christian II : Die Ruhe vor dem Sturm

Bei eineinhalb bis zwei Metern über Normal wird das Hafengebiet wieder zum Planschbecken.
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Bei eineinhalb bis zwei Metern über Normal wird das Hafengebiet wieder zum Planschbecken.

Bereits heute soll das Tief die Inseln erreichen und bis Sonntag andauern. Die Einsatzkräfte sind gelassen, aber in Alarmbereitschaft.

shz.de von
09. Januar 2015, 07:00 Uhr

Die Warnungen der Wetterdienste sind eindeutig und erinnern viele an die beiden Orkane „Xaver“ und „Christian“. Demnach soll der Wind von heute an bis zum Sonntag mit 90 bis 130 Stundenkilometer – also einzelnen Orkanböen der Windstärke 12 – blasen.

Trotzdem ist Gelassenheit das Gebot der Stunde. „Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres werden wir entsprechend der schließlich eintretenden Ereignisse reagieren und dafür den Krisenstab einberufen“, erklärte Jürgen Jungclaus in seiner Funktion als Abschnittsleiter des Katastrophenschutzes für Amrum. Da sich die Wetterereignisse anhand der errechneten Modelle oft noch ändern, sehe er keine Notwendigkeit, im Vorfeld Einsatzkräfte zu mobilisieren. Dies könne von den freiwilligen Kräften auch kaum geleistet werden.

So sieht es auch Amtsvorsteherin Heidi Braun, auf Föhr für den Katastrophenschutz zuständig. „Wir gehen nicht davon aus, dass das Wasser so weit reingedrückt wird“, so Braun, Im Übrigen seien die Deichgänger abhängig vom Wind unterwegs oder bei auflaufendem Wasser ab zweieinhalb Metern. Sollte das Wasser solche Höhen erreichen, ist Dunsum die Föhrer Schwachstelle, wo der Deich noch nicht verstärkt wurde. Die übrigen wurden kürzlich bei der Herbstdeichschau begutachtet und geben keinen Anlass zur Sorge. Das gilt auch für Oldsum, wo nachgebessert, eine kritische Stelle entschärft und der neue Deich noch einmal sicherer gemacht wurde. Gespannt sind auch die Utersumer, nachdem hier insbesondere der Hundestrand von den schweren Stürmen 2013 stark dezimiert worden und der Inselsockel zum Vorschein gekommen war. Rund 15000 Kubikmeter wurden im Dezember des vergangenen Jahres aus dem Strandbereich bei der Reha-Klinik abgetragen und auf einem 300 Meter langen Strandabschnitt ausgebracht. Bürgermeister Joachim Lorenzen ist nun gespannt, als wie haltbar sich diese Maßnahme erweist.

Auf beiden Inseln appellieren die Verantwortlichen an die Vernunft der Menschen. So ist es allemal besser, bei Sturm in den eigenen vier Wänden zu bleiben, statt sich bei Spaziergängen oder -fahrten zu gefährden. Auch sollten lose Dinge im Garten oder auf der Terrasse gesichert werden. „Damit die Feuerwehren wegen so einem Unfung nicht ausrücken müssen“, betont Amtsvorsteherin Heidi Braun. Vorbereitungen, die vielerorts schon getroffen wurden. „Ich habe vorsorglich alles, was bei starken Böen das Fliegen lernen könnte, weggeräumt“, beschreibt etwa ein Amrumer Hauseigentümer, und schleppt gerade den Terrassenstrahler in die Garage. „Im letzten Jahr flogen Dachziegel herunter und ganze Bäume wurden einfach umgerissen“, erinnert sich der Wittdüner.

Szenarien, für die auch die Feuerwehren auf beiden Inseln gewappnet sind. In Wrixum berichtete Wehrführer Thies Krüger gestern, dass die Sandsackfüllmaschine frisch gewartet und einsatzbereit sei. Vollzug in Sachen Vorbereitung vermeldete auch Wyks Wehrführer Kai Sönnichsen: „Wir haben das gesamte technische Gerät überprüft, jetzt müssen wir abwarten. Mehr können wir nicht tun.“

Sämtliche Hausaufgaben hat auch der Wyker Hafenbetrieb gemacht, der bereits gestern Nachmittag die Stöpe schloss. Bereits vor einiger Zeit seien angesichts der bisherigen Stürme, berichtete Wyks Hafenchef Ulrich Koch, alle Fahnenmasten gesichert und selbst die Hinweistafeln am Strand abgeschraubt worden. „In den Wäldern können wir nichts mehr vorbereiten, hier sind wir noch dabei, die alten Sturmschäden zu beseitigen. Wir hoffen, dass nicht noch mehr Bäume umfallen.“

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) kündigte bereits gestern auf ihrer Homepage an, dass die Hallig-Verbindungen ab heute bis einschließlich Sonntag eingestellt werden. Hier gilt „Landunter“ als sicher und bei den angekündigten Witterungsbedingungen kann die „Hilligenlei“ ohnehin nicht fahren.

Bei den Inselverbindungen wird die Reederei kurzfristig entscheiden, abhängig von den Wassermeldungen. Ein Blick auf die WDR-Internetseite (www.faehre.de) lohnt sich also. „Wir wissen nicht was kommt, wer wichtige Termine auf dem Festland hat, sollte nicht zu lange warten“, rät Erk Brauer, Disponent bei der Reederei und für die Einsatzplanung der Fähren zuständig, allen Fahrgästen.

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