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Auf Föhr : Dohlen in der Schleiereulen-Wohnung

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Nistkasten-Aktion blieb bisher ohne Erfolg. Die Insel wird trotzdem offenbar von einzelnen Tieren angeflogen.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 12:45 Uhr

Die Insel Föhr hat Vogelkennern und -forschern viel zu bieten, auch wenn deren Bemühungen nicht immer zu einem Happy-End führen. Dies scheint auch das Schicksal von Friedhelm Scheel aus Westerkappeln bei Osnabrück zu sein. Der 65-jährige Umweltschützer, der lange Jahre als ehrenamtlicher Landschaftswart des Kreises Steinfurt fungierte, hat sein Herz ganz speziell an die Schleiereulen verloren, und war sofort elektrisiert, als er während eines Föhr-Urlaubs vor elf Jahren von einem Oldsumer Landwirt erfuhr, dass auf dessen Hof ein Schleiereulen-Paar bereits mehrere Jahre hintereinander brütete.

Da Friedhelm Scheel nicht der Typ Urlauber ist, der nur still am Strand liegen mag, wurde er aktiv, um diesen bedrohten Vögeln zu helfen, die früher häufig auf der Insel gebrütet haben. „Als Kulturfolger wählen die Schleiereulen ihre Brutplätze in menschlichen Siedlungen, wobei ihnen offene Scheunen und Ställe besonders zusagen“, berichtet Friedhelm Scheel. Der Vogelschützer, der damals auch an einem Mettinger Gymnasium eine Arbeitsgemeinschaft Natur leitete, begann zunächst alleine, danach gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, Nisthilfen für Schleiereulen zu zimmern, die nach Absprache mit Föhrer Landwirten in deren Scheunen aufgehängt wurden. So entstanden im Laufe von drei Jahren 16 Kästen für Schleiereulen, die über die ganze Insel verteilt aufgehängt wurden. Scheel, der in seiner Heimat mit dieser Methode einen Erfolg bei der Schleiereulen-Population verzeichnen konnte, ging eigentlich davon aus, dass diese Greifvögel früher oder später die Nisthilfen entdecken würden. „Diese Vögel sind recht neugierig“, wusste er zu berichten und Gewöllefunde waren für ihn ein weiterer Hinweis, dass Schleiereulen auf Föhr anzutreffen sind.

Es vergingen einige Jahre, in denen Friedhelm Scheel, inzwischen Koordinator Naturschutzjugend der Arbeitsgruppe für Naturschutz Tecklenburger Land, nicht nach Föhr kommen konnte. Doch nun verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau und seinem vierjährigen Enkel Leon wieder einen Inselurlaub, in dessen Verlauf er die Kästen kontrollierte, die er vor Jahren aufgehängt hat. Zwölf dieser Nisthilfen fand er noch vor, doch zu seinem Bedauern, war keine von den Schleiereulen angenommen worden. Dafür waren Dohlen in einige diese Kästen eingezogen.

Wenn nun auch die Bemühungen des Vogelschützers keinen Erfolg hatten, so konnte er zumindest bei dem Alkersumer Landwirt Jan Carstensen einen eindeutigen Beweis für das Vorhandensein der Greifvögel erhalten. Carstensen hatte nämlich eine tote, beringte Schleiereule gefunden und deren Ring aufbewahrt. Wieder zu Hause nahm Scheel Kontakt zur Vogelwarte Helgoland auf und erfuhr inzwischen, dass das Tier in Belgien beringt worden ist. Damit hat der Vogel einen weiten Weg bis nach Föhr zurückgelegt. Dies sei aber nicht außergewöhnlich, berichtet Scheel nach dem Studium der einschlägigen Literatur. Bei Hunger und Überbevölkerung komme es zu „Wanderjahren“, die sehr unterschiedlich verlaufen können. Dies sei bei der Auswertung von Ringfunden in Ganz Europa deutlich geworden.

Nach seinen Erfahrungen auf Föhr hat Friedhelm Scheel auch Kontakt zu Dirk-Peter Meckel vom Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein aufgenommen. Von ihm erfuhr Scheel, dass der Bestand im Augenblick „im Keller“ sei. Die Umstrukturierung in der Landwirtschaft und das sehr geringe Mäuseaufkommen spiele dabei sicherlich eine zentrale Rolle. Dies sei sicher auch der Grund, dass auf der Insel zur Zeit kein Brutpaar nachgewiesen werden kann. Wenn es also bisher zu keinem Happy-End gekommen ist, so hofft der Vogelschützer aber immer noch langfristig auf eine positive Wendung.

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