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Erfolgsautorin Dörte Hansen : Die Menschen zählen – nicht der Ort

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Seit Monaten ist ihr Roman „Altes Land“ ein Bestseller. Jetzt kommt die gebürtige Husumerin Dörte Hansen zur Lesung in ihre frühere Schule – und arbeitet bereits an einem neuen Buch, das in Nordfriesland spielt.

Dörte Hansens Erstlingswerk „Altes Land“ als Heimatroman zu bezeichnen, griffe ebenso zu kurz wie die Bemächtigung Theodor Storms durch eine heimattümelnde Literaturwissenschaft. In ihrem Buch, das sich seit Wochen in der Spiegel-Bestenliste hält, stellt die gebürtige Husumerin grundlegende Fragen: Wohin führt mein Weg? Wo bin ich zu Hause? Und das tut sie auf ungemein packende, humorvolle Weise. Man muss nicht jeden ihrer Protagonisten mögen, aber man lernt sie mit jeder Seite besser kennen und versteht mit einem Mal, dass in jedem von uns auch ein Stück von ihnen steckt.

Wahrscheinlich ist der Erfolg noch zu frisch, um in den Annalen der Tourismus- und Stadtmarketing Husum GmbH oder bei Wikipedia bereits als „bedeutende Husumerin“ geführt zu werden. Hätten Sie damit gerechnet, oder müssen Sie sich noch immer schütteln, wenn Sie sehen, wie erfolgreich Ihr Erstlingsroman ist?

Zum Glück habe ich während des Schreibens nie darüber nachgedacht, wie sich der Roman verkaufen wird. Ich habe so lange an der Geschichte geschliffen, bis ich wusste: Jetzt ist sie fertig. Genau so gefällt sie mir. Es hat dann eine ganze Weile gedauert, bis ich den Erfolg wirklich begriffen hab. Solche Dinge passieren eigentlich nur im Traum oder im Film.

„Vollwert-Mütter, die ihre Kinder im Testsieger-Buggy mit Fußsack aus reiner Schafwolle durch Hamburg-Ottensen schieben oder ein Kriegsheimkehrer, der nur mit Groschenromanen einschlafen kann“ – woher nehmen Sie das alles?

Es bringt mir einfach großen Spaß, genau hinzusehen. Darum war ich auch viele Jahre lang Reporterin. Ich mag Menschen – mit all ihren Eigenheiten. Der Rest ist Fantasie. Und Romanfiguren entwickeln manchmal ein interessantes Eigenleben. Man muss sie dann nur machen lassen!

Was Ihren Roman nicht nur lesens- sondern liebenswert macht, ist die Art, wie sie mit Ihren Protagonisten umgehen. Wie schaffen Sie es, zu all diesen unterschiedlichen Charakteren dieselbe distanzierte Zuneigung zu wahren?

Es gibt da schon Unterschiede. Einige Figuren wachsen einem stärker ans Herz als andere, aber ich hätte wirklich keine Freude daran, einen Roman zu schreiben, dessen Figuren mir zuwider sind. Ich lerne meine Protagonisten beim Schreiben sehr gut kennen. Ich weiß, warum sie manchmal ruppig oder seltsam sind. Niemand ist perfekt – und nichts ist langweiliger als ein Roman, in dem die Guten immer gut und die Bösen immer böse sind.

Wo ist es denn am Ende nun eigentlich besser: in Hamburg-Ottensen oder in der gar nicht immer so sanften Samtgemeinde Lühe? Oder haben wir es da wie dort mit denselben Problemen zu tun – nur auf andere Art?

Das muss wirklich jeder für sich entscheiden. Egal, wohin man zieht, man hat sich ja selbst im Gepäck. Entscheidend ist wirklich nicht der Ort, glaube ich. Entscheidend sind die Menschen, an die man sich bindet.

Wie haben denn die Ureinwohner im Alten Land auf Ihr Buch reagiert?

Bisher haben mich nur positive Rückmeldungen erreicht. Aber mal sehen, was noch kommt! Ich bin sicher, dass nicht alle glücklich sind mit dem Buch. Besonders unentspannte Reaktionen kamen aus Hamburg-Ottensen.

In ihrem nächsten Roman geht es nach Nordfriesland, wo ja auch viel Platt geschnackt wird. Dürfen und mögen Sie uns schon ein paar Einzelheiten verraten, was uns sonst noch erwartet?

Leider, leider nein, das mache ich lieber nicht. Wer weiß, was meine Romanfiguren noch alles anstellen, bevor das Buch fertig ist! Ich habe zwar eine genaue Vorstellung von der Geschichte, aber es ist noch viel zu früh, darüber etwas zu erzählen.

Die Kritiker-Ikone Marcel Reich-Ranicki wartete ja oft den zweiten Roman ab, bevor er das Debüt eine Autors abschließend beurteilte. Wie groß ist der Erfolgsdruck, mit einem solchen Erstling im Rücken an den zweiten Roman zu gehen?

Einfach ist das nicht! Aber so schön die große Resonanz auf dieses erste Buch ist – der Antrieb, ein Buch zu schreiben, ist für mich ein anderer. Das Erzählen, Erfinden, Beschreiben einer Welt, die nur in meinem Kopf existiert, das ist sehr beglückend, und darum geht es.

Lesung in der Stadtbücherei
Im  Rahmen des Föhrer Literatursommers liest Dörte Hansen am Freitag, 21. August, ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei in der Mittelstraße in Wyk auf Föhr. Karten gibt es in der Wyker Buchhandlung, Telefon 04681/4505.

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erstellt am 07.Aug.2015 | 14:31 Uhr

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