterte Dr. Volkert Faltings, wie Hammer das Wattenmeer listenreich für seine Aktionen nutzte. Foto: ERK
Anhand einer Karte erläuterte Dr. Volkert Faltings, wie Hammer das Wattenmeer listenreich für seine Aktionen nutzte. Foto: ERK

Der dänische Kapitänleutnant vertrieb im Krieg von 1864 die schleswig-holsteinischen Besatzer von Föhr.

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28. März 2013, 08:20 Uhr

Alkersum | "Viele Insulaner und Schleswig-Holsteiner wissen viel zu wenig über den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, der die politische und nationale Entwicklung der Herzogtümer Schleswig und Holstein entscheidend beeinflusst hat", beklagte sich Dr. Volkert Faltings und versuchte, diese Lücke mit seinem Vortrag über den dänischen Kapitänleutnant Otto Christian Hammer ein wenig zu schließen.

Hammer bot sich dafür an, weil er als Oberbefehlshaber die dänischen Seestreitkräfte an der Westküste befehligte und mit der überraschenden Anlandung von Sylt aus die schleswig-holsteinischen Besatzer von Föhr vertrieb. Ein Andenken an das abschließende Rückzugsgefecht steckt in Form einer Kanonenkugel noch heute im ehemaligen Zollhaus am Wyker Hafen.

Es gelang Hammer immer wieder, die preußisch-österreichische Übermacht auszutricksen und die Besetzung Föhrs zu verhindern. Dabei hatte er zwei wichtige Verbündete, wie Faltings sie nannte, nämlich die Loyalität der meisten Insulaner und eine genaue Kenntnis des Wattenmeeres, die ihm immer wieder erfolgreiche Überfallaktionen erlaubten. Einmal soll ihm eine bevorstehende Invasion mit 50 kleinen Binnendeichsbooten von Hörnum aus verraten worden sein, woraufhin er über Nacht diese Boote stahl und auf dem Oldsumer Vorland zersägen ließ, um das Holz als Brennholz an die Bevölkerung zu versteigern.

Faltings gelang es auf der Basis von Primärquellen und eines Buches von Hammer selbst ("Vesterhav soernes Forsvar"), ein facettenreiches Bild des dänischen Offiziers und seines insularen Umfeldes zu zeichnen. "Er war ein David, der sich listenreich den übermächtigen Goliath vom Leib hielt. Er war der eigentliche Held der Insulaner", meinte Faltings, der die Darstellung Hammers in den Berichten der Kriegsgewinner als "grausamen, menschenverachtenden Tyrannen" schlichtweg falsch nannte.

Durch den Verrat des Gotinger Kapitäns Cornelius Braren am 9. Juli 1864 landete das 9. steierische Gebirgsjägerregiment an der Föhrer Südküste und besetzte Hammers Hauptquartier. Hammer wurde umzingelt und im Wyker Hafen gefangen genommen. Er kapitulierte, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits ein Waffenstillstand beschlossen worden war, von dem er nichts wusste. Diese Kapitulation habe Hammer zeitlebens nicht verwunden, betonte Faltings, der im zweiten Teil seines Vortrages auf die Auswirkungen der Annektierung durch Preußen 1867 einging, die viele Verschlechterungen für die Föhrer bedeutete. So galt auch für sie ab 17 Jahren eine dreijährige Wehrpflicht, obwohl Kanzler Bismarck einer Föhrer Delegation mündlich die Freistellung zugesichert hatte. Als Reaktion wanderten viele junge Männer aus. Auch wurden die privaten Seefahrtsschulen verboten, die durch ihre anerkannt gute Ausbildung für einen hohen Wohlstand gesorgt hatten. Die Mehrheit der Föhrer sei gar nicht glücklich gewesen, über Nacht preußisch geworden zu sein. "Sie gingen als Untertanen des dänischen Königs zu Bett und wachten als preußische Staatsbürger wieder auf", brachte es Faltings auf den Punkt.

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