Amrum : Drei Jahre auf der Walz

Gemeinsam mit anderen Rolandsbrüdern verließ der junge Amrumer (3. v. re.) die Fähre.
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Gemeinsam mit anderen Rolandsbrüdern verließ der junge Amrumer (3. v. re.) die Fähre.

Endlich wieder in Wittdün angekommen: Großer Bahnhof für Henning Bruns.

shz.de von
26. Juni 2018, 13:00 Uhr

Die, die es wussten waren alle da. Für die anderen war schnell klar: Da ist etwas Besonderes los am Wittdüner Fähranleger.

Das war es in der Tat, und es kommt auf der Insel nicht allzu häufig vor. Der junge Amrumer Henning Bruns war als Zimmermannsgeselle auf der Wanderschaft, und kehrte nun nach drei Jahren und neun Monaten auf seine Heimatinsel zurück, die er während der Zeit der Walz nicht betreten durfte.

Früh kam Henning mit dem Rolandschacht, der 1891 in Nürnberg gegründeten Vereinigung traditioneller Bauhandwerksgesellen, in Berührung. Denn auch sein Vater Mario Bruns schlug bald nach Beendigung seiner Zimmerer-Lehre den Weg als Rolandsbruder ein. Durch Hennings private Kontakte zu einigen Rolandsbrüdern und die Erfahrungen seines Vaters wuchs in ihm der Wunsch, ebenfalls auf die Walz zu gehen. Nach erfolgreichem Ausbildungs-Abschluss und einem zünftigen Abschiedsfest begann die Wanderschaft des Jung-Gesellen als Rolandsbruder im September 2014. Nach den Regularien des Rolandsschachts muss sie mindestens drei Jahre und einen Tag andauern. In dieser Zeit darf ein Rolandsbruder den Bannkreis von 60 Kilometern um seinen Heimatort nicht betreten, muss schuldenfrei und unverheiratet sein. Zu erkennen sind die Rolandsbrüder an ihrer Kluft und der dazugehörigen Krawatte, der „blauen Ehrbarkeit“, dem Knotenstock (Stenz) und dem Charlottenburger, „Charly“. In diesem mit traditionellen Handwerkermotiven geschmückten Tuch wird das Wandergepäck gebündelt.

Nach drei Jahren und neun Monaten kam Henning nun wieder zu Hause an. Nach seiner Ankunft in Wittdün und vielen Ritualen und Liedern der mitgereisten Rolandsbrüder am Fähranleger schauten Familie, Freunde und Neugierige gespannt zu, wie Henning das Ortsschild überkletterte, um auf der anderen Seite endlich von allen herzlich begrüßt werden zu können.

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