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St. Laurentii : Ein altes Bild und seine Geheimnisse

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei den Restaurierungsarbeiten am Braren-Werk tauchte Birgit Hölzer tief in die Geschichte des Gemäldes ein. Nun hängt es wieder in der Süderender Kirche.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2016 | 18:45 Uhr

Im Gottesdienst am ersten Weihnachtstag kehrte das restaurierte Christus-Bild von Oluf Braren, das der Föhringer Maler in den 1820-er Jahren nach einer Vorlage von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein gemalt hatte, in die St.-Laurentii-Kirche zurück. „Wenn man das Bild unabhängig vom Standort anschaut, hat man das Gefühl, dass der Christus einen anschaut“, bemerkte Pastor Dirk Jeß während der Vorstellung. Jeß lobte die Arbeit der Midlumer Restauratorin Birgit Hölzer: „Ohne Sie hätten wir das nicht geschafft“, meinte er. „Mein Ziel war es, das Bild kunsthistorisch wieder aufzuarbeiten, um die Originalsubstanz zu erhalten“, betonte Hölzer.

Die aufwendigen Arbeiten hatten sich über einen Zeitraum von drei Monaten hingezogen. Nach der Abhängung des durch einen Wasserschaden im rechten, oberen Bereich und durch Schimmelbildung im unteren, horizontalen Bereich geschädigten Bildes im September erfolgten die notwendigen Maßnahmen in der Werkstatt von Birgit Hölzer in Midlum. Erst nachdem sie das Bild aus dem Rahmen genommen hatte, konnte die Restauratorin den Gesamtumfang der Schäden am Werk des Dorfschullehrers und Laienmalers von Westerlandföhr bewerten.

Mit welchen Farben hatte Braren eigentlich gemalt? Welche Mineralien, die er in der Natur und am Strand suchte, hatte er für die Herstellung seiner Farben verwendet und daraus seine eigene Kombination aus Aquarell und Tempera gefunden? Welches Papier und in welcher Güte stand ihm in seiner Zeit für seine in Aquarell gefertigten Bilder zur Verfügung? Wieso ist das Untergrundpapier so zerschnitten und teilweise ersetzt worden? Fragen über Fragen, die es zu klären galt. „Mit diesen Fragen sieht mich Herr Braren jeden Tag an“, bemerkte Hölzer während der Restaurierungsarbeiten.

Aber da war auch noch im ersten Schritt die Beseitigung des Schimmels vorzunehmen. Die Abtragung auf der Oberfläche erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. „Durch den Wassereinfall, der sich im unteren Bereich des Bilds sammelte, ist das Blatt arg in Mitleidenschaft gezogen worden“, stellte die Restauratorin fest. Außerdem entdeckte sie im unteren Bereich Papierrisse und Papierkittungen. Diese Fläche war bereits in früherer Zeit qualifiziert ausgebessert oder ersetzt worden. War es Braren eventuell selbst? Hölzer weiß es nicht. Doch nach ihrer Bewertung ist es eine filigrane Arbeit gewesen, mit bloßem Auge sei das ansatzlose Ausbessern und Ersetzen von Papiergrundlage und Farben nicht zu erkennen. Weiter erschien der rechte Ärmel des Gewands übermalt und wohl im Original nicht abschließend ausgemalt gewesen zu sein. Die Untersuchung der Gesichtsfläche ließ eine Vergrauung erkennen, die auf eine eiweißhaltige Substanz in den verwendeten Farben hinweist und den Schluss zulässt, dass dieser Bereich sehr alt und ursprünglich sein könnte.

Nicht zuletzt war eine Entscheidung zu treffen, mit welchen aktuell zur Verfügung stehenden Farbmaterialien die Retuschen vorgenommen werden konnten. Auch die Wasserbeständigkeit der Bildoberfläche musste berücksichtigt werden. Schließlich fiel Hölzers Wahl unter anderem auf Pastellkreiden, die für professionelle Arbeiten verwendet werden.

„Eine Bildsignatur lässt sich leider nicht feststellen, obwohl im unteren Bereich seltsame schwarze Farbspuren sichtbar sind“, berichtet Hölzer über ihre Erkenntnis aus der Restaurierung. „Eigentlich hat Braren ganz klein unter dem Bild sehr ordentlich und sorgfältig unterschrieben, nicht mit Farbe signiert. Aber ein solcher Malrand ist wohl, wenn er jemals vorhanden war, bereits früher abgeschnitten worden“, so die abschließende Einschätzung der Expertin.

Nach dem Weihnachtsgottesdienst nahm das Bild wieder seinen Platz an der Westseite des Nordschiffs ein. Ein UV-Glas und Abstandshalter am Rahmen sollen es vor weiteren Schäden schützen, damit sich auch noch folgende Generationen daran erfreuen können.

Im Rahmen des Restaurierungsprojekts der Kirchengemeinde werden im kommenden Jahr zwei weitere historische Gemälde überarbeitet, die weitere umfangreiche Aufwendungen mit sich bringen. Wer sich für die Erhaltung des föhringer Kulturguts interessiert und dies mit einer Spende unterstützen möchte, erhält Informationen über das Kirchenbüro oder über die Internetseite der Gemeinde, www.st-laurentii.de/kontakt.

Zum Abschluss der Arbeiten wird es einen Vortrag von Birgit Hölzer in der St.-Laurentii-Kirche geben, in dem sie über die Restaurierung der drei Gemälde berichten wird. Den Termin wird die Kirchengemeinde noch bekannt geben.


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