Verkehr auf Föhr : Ein Auto nur bei Bedarf

In größeren Städten ist Carsharing bereits ein übliches Konzept.
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In größeren Städten ist Carsharing bereits ein übliches Konzept.

Der Alkersumer Henner Grutkamp möchte einen Verein zur gemeinschaftlichen Verwendung von Fahrzeugen gründen.

shz.de von
08. März 2018, 17:45 Uhr

Der Verkehr – das ist etwas, was für viele Insulaner schnell zum Reizthema wird. Henner Grutkamp, zugezogener Alkersumer und überzeugter Fahrradfahrer, treibt seit mehreren Jahren eine Idee um, die auf dem Festland in den Großstädten seit über zwanzig Jahren umgesetzt und gegenwärtig ziemlich on vogue ist: Die gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen.

Laut Zahlen des Bundesverbandes Carsharing nutzten 2017 knapp zwei Millionen Menschen das Auto eines externen Anbieters. Der Unterschied zur herkömmlichen Autovermietung: Der Nutzer kann das Fahrzeug stundenweise mieten. Die Abrechnung erfolgt nicht nach einem Festpreis, sondern nach den gefahrenen Kilometern. Zudem kann das Auto – je nach Anbieter – an einem beliebigen Ort in der Stadt wieder abgestellt werden. Ist das auch eine Lösung für Föhr?

„Ja“, ist sich Grutkamp sicher und hat nach über sechs Jahren Bedenkzeit die Bürgerinitiative „Carsharing Föhr“ gegründet. Für ihn ist das Carsharing vor allem für Einheimische prädestiniert: „Ich fahre eigentlich ausgesprochen gerne Fahrrad. Aber nicht jedes Wetter und jede Distanz eignen sich dazu. Für diese Fälle würde ich zum Beispiel auf ein entsprechendes Angebot zurückgreifen“, erläutert Grutkamp seine Motivation.

Inspiriert wurde der Alkersumer durch seine Zeit in Düsseldorf. Hier gab es bereits zu Beginn der 90-er Jahre kleinere Carsharing-Unternehmen, deren Autos damals mit Erdgas angetrieben wurden. „Das war für damalige Verhältnisse schon ziemlich fortschrittlich“, weiß der Initiator von Carsharing Föhr.

Mittlerweile sind zahlreiche Unternehmen in den größeren Städten fest etabliert. Die Anbieter verstehen sich in erster Linie als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Dennoch machen sich auch kritische Stimmen breit. Geologen und Umweltverbände haben nachgerechnet – und festgestellt, dass an vielen Standorten Carsharing sogar zu mehr Verkehr führt. Menschen ohne Auto würden anstelle des öffentlichen Nahverkehrs nun insbesondere für Bequemlichkeitsfahrten das Auto nutzen, erläutert der Geograf Stefan Weigele in einem Bericht des Tagesspiegels.

Die Idee hat Grutkamp bei seinem Umzug auf die Insel trotzdem nicht losgelassen. Frei nach dem Motto „Irgendwo muss man ja anfangen“ gründete er am 1.April vergangenen Jahres die Initiative. Sein Ziel: „Ich möchte nun einen Verein aufbauen, um die Sache voranzutreiben.“

Parallel laufen auf der Insel bereits weitere Bestrebungen in diese Richtung. Vor einigen Jahren hatte die Energiegenossenschaft Föhr mit einigen Veranstaltungen einen Vorstoß zum Thema E-Mobilität und Carsharing gewagt. Die ersten Ansätze sollen in Zukunft weiter gefestigt werden: „Ein Schwerpunkt der Quartierskonzepte für die Gemeinden Oevenum, Midlum, Alkersum und Nieblum ist die E–Mobilität beziehungsweise das Carsharing“, erklärt Ulrich Jostwerner, Vertreter der Quartierskonzepte und Vorsitzender der Energiegenossenschaft. In naher Zukunft verfüge Föhr über große Mengen überschüssiger Energie. Carsharing sei eine Möglichkeit, diese sinnvoll für die Insel zu nutzen. „Derzeit befinden sich die Konzepte noch ungefähr bis Mai in der Datenerhebung. Es wird untersucht, in welcher Gemeinde wie viel Energie wofür benötigt wird. Bis zum Spätherbst planen wir aber die Umsetzung konkreter Projekte“, sagt Jostwerner.

Auch Henner Grutkamp sieht im Carsharing-Angebot an mehren Stellen einen Mehrwert für die Insel. So könnten nicht nur flexibel Wege schneller zurückgelegt werden, sondern auch langfristig neue Arbeitsplätze entstehen. Sein Wunsch für die weitere Entwicklung der Bürgerinitiative: Die Mitglieder sollen ihren ersten Wohnsitz auf Föhr haben, also ausdrücklich Einheimische sein. Denn um die geht es Grutkamp bei der Gestaltung eines Carsharing-Konzeptes in erster Linie. Außerdem ist sich der Initiator sicher: „Ich möchte in Zukunft schon etwas größeres daraus machen.“

Am kommenden Sonnabend, 10. März, möchte Henner Grutkamp seine Pläne für den neuen Verein konkret machen. Ab 11 Uhr findet eine Informationsveranstaltung in „Grethjens Gasthof“ in Alkersum statt. Eine telefonische Anmeldung sollte bis Freitag, 9. März, 12 Uhr, unter
✆ 04681/7465188 erfolgen.

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