Föhr und Amrum : Die Start-Helfer der Inseln

Berichteten  von der Arbeit des Vereins: Sybille Wahala (li.) und Karla Bull.
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Berichteten von der Arbeit des Vereins: Sybille Wahala (li.) und Karla Bull.

Die Flüchtlingshilfe unterstützt Asylsuchende in allen Lebenslagen. Die Ehrenamtlichen wünschen sich trotzdem, dass die hauptamtliche Stelle beim Amt erhalten bleibt.

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05. Januar 2018, 13:00 Uhr

Über Flüchtlinge ist zur Zeit auf Föhr und Amrum nur wenig zu hören. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr auf den Inseln sind. Zwischen 70 und 80 Asylsuchende leben zur Zeit auf Föhr. Unterstützt werden sie von der insularen Flüchtlingshilfe, deren ehrenamtliche Mitglieder sich manchmal bis an die Grenzen ihrer Kraft abmühen, den Menschen, die hier nach oft traumatischen Erlebnissen bei der Flucht gelandet sind, die Wege in ein normales Leben zu ebnen.

Der Verein scheint so effektiv zu sein, dass man den hauptberuflichen Flüchtlingsbetreuer in der Amtsverwaltung als überflüssig betrachtet. „Wir haben einen Antrag gestellt, dass dieser Posten erhalten bleibt“, berichtet Sybille Wahala, die Vorsitzende der Flüchtlingshilfe. „Die Ehrenamtlichen verheizen sich selbst. Außerdem benötigen wir weiterhin jemanden, der sich mit den Feinheiten der Bürokratie auskennt und die richtigen Wege bei der Lösung der Probleme kennt. Ehrenamtlich kann das nicht geleistet werden.“ Dabei verweist sie auf ein eher neues Problem. Die Asylanten, die in Lohn und Brot sind, können Lohnsteuerausgleich beantragen, eine Regelung, die nach Überzeugung von Wahala vielen nicht bekannt ist.

Zum Ende des Jahres zogen Sybille Wahala und ihre Vorstandskollegen Karla Bull und Siegfried Rettig, die seit März an der Spitze des Vereins stehen, eine Bilanz der Aktivitäten. Dabei erinnerte Wahala an den vor einiger Zeit auf Föhr abgeschlossenen Integrationskurs, der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verpflichtend vorgeschrieben ist. Hier habe sich wieder einmal die Flexibilität der Ehrenamtlichen als sehr hilfreich erwiesen. Sie richteten einerseits einen Fahrdienst für in Utersum wohnende Flüchtlinge ein und sprangen spontan als Babysitter für die Kinder dreier Frauen ein, die am Integrationskurs teilnahmen. „Ich war aber auch ganz schön geschafft“, bekannte die Babysitterin.

In diesem Zusammenhang weist die Vorsitzende der Flüchtlingshilfe darauf hin, dass angestrebt wird, einen weiteren Integrations- sowie einen Aufbaukurs anzubieten. Dabei kämen als Teilnehmer auch Polen, Rumänen und andere auf den Inseln lebende Menschen in Frage, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Melden können sie sich bei Marco Christiansen in der Amtsverwaltung in Wyk.

Sybille Wahala und Karla Bull berichteten aus den Erfahrungen der vergangenen Zeit, dass das BAMF oft an der Realität vorbei arbeite und Anforderungen stelle, die von der Insel aus absolut nicht erfüllbar seien. Sie begleite Asylbewerber zu den notwendigen Gesprächen in Husum, so Karla Bull weiter, und müsse zumeist feststellen, dass diese ohne Unterstützung ziemlich hilflos wären. Hürden gebe es auch bei der Gewinnung von Sprachlehrern. Eine Wykerin, die in Australien Deutsch für Ausländer unterrichtete und Zertifikate einer dortigen Universität vorweisen konnte, sei abgelehnt worden, während ein Sportlehrer mit deutschen Dokumenten sofort akzeptiert worden sei.

Der Beistand bei Fragen des täglichen Lebens auf den Inseln macht einen großen Teil der Aktivitäten aus. „Diese Menschen kommen traumatisiert von den Erlebnissen der Flucht bei uns an. Sie kennen solche Dinge wie zum Beispiel Mülltrennung und vieles andere nicht, was uns selbstverständlich ist“. In dieser Situation springen die Mitglieder der Flüchtlingshilfe Föhr-Amrum ein. Sie begleiten die Asylanten nicht nur zu den amtlichen Stellen, sondern auch zu ärztlichen Behandlungen und zu Elternsprechstunden an den Schulen und bemühen sich, sie heimisch werden zulassen. Besonders froh ist der Vorstand des Vereines über jeden Flüchtling, der eine Arbeitsstelle gefunden hat. „Eine feste Arbeit ist Integration pur“, betont Sybille Wahala.

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