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Insel-Bote

17. August 2017 | 17:36 Uhr

Papermania : Die große Leichtigkeit

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Winterpause im Museum Kunst der Westküste ist beendet. Neue Ausstellungen zeigen Sylt-Fotos, Malerei und Papierkunst.

Papier, Ölmalerei und Fotografie – das ist der Stoff, aus dem die aktuelle Kunst im Museum Kunst der Westküste ist. „Kräftemessen“ heißt die Schau mit Gemälden von Klassikern der Küstenmalerei, in die jetzt „Papermania“ dialogisch integriert wurde: moderne Installationen der Papierkunst.

Museumsleiterin Ulrike Wolff-Thomsen und ihre Mitarbeiterin Marina Nommsen bringen die Jahrhunderte zusammen: Die neue Ausstellung des Museums Kunst der Westküste mit launigen Werken aus Papier lässt sie umfangreich hineinlaufen in die Säle mit klassischen Gemälden: Ein übergroßes Papierschiff, wie es Kinder sonst falten, dominiert den ersten Ausstellungssaal. Es ist etwas angeknickt, denn der Künstler Frank Bölter hat schon eine echte Seereise damit absolviert. Eine rote Rettungsweste darüber führt ebenso in die Realität, wie die umgebenden Gemälde im Stil des Realismus. Dort mühen sich Fischer in Ruderbooten gegen sturmgepeitschte Wellen, um gestrandeten Seeleuten zur Hilfe zu kommen.

Andere Formen des Kräftemessens sind es, wenn die beschauliche Genremalerei des 19. Jahrhunderts mit Hunderten dunklen Faltern an den Wänden kontrastiert werden. Sie flattern um Fischer, die gemütlich Pfeife rauchen oder gar um die Mutter, die ihr Kleinkind füttert. Doch die dunklen Tiere sind hier erst der Vorgeschmack, denn im hinteren Museumstrakt dominieren sie tausendfach einen ganzen Saal.

Hintersinnig wirkt der „Heuhaufen“ aus Papierschnipseln von Thomas Judisch, der inmitten von Darstellungen ländlicher Szenen platziert ist. Auch mit seinem „Lagerfeuer“ führt er die Besucher hinters Licht: Während die Holzscheite aus Wellpappe gemacht sind, ist der umgebende „Boden“ aus Büttenpapier und hat nicht gerade zufällig die Form der Insel Föhr. Darüber hängen weiße Bilder von der Britin Charlotte McGowan-Griffin, die man erst auf den zweiten Blick als Segelschiffe erkennt – feinste Schnittarbeiten in Papier, wie sie auch von der Chinesin Bovey Lee oder dem Dänen Peter Callesen gezeigt werden. Mit Leichtigkeit in große Dimensionen schafft es die Niederländerin Marielle van den Bergh: Sie hat aus feinstem Chinapapier nicht nur bunte Quallen geschaffen, sondern auch ein riesiges Schiff, das einen feenhaften Baum transportiert. Es schwebt jetzt im Restaurant des Museums und spielt ebenso mit der scheinbaren Schwere des Objekts wie die Koffer und Fotoapparate aus Papier der Engländerin Jennifer Collier.

Eine weitere Schau ist einem fotografischen Blick von Bleicke Bleicken auf die Insel Sylt gewidmet. Bleicken, Sohn einer Gastwirtsfamilie, begann schon in den 1920-ern, seine Insel zu dokumentieren. Das Badeleben im Sommer hielt er ebenso fest wie bizarre Wintermotive. So manche seiner Bilder lassen schmunzeln, wie die Massengymnastik 1935 am Strand oder der Strandwärter, der jungen Damen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Die Fotos in „Sylt – Meine Insel“ stammen aus der rund 30  000 Motive umfassenden Sammlung seiner Tochter Anke Bleicken, welche die Ausstellung und einen beeindruckenden Fotoband zusammengestellt hat.

 

Die Ausstellungen: „Papermania“ und „Sylt – Meine Insel“ sind bis zum 12. Juli im Museum der Westküste zu sehen, „Kräftemessen“ bis zum 31. Mai. Internet: mkdw.de

 



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erstellt am 02.Mär.2015 | 20:10 Uhr

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