Der Erste Weltkrieg : Die tägliche Hölle des Stellungskriegs

Soldaten spielen Skat: Ein Versuch, die tägliche Ausweglosigkeit zu vergessen.
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Soldaten spielen Skat: Ein Versuch, die tägliche Ausweglosigkeit zu vergessen.

Große Verluste bringt das Kriegsjahr 1915 in Verdun und an der Somme. Auch der Wrixumer Momme Petersen fällt an der Front.

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09. Juli 2015, 18:30 Uhr

Im September 1914 stehen den 84 deutschen Divisionen an der Westfront 85,5 Divisionen der französisch-englischen Armee gegenüber. Von Noyon, nordöstlich von Paris, zieht sich die Front bis zur Schweizer Grenze hin und verharrt im Stellungskrieg. Zu Beginn des Jahres 1915 hat sich daran nichts Wesentliches geändert. Und so wird es bis zum Kriegsende 1918 auch bleiben: ein paar Kilometer Frontlinie vor und wieder zurück.

Irgendwo bei Noyon und Moulin erlebt der in Maasbüll geborene Momme Petersen (1882-1915) die tägliche, die stündliche Hölle und Ausweglosigkeit des Stellungskriegs. Kriegsmüdigkeit macht sich bei den Soldaten bemerkbar. Weihnachten, an dem man angeblich schon wieder zu Hause sein sollte, ist schon ein halbes Jahr her. Zu Hause in Wrixum auf Föhr hat Momme Petersen eine Frau und zwei Kinder. 1909 hat er Nicoline Amalie Schnoor (1889-1941) aus Dagebüll geheiratet, ihre gemeinsamen Kinder heißen Marie Christine und Andreas.

Das Kriegsjahr 1915 ist gekennzeichnet durch ungeheure Verluste in Verdun und an der Somme. Am 24. Juni muss Nicoline Amalie Petersen die Todesanzeige ihres Mannes in die Zeitung setzen. Momme Petersen stirbt am 16. Juni 1915 im Lazarett von Chauny an der Oise nahe Noyon. Er wird auf dem dortigen Friedhof beerdigt. Am 4. Juli 1915 hält Pastor Friedrich Höber (1870-1942) in der St. Nicolai-Kirche eine Gedächtnisrede für Momme Petersen.

Seine Witwe heiratet in zweiter Ehe den auf Föhr bekannten Hausschlachter Ludwig Mommsen (1885-1961), genannt „Lüdde Ludde“. Sie bewohnen in Wrixum das Haus Ohl Dörp 32. Momme Petersens Tochter Marie Christine heiratet nach Fahretoft, sein Sohn Andreas (1911-1963) wird 1963 bei schwerem Sturm kurz vor Hamburg auf Höhe vom Feuerschiff „Elbe I“ über Bord gespült. Nach dem Tod von „Lüdde Ludde“, der seine Frau Nicoline Amalie um zwanzig Jahre überlebt, wird Ohl Dörp 32 verkauft.


Und was geschieht auf Föhr?

Die Männer des inzwischen weltberühmten Kleinen Kreuzers „Emden“, zu denen auch der Boldixumer Willy Petersen-Emden gehört (1892-1983), sind nach mehrmonatiger Odyssee in Konstantinopel, also im mit uns verbündeten Osmanischen Reich, eingetroffen. Petersen-Emden kehrt mit einem Schiff nach Wilhelmshaven zurück, wird zur Erholung nach Friedrichsroda/Thüringen geschickt und kommt dann auf Heimaturlaub nach Föhr. Er muss nicht wieder in den Krieg ziehen.

Das Steuerrad und die Galionsfigur des 30 Meter langen Dreimastschoners „Ayesha“, mit dem die Männer der zerstörten „Emden“ einen Großteil ihrer Wegstrecke Richtung Europa zurücklegten, trugen sie unter großen Mühen bis nach Konstantinopel mit sich. Später sollen diese zwei Erinnerungsstücke im damaligen Berliner „Museum für Meereskunde“ deponiert worden sein. Auf Anfrage in der Nachfolgeinstitution heißt es über die Galionsfigur: „Das letzte, was wir über ihren Standort sagen können, ist, dass sie im Sommer 1944 nach Sellnow ausgelagert wurde. Seitdem ist sie verschollen.“ Ob das Steuerrad der „Ayesha“ überhaupt ins „Museum für Meeresheilkunde“ gelangte, ist momentan nicht zu ermitteln.

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