Föhr : Die Weißen haben die Nase vorn

Eigentlich haben viele Insulaner den Regen herbeigesehnt. Aber ausgerechnet beim Bundesreiten? Fotos: ubs
1 von 4
Eigentlich haben viele Insulaner den Regen herbeigesehnt. Aber ausgerechnet beim Bundesreiten? Fotos: ubs

Bei „schaurigem“ Wetter: Die Westerlandföhrer siegen beim Bundes-Ringreiten auf Osterlandföhr.

shz.de von
14. August 2018, 10:00 Uhr

Der beste Platz ist immer der des Reiters auf seinem Pferd. Aber der zweibeste Platz beim diesjährigen Bundesringreiten der vier Föhrer Vereine war definitiv auf der Moderatorentribüne. Denn neben Werner Jacobsen, dem Kenner am Mikrofon, saßen die Spezialisten alter Ringreitschule und plauderten gehörig übers Geschehen. „Frauen sind eigentlich die besseren Reiter, aber sie treffen leider die Ringe weniger“, waren sich Gerhard Ohlsen und Jes Arfsten einig. „Wir denken zu viel vor dem Ring, und das fällt bei Männern weg “, sagte Britta Nickelsen trocken. „Die schalten den Kopf aus.“ Die Männer nickten. Die Toftumerin ritt dieses Jahr nicht mit – „einer muss ja melken“ – dafür waren Mann und Schwiegervater am Start. Insgesamt 65 Teilnehmer teilten sich das Feld, jeweils 17 bei den Oster- und Westerlandföhrern sowie den Mitteldörfern und 14 bei den Frauen. Sie hatten teilweise mit heftigen Regengüssen zu kämpfen, was auch die Pferde nicht mochten. „Die wollen nicht mehr in der Spur laufen, das ist denen zu glatt“, bemerkten die Experten an der Seitenlinie des Öfteren.

Üben die eigentlich viel? Das war eine der häufigsten Fragen der Zaungäste, die sich nach Besserung des Wetters vermehrt einfanden. „So gut wie gar nicht“, sagte Experte 1. Experte 2: „Aber Reiten musst du können, und geschickt sein.“ Experte 3 erzählte von früher, als die Frauen 1989 ihren eigenen Verein gründeten – aus Protest, weil die Herren der Schöpfung unter sich bleiben wollten. Nun habe der Mitgliederschwund alle eingeholt, und auch in den anderen Vereinen findet sich die ein oder andere Frau.

Ein Blick ins Statistik-Buch: „1998 in Oldsum waren noch 113 Reiter am Start“, erzählte Jacobsen. Verheiratet muss man auch schon lange nicht mehr sein für einen Platz im Verein. Nur mindestens 18 Jahre alt. Der Nachwuchs verdient sich heute 15 Euro mit dem Aufheben und Wiederanbringen der Ringe, und je nach dem, wie viel der Reiter spendiert, noch ein bisschen beim Hüten des Pferdes während des Reiters Kaffeepause.

Die verlief nach so viel Schietwetter in strahlendem Sonnenschein. Auf den zweiten Teil folgte ein Kapellen-Ritt durch die Gemeinden und abends der Reiterball in Midlum.

Die Ergebnisse im Stechen des 3,6 Zentimeter großen Ringlochs: Westerlandföhr siegte mit einer Durchschnittsringzahl von 12,76 bei 28 möglichen, gefolgt von Osterlandföhr (12,12). Den dritten Platz machten die Mitteldörfer mit 11,94 vor den viertplatzierten Frauen mit 11,14. Die Spitze der Einzelreiter teilten sich in den letzten Jahren genau zwei Herren, die sich regelmäßig auf Platz eins und zwei abwechselten, so auch 2018: Auf dem ersten Platz dieses Jahr der Oevenumer Gerd Ohlsen mit 23 Ringen, gefolgt von Erik Jensen aus Süderende (22 Ringe). Nach Stechen siegte auf dem dritten Platz die diesjährige Königin Freya Thomsen aus Borgsum vor Martin Hemsen aus Midlum (beide 21 Ringe). Ebenfalls nach einem Stechen gewann Platz fünf der Oldsumer Rainer Braren vor Svenja Jensen aus Midlum (beide 20 Ringe).

Und noch ein paar Zahlen aus der Föhrer Bundesringreit-Statistik: Seit Austragen des Wettbewerbs siegten die Osterlandföhrer 23 Mal, vor den Mitteldörfern (22) und Westerlandföhr (13). Zwischen den Jahren 1948 und 1972 fand die Veranstaltung nur alle zwei Jahre statt; seit 1994 wird sie durch die Teilnahme der Frauen komplettiert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen