Lammtage : Die hübsche Lady Ellinor schlief nackt

Wenn es drauf ankommt, braucht Ingwer Abraham drei  Minuten für eine Schafschur. Aber bei den Lammtagen ließ er sich Zeit.
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Wenn es drauf ankommt, braucht Ingwer Abraham drei Minuten für eine Schafschur. Aber bei den Lammtagen ließ er sich Zeit.

Die Schafschur war wieder die große Attraktion beim Eröffnungsfest auf der Hüttmannwiese. Doch auch die Föhrer Traktor-Veteranen und die Amrumer Trachtenkinder wurden von den Besuchern umringt.

shz.de von
04. Juni 2014, 11:45 Uhr

Bürgermeister Peter Koßmann hatte die Amrumer Lammtage noch nicht offiziell eröffnet, da war schon klar, wer die Stars der nächsten Stunden sein würden: Die zwölf Mutterschafe von Heiko Bötel nebst süßester Lämmer waren schon vormittags so dicht belagert, dass Scherer Ingwer Abraham seine liebe Mühe hatte, zu den Tieren durchzudringen. Das aber musste der Tönninger, weil regelmäßig eins der Schafe zu scheren war, damit die Lammtage-Gäste beim Anblick der Fellknäuel rätseln konnten, wie viel Haar denn wohl Ellinor (Elli) lässt, wenn sie als letzte des Tages unter das Schermesser kommt.

Die vier Jahre alte Schaflady war durch einen blauen Farbfleck auf dem Rücken gekennzeichnet und freute sich wie alle anderen Tiere über die vielen kraulenden Hände. „3000 bis 5000 Gramm Wolle geben Schafe durchschnittlich ab“, verriet Abraham und stachelte damit die Schätzwut an. Die Lose kosteten einen Euro, gespendet wurde zugunsten des sturmgeschädigten Amrumer Waldes und zu gewinnen gab es ein schönes Wochenende im Hotel „Hüttmann“ sowie sehr, sehr weiche Schaffelle.

Nebenan konzentrierte sich Rita Zemke aus Süddorf ganz auf ihr Spinnrad, Die ehemalige Lehrerin an der Öömrang Skuul darf sich bei Schafhalter Bötel immer so viel Wolle holen, wie sie mag. Das Garn, dass sie daraus spinnt, verstrickt sie selbst oder verkauft es an Freunde.

Die eigentlich immer lange Menschenschlange vor dem Hüttmannschen Lammspieß-Gourmetzelt wurde abrupt kürzer, als die „schweren Jungs“ von Föhr mit ihren alten Treckern anrollten. Ein toller Anblick sind diese gepflegten Riesenmaschinen und ein äußerst würdevolles Fotomotiv für Lammkönigin Kerstin Carstensen. Die 19-Jährige aus Galmsbüll, die mit Schafen groß wurde und jetzt Tourismus-Kauffrau lernt, entschied sich für den 51 Jahre alten Schweizer Hürlimann-Trecker von Momme Carstensen aus Midlum. Der strahlte und zählte auf: „Vier Zylinder, 45 PS, 23 Stundenkilometer. Und das Rot ist RAL 2001“. 25 000 Euro hat er im letzten Jahr dafür bezahlt. Nicht so teuer ist Martin Sönnichsens Lanz Bulldog von 1956. Dafür aber der beliebteste Trecker der Deutschen. Kurzum: Die Gefährte waren alle toll und ihre Fahrer hatten schöne Geschichten zu erzählen.

Als nachmittags die Amrumer Trachtengruppe sämtliche Blicke auf sich zog, konnte man auch den Stolz in einigen Elternaugen erkennen, weil der Nachwuchs in schönster Sonntags-Tracht tanzen ging: zu Fischerpolka, Hedlinger Bandritter, Sonderburger Doppelachter, Holsteiner Dreitour und Langer Reihe. Ute, Marie, Laura, Christina, Friederike, Vivien, Martina und Jugendgruppenleiterin Eike Paulsen wirbelten über das Gras, wettermäßig zwischen Wolken und Sonne, dafür so herzerfrischend, dass sich der Kreis um sie immer enger zog.

Als die Sonne dann ohnehin schlief, drehte „Crazy Horst“ richtig auf. Die Amrumer Band machte Straßenmusik für drinnen auf der Wiese draußen. Und sorgte für beste Stimmung auf dem neuen Dorfmittelpunkt. Es waren wieder schöne Lammtage. Und Schaf Elli schlief in der nächsten Nacht nackt. Mit genau 3780 Gramm Wolle weniger.

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