zur Navigation springen

Ferring Stiftung : Eigenheiten der friesischen Sprache

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Interessanter Vortrag: Der Kieler Professor Jarich Hoekstra stellte bei einem Vortrag in der Ferring-Stiftung seine Forschungsergebnisse vor.

„Feringen, ödersembüür, stianoodsen an nuurdaanjgen“ hatte Professor Jarich Hoekstra von der Kieler Universität seinen Vortrag überschrieben, in dem er der Frage nachging, wie friesische Einwohnernamen gebildet werden. So verstecken sich hinter den eingangs genannten friesischen Bezeichnungen die Föhrer, Utersumer, Steenodder und Norddorfer – im deutschen wird also nur das –er angehängt, um die Bewohner eines Ortes zu benennen. Anders im Friesischen, wo der Einwohnername meist vom geographischen Adjektiv abgeleitet wird. So wohnen in Noorsaarep (Norddorf) nicht die noorsaarper sondern a nuurdaanjgen (die vom Norderende) und in Olersem (Oldsum) wohnen nicht die olersemer sondern a olersembüür (die Oldsumerbauer).

Dabei ist der Zusatz „bauer“ nicht mit dem deutschen Wort Bauer (Landwirt) zu verwechseln, denn das friesische „büür“ ist hier ein Verwaltungsbegriff, der die gesamte Bürgerschaft eines Dorfes umschreibt. So ist ein friesischer „büürstook“ (Bauernstock) eine Art Gemeindebrief, der als Zeitung an einem Stock befestigt von Haus zu Haus weitergegeben wurde, und unter „büürlun“ versteht man nicht einfach übersetzt das Bauernland, sondern das gemeinsam genutzte Genossenschaftsland.

Bei der Unterscheidung von „aasdring“ und „weesdring“ geht man auch wieder von geographischen Adjektiven aus und bezeichnet damit die östlichen und westlichen Inselbewohner auf Föhr. Dabei ist der Suffix –ing über –inge aus dem altfriesischen –inga entstanden, wie er in Westfriesland noch heute weit verbreitet ist. Bewohner jüngerer Wohnorte wie Wyk und Wittdün werden auf Friesisch mit einem –s bedacht, so dass die Amrumer und Föhrer Friesen von „wiksen“ und „witjdünsen“ reden.

Bei der Recherche war Hoekstra in historischen Quellen aus dem 17. Jahrhundert auch auf Formen gestoßen, die heute auf Föhr und Amrum nicht mehr gebräuchlich sind (beispielsweise söleraanjing statt heute söleraanjbüür), auf Sylt aber Parallelen haben.

Ein nicht ganz einfacher aber interessanter Stoff, den der Friesischprofessor den Besuchern in der Ferring-Stiftung mit vielen Beispielen näher brachte. Unter seinen Zhörern waren „söleraanjbüür, ööwenembüür, aalkersembüür, ödersembüür an wiksen“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen