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In Utersum : Die Suche nach dem Kompromiss

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Hotel „Zur Post“: Der neue Eigentümer will aufwendig sanieren und umbauen, die Gemeinde aber lehnt eine Änderung des Bebauungsplans ab.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Das Hotel „Zur Post“ bewegt derzeit die Utersumer Gemüter. Anfang des Jahres hatte Roluf Hennig Grundstück und Betrieb verkauft und ist seither Pächter. Der Käufer und Investor Thorsten Schulze aus Hattstedt plant nun, das Gebäude zu sanieren, umzubauen und zu erweitern. Ein aufwendiges Projekt, das Schulze mit einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro beziffert und für das die Gemeindevertretung einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan einstimmig abgelehnt hat.

Unverständlich für den Investor, verständlich aus Sicht der ehrenamtlichen Politiker. Denn das Gebäude steht auf einem sehr kleinen Grundstück, derzeit mit einer Grundflächenzahl (GRZ) von 0,46. Der B-Plan aber nennt für diesen Bereich 0,2, das heißt, 20 Prozent dürfen überbaut werden. Das Hotel hat Bestandsschutz, somit sind verfahrensfreie Veränderungen möglich. Ein Umbau allerdings, mit dem eine Umnutzung einhergeht, setzt einen Bauantrag voraus. Folge: Die GRZ wird neu berechnet, frühere Genehmigungen und der Bestandsschutz gelten nicht mehr und der B-Plan muss eingehalten werden.

Da der Investor umfangreiche Baumaßnahmen plant, steht und fällt das Projekt mit einer B-Plan-Änderung. Denn Gebäudeteile, die derzeit nicht zum Hotel gehören, sollen integriert werden. Eine Nutzungsänderung müsste beantragt werden und diese Bereiche würden ebenso zur Grundfläche hinzugerechnet werden wie die weiteren Planungen, zu denen eine gastronomische Außenterrasse, der Umbau eines Schuppens zum Wellnessbereich und ein Foyer, das neu gebaut werden soll, gehören.

Der Architekt Jan Lorenzen, neben Daniel Meer vom Bauamt des Amtes Föhr-Amrum, das für die Gemeinden für die Bauleitplanungen zuständig ist, als Berater ins Boot geholt, hatte den Entwurf überschlägig berechnet und kam auf eine GRZ von 0,53. Zudem sollen auf dem Gelände neue Stellplätze geschaffen werden. Die werden zwar nicht der GRZ zugerechnet und fallen unter die Überschreitungsmöglichkeit um 50 Prozent für Parkplätze, Zufahrten und Nebengebäude. Aber: „Alles zusammengerechnet, könnte es bei der vorliegenden Planung in Richtung 80 Prozent gehen“, sagt Daniel Meer, „das ist dann schon eine sehr hohe Versiegelung“.

Thorsten Schulze kommt ohne die Zustimmung der Gemeinde nicht weiter. „Das ist ja die Crux. Ich brauche einen vorhabenbezogenen B-Plan, um auch nur einen Handschlag machen zu können.“ Auf den Wirtschaftsfaktor weist der Investor hin, die Schaffung von Arbeitsplätzen, zusätzliche Gäste und die Förderung der Infrastruktur. Gutachterkosten in Höhe von 20  000 Euro seien angefallen und vom Land nach einer positiven Bewertung durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schleswig-Holstein Fördergelder in Aussicht gestellt worden.

Dass die Gemeinde das Hotel im Dorf und an diesem Standort erhalten will, betont die stellvertretende Bürgermeisterin Maren Martensen, die sich fragt, ob das Hotel zur Post nach dem Umbau „für uns Bürger unsere Gaststätte bleibt“. Martensen ist Ansprechpartnerin für Thorsten Schulze, nachdem sich Bürgermeister Joachim Lorenzen für Befangen erklärt hatte und mittlerweile von Amtsdirektorin Renate Gehrmann vom Verfahren ausgeschlossen wurde. Wie auch der Gemeindevertreter Richard Quedens: beide sind Hotel-Nachbarn, die von dem Projekt Vor- oder Nachteile haben könnten; zudem ist Joachim Lorenzen mit Roluf Hennig verwandt.

Letzter versteht die Welt nicht mehr. Seit zweieinhalb Jahren plane der Investor, so Hennig, „um mit mir das Hotel langfristig auf wirtschaftliche Füße zu stellen“. So solle der Gastronomiebetrieb, für den vor 50 Jahren von Hennigs Eltern der Grundstein gelegt worden war, langfristig in Utersum gehalten werden. Und Hennig ist verbittert: „Sollte die Gemeindevertretung ihre Meinung nicht ändern, werden wir irgendwo anders auf Föhr etwas machen.“ Hennig bezweifelt, dass alle Politiker ausreichend informiert waren. So habe eine geplante Powerpoint-Präsentation am Abend der Abstimmung nicht stattgefunden und die Gemeindevertretung entschied – nach einem mündlichen Vortrag von Thorsten Schulze – anhand eines Vorentwurfs.

Ein Projektplan, der allerdings einen Eindruck vermittelte und zu dem bekannten Ergebnis führte. Die Gemeinde sah sich außerstande, in diesem Fall eine Regelung auf den Weg zu bringen, die deutlich über das hinausgeht, was sonst in der Umgebung zulässig ist. Zu groß ist die Angst, Begehrlichkeiten zu wecken. Würde ein Einzelvorhaben hier derart vorteilhaft behandelt, stehe zu befürchten, dass Eigentümer anderer Liegenschaften im Bereich des B-Plans, deren Gebäude ebenfalls die GRZ überschreiten, auf den Zug aufspringen könnten.

Für Unmut sorgte überdies, dass die Gemeinde erst so spät mit dem Vorhaben konfrontiert wurde. „Ich finde es schade, dass wir, bevor ein so großes Projekt angeschoben wird, nicht gefragt wurden“, äußert Göntje Schwab, zweite stellvertretende Bürgermeisterin, ihr Unverständnis. „Wir sind dem ja nicht abgeneigt und gesprächsbereit, werden aber vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Die Gemeinde setzt auf Dialog und auch Thorsten Schulze will ein Treffen forcieren. Im dem die Möglichkeiten eines vorhabenbezogenen B-Plans und eines Durchführungsvertrages ausgelotet werden könnten. Es gilt zu klären, was die Gemeinde an diesem Standort will, was der Investor, und ob beide Parteien einen Konsens finden.

Zuvor jedoch hat Roluf Hennig alle Dorfbewohner und die Gemeindevertretung zu einem Informationsabend in das Hotel „Zur Post“ eingeladen. Am Mittwoch, 14. Oktober, soll das Projekt um 20 Uhr vor Ort vorgestellt werden.

 

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