schleswig-holstein musik festival : Die mit der Geige tanzt

Feiert morgen Festival-Premiere: Tai Murray.
Feiert morgen Festival-Premiere: Tai Murray.

Wer die 1982 in Chicago geborene Tai Murray mit ihren kessen Rastalocken und der ansteckenden Fröhlichkeit nicht kennt, würde sie ganz sicher nicht in die Welt der Klassik verorten und wohl noch weniger ihr Instrument erraten: die Geige.

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25. Juli 2014, 20:15 Uhr

Wer die 1982 in Chicago geborene Tai Murray mit ihren kessen Rastalocken und der ansteckenden Fröhlichkeit nicht kennt, würde sie ganz sicher nicht in die Welt der Klassik verorten und wohl noch weniger ihr Instrument erraten: die Geige. Am Sonnabend gastiert die Künstlerin im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) im ausverkauften Alkersumer Museum Kunst der Westküste.

Stimmt es, dass Sie mit zwei Jahren schon eine Violine haben wollten – in einem Alter, in dem andere Mädchen mit Puppen spielen?

Ja, meine Mutter hat mir erzählt, dass ich damals unbedingt ein Instrument haben wollte. Sie dachte, das wäre ein vorübergehender Wunsch wie nach einem neuen Spielzeug. Aber ich habe ihr bis zu meinem fünften Geburtstag keine Ruhe mehr gelassen. Das hat sie wohl überzeugt, dass ich es ernst meine und sie hat mir eine Violine gekauft. Seitdem spiele ich Geige.

Nach Unterricht an der Musikschule in Chicago haben Sie im Alter von acht Jahren dem israelitischen Violinisten Yuval Yaron vorgespielt und er hat Sie in seine Klasse in der Indiana University School of Music aufgenommen. Was das nicht ungewöhnlich?

Yaron ist vielleicht nicht ganz so bekannt wie andere Lehrer in den USA. Doch von denjenigen, die ihn kennen, wird er sehr hoch geschätzt. Ich war sicher lange Zeit seine jüngste Schülerin. Das gab mir ungeheuren Auftrieb und er hatte einen großen Einfluss auf mich und meine Karriere als Violinistin.

Ein Jahr später haben Sie mit dem Chicago Symphony Orchestra debütiert. Erinnern Sie sich daran?

Ich erinnere mich, dass es sich ganz natürlich anfühlte. Meine Familie hatte keinerlei Druck auf mich ausgeübt oder mich dazu gedrängt. Ansonsten weiß ich nur noch, dass ich Mozarts Violinkonzert spielte und auf einem Podest stand, weil ich so klein war. Außerdem musste ich dicke Brillengläser tragen – obwohl ich eigentlich gar keine brauchte.

Würden Sie sich heute als Wunderkind bezeichnen?

Ich würde sagen, dass ich das ein oder andere Talent und eine gewisse Ernsthaftigkeit für die Musik besitze. Außerdem den unbedingten Willen, hart an mir zu arbeiten. Als Wunderkind würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Für mich war es einfach natürlich und ein Teil von mir.

Am Sonnabend geben Sie Ihr Debüt beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Worauf darf das Publikum sich freuen?

Alle Komponisten im Programm waren wahre Genies. Mendelssohn hat seine „Sonate für Violine und Klavier“ im Jahr 1820 als Elfjähriger geschrieben, als er auf der Suche nach einer musikalischen Stimme war. Für sein Umfeld war bereits klar, dass es sich um einen Geniestreich handelte. In Robert Schumanns „Drei Romanzen“ flirten Violine und Klavier wie ein Liebespaar: innig, voller Sehnsucht und mit schelmischen Untertönen. Jede Romanze ist wie ein Liebeslied für Clara. Franz Schuberts „Rondo brillant“ ist pure Lebensfreude und unterstreicht die Fähigkeit des Komponisten, eine Geschichte ohne Worte zu erzählen. Das Werk verlangt Geige und Klavier einiges ab. Und als Schlusspunkt Schumanns zweite, viersätzige „Große Sonate“, die nur so vor Kraft strotzt. Ich freue mich sehr auf das Programm.

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