Berufsausbildung : Ein Beispiel gelungener Inklusion

Vor dem Schullandheim wurde eine „Schneverdinger Goldbirke“ gepflanzt.
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Vor dem Schullandheim wurde eine „Schneverdinger Goldbirke“ gepflanzt.

Seit 20 Jahren werden behinderte Jugendliche in Hannover zu Helfern im Gartenbau ausgebildet. Das Jubiläum wurde jetzt im Schullandheim auf Föhr gefeiert.

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08. Dezember 2014, 19:00 Uhr

Inklusion, also die uneingeschränkte Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am allgemeinen Leben, ist heute in aller Munde. Als vor 20 Jahren in der Justus-von-Liebig-Schule, einer beruflichen Schule in Hannover, ein Ausbildungsgang für Menschen mit geistigem Förderbedarf ins Leben gerufen wurde, leistete diese Schule Pionierarbeit. Denn dort werden seither Jugendliche, die von Sonderschulen kommen, zu Helfern im Gartenbau ausgebildet und bekommen so die Chance, Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Jetzt wurde das Jubiläum dieses dreijährigen Ausbildungsgangs auf Föhr, im Schullandheim der Region Hannover, gefeiert – und das hat einen Grund: Seit 20 Jahren reist einmal im Jahr eine Gruppe dieser Auszubildenden auf die Insel, um dort im Bereich des Schullandheimes im Nieblumer Ortsteil Bretland gärtnerische Arbeiten in den Außenanlagen zu verrichten. Anlässlich des Jubiläums waren Vertreter des niedersächsischen Kultusministeriums, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ehemalige und derzeitige Schulleiter und Lehrer sowie zahlreiche Absolventen angereist – und wie in jedem Jahr auch eine Schülergruppe mit ihren Lehrern.

Diese sieben Schüler befinden sich im zweiten Ausbildungsjahr und haben auf dem Gelände des Schullandheims kräftig angepackt. So wurde eine „Schneverdinger Goldbirke“ in ein Beet mit selbstvermehrten Rosen gepflanzt, außerdem wurde Laub von der Rasenfläche geharkt und abtransportiert, die Regenrinne von Nadeln und Blättern befreit sowie Wege gefegt und eine Sitzfläche gereinigt. Im Übergang des Hüpfkissens wurden fünf Kubikmeter Sand verteilt um einer Verletzung vorzubeugen. Außerdem haben die Jugendlichen einige sturmgebeutelte Bäume gefällt und die Äste wieder als Sandfang an der Küste vor dem Schullandheim eingebaut. Dieses Verfahren war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. „Betrachtet man einmal die Deichhöhe von der Wattseite aus, wird man feststellen, dass im Bereich des Landschulheimes der Deich deutlich höher ist“, hat Lehrer Wolfgang Ebensen beobachtet, der den Ausbildungsgang von Anfang an betreut hat.

45 junge Menschen haben seit 1994 bis zum Ende ihrer Ausbildung durchgehalten, ihren Abschluss erzielt und dürfen sich Werker im Gartenbau nennen, berichtet Ebensen nicht ohne Stolz. Die meisten Absolventen seien derzeit unbefristet auf dem ersten Arbeitsmarkt im Gartenbau beschäftigt.

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