Schönheit in Nebel : Die Meerjungfrau in Nachbars Garten

Diverse Kettensägen und Sägeblätter formten die hölzerne Schönheit.
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Diverse Kettensägen und Sägeblätter formten die hölzerne Schönheit.

Als Gegenleistung für einen Urlaub auf Amrum: Der Kettensägen-Künstler Florian Lindner schuf die sehenswerte Figur aus einem alten Baum,

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01. Juli 2015, 09:00 Uhr

Wer dieser Tage durch Nebel spaziert, kann sie entdecken, manch einer hat auch ihre Entstehung beobachtet, andere waren einfach nur begeistert und überrascht: Den Garten von Tanja Wegner-Weiseth schmückt seit Kurzem eine Meerjungfrau.

Auf die derzeit häufig gestellte Frage, wie man auf eine solche Idee kommt, hat Tanja Wegner-Weiseth eine einfache Antwort: „Eine Tanne musste gefällt werden und ich dachte mir, aus dem verbleibenden etwa zwei Meter hohen Stamm könnte man etwas machen.“ Ein toller Einfall, dessen Umsetzung einige Zeit dauerte, bis klar war, dass es eine Meerjungfrau werden sollte.

Gesagt, getan – allerdings schwieriger als gedacht. Denn nun musste im Internet geforscht werden, wer eine solche Figur herstellen kann und zu welchem Preis. Doch Tanja Wegner-Weiseth hatte auch hier die richtige Idee. Ihr Angebot lautete: Eine Woche Amrum-Urlaub für das Schnitzen einer Meerjungfrau.

Nach einigen E-Mail-Kontakten stieß die Insulanerin auf Florian Lindner aus Königsee-Rottenbach. Der „Holz-Flori“ genannte Kettensägen-Künstler aus dem Süden entschied sich mit seiner Familie, das Angebot anzunehmen. Mit diversen Kettensägen und ebenso vielen verschiedenen Sägeblättern im Gepäck reiste er auf die nordfriesische Insel – zum ersten Mal.

Florian Lindner ist Diplomingenieur für Gebäudetechnik, hat in diesem Beruf jedoch nicht gearbeitet und ist seiner Leidenschaft nachgegangen, Holzskulpturen zu schaffen. Durch seinen Vater, der mit Kettensägen handelte, war die Idee aufgekommen. Learning by doing sei dann die Devise gewesen: „Ich habe mir alles selbst beigebracht und wollte immer mehr über diese Form der Kunst wissen“, berichtet der Autodidakt begeistert.

Seit zehn Jahren ist er dabei und hat mit seinen Figuren schon häufig an Wettbewerben teilgenommen. So wurde er 2010 und 2011 Deutscher Meister im Speedcarving, dem Schnellschnitzen mit der Kettensäge. Ein Wettkampf, bei dem er 2010 sogar einen Weltrekord aufstellte. „Ich bin viel gereist und habe mich mit anderen Künstlern ausgetauscht“, erklärt Florian Lindner auf die Frage nach seinem Werdegang in dieser speziellen Kunstform, in der er 2014 beim Weltcup im sächsischen Mulda den ersten Platz belegte.

Auch wenn sich mittlerweile viele Titel angesammelt hätten, spannend sei der handwerkliche Entstehungsprozess noch immer, erläutert Lindner. „Es ist immer wieder eine Herausforderung, doch oft kann ich Figur und Form schon vorher im Baum sehen.“ In dem Baumstumpf in Tanja Wegners Garten sah er allerdings nichts, denn der stellte sich als nicht brauchbar heraus. Improvisation war nun gefragt, und innerhalb eines Tages und viele Telefonate später gelang es Wegner mit Hilfe einiger Amrumer, einen geeigneten Baum zu organisieren. Florian Lindner warf die Kettensäge an und stündlich veränderte sich das Holz. Innerhalb von nur drei Vormittagen wurde aus einem einfachen Baumstumpf eine Meerjungfrau. Nachbarn, Einheimische und Gäste waren begeistert und Nebel hat eine Attraktion mehr.

Weitere Informationen über Florian Lindner im Internet unter www.holz-flori.de.

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