Flüchtlinge auf den Inseln : Die fieberhafte Suche nach Unterkünften

Eine Person könnte derzeit noch in den Neubau am Ziegeleiweg in Wyk einziehen.
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Eine Person könnte derzeit noch in den Neubau am Ziegeleiweg in Wyk einziehen.

Nach derzeitigem Stand müssen in diesem Jahr noch 41 Menschen untergebracht werden. Amt Föhr-Amrum sieht sich vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt.

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11. Mai 2015, 18:00 Uhr

„Wir sind mittlerweile an den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit angelangt.“ Kurz und knapp fällt das Fazit Jörg Michelsens aus, wird er auf das Thema Flüchtlinge angesprochen. Der Leiter des Ordnungsamtes dürfte zu jenen Insulanern gehören, mit denen derzeit kaum jemand tauschen möchte. Denn es gilt, angesichts des ohnehin knappen Wohnraums auf Föhr und Amrum Unterkünfte bereitzustellen, die diesen Namen auch verdienen. Dass dabei der Weg das Ziel ist, ist das Problem. Gerade erst ist die Quote, wie es im Amtsdeutsch heißt, für dieses Jahr um rund 50 Prozent erhöht worden: Waren im März noch 41 Personen „zugeteilt“, sind es nun 62, von denen im ersten Quartal 21 die Inseln erreicht haben. „Das heißt, wir müssen nach derzeitigem Stand in diesem Jahr noch 41 Personen aufnehmen und stehen wieder am Anfang“, sagt Michelsen und betont, dass es sich um vorläufige Zahlen handelt, die erfahrungsgemäß im Lauf eines Jahres mehrmals nach oben korrigiert werden.

Doch wohin mit den Menschen? Eine Person könnte noch in den Neubau am Ziegeleiweg einziehen – das war’s. Die Unterkünfte in Alkersum (Nieblumweg) sind mit 16 Personen ausgelastet; Gleiches gilt für die ehemalige Hausmeisterwohnung der Schule in Midlum und ein Haus der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai (jeweils fünf Personen). Ebenfalls ausgeschöpft sind die aktuell vorhandenen Wohnmöglichkeiten auf Amrum, hier sind insgesamt zwölf Personen untergebracht. Noch offen ist, wann der Ausbau des Dachgeschosses am Ziegeleiweg fertig sein wird. Derzeit laufen die Ausschreibungen und frühestens im Sommer könnte die Belegung erfolgen. Acht bis neun Einzelzimmer werden hier für etwa 200  000 Euro gebaut. „Das ist eine Aufnahme von zwei Zuweisungen, einen Monat darauf sind wir genausoweit wie zuvor“, beschreibt Michelsen die „Schraube ohne Ende“.

Fieberhaft wird nach Möglichkeiten gesucht. Ein Aufruf an die Bevölkerung sollte die Chancen auf dem Wohnungsmarkt ausloten und war im Ergebnis ernüchternd. Auch das Amt als Bauherr wurde in Erwägung gezogen und Gespräche mit der Stadt, etwa über ein Areal in Erbpacht am Kortdeelsweg, wurden geführt. Im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus könnten hier Gelder aus einem Wohnraumförderprogramm des Landes fließen. Keine kurzfristige Lösung, weshalb auch über die Aufstellung von Wohncontainern nachgedacht wurde. Für Michelsen allenfalls als „Plan B“ tauglich, der sich erneut an die Bevölkerung wandte. Tatsächlich waren einige Reaktionen die Folge, „ein Zeichen dafür, dass die Menschen sensibler geworden sind und ein klein wenig umdenken“.

So ist man gerade dabei, eine größere Wohneinheit im Wyker Gewerbegebiet anzumieten, nachdem der Gesetzgeber mit einigen Änderungen im Bau-Gesetzbuch die Unterbringung von Flüchtlingen vereinfacht hat. Darüber hinaus wurde Wohnraum in Aussicht gestellt, der noch hergerichtet werden muss, und es gab kürzlich eine Ortsbegehung im ehemaligen Amtsgebäude in Midlum, das ebenfalls belegt werden soll. Teilerfolge immerhin, wirklich entschärft wird die Situation dadurch nicht. Umso ärgerlicher ist für den Leiter des Ordnungsamtes der Leerstand einer Wohnung in Midlum, in der sechs bis acht Personen untergebracht werden könnten. Die Wohnung war vom Amt vor einigen Monaten angemietet worden. Für Familien mit Kindern, so wurde mit dem Vermieter vertraglich vereinbart. Die aber bekommt Jörg Michelsen trotz mehrmaliger Nachfrage nicht zugewiesen, „scheinbar gibt es unter den Flüchtlingen keine Familien mit Kindern“.

Hoffnungslos überlastet sind derzeit alle Stellen, die in irgendeiner Weise in die Thematik involviert sind. Weshalb die Verfahren etliche Monate in Anspruch nehmen. Anders als früher, würden die Menschen daher heute bereits auf die Gemeinden verteilt, bevor der bürokratische Teil erledigt sei, sagt der Leiter des Ordnungsamtes. Die Aufgabe, Wohnraum bereitzustellen, werde dadurch nicht einfacher. Ohnehin kein leichtes Unterfangen für das Amt, das auf die Kosten achten, die Verhältnismäßigkeit wahren und darüber hinaus gewährleisten muss, dass die Menschen untergebracht werden. Eine leichte Bewegung verzeichnet Jörg Michelsen, nachdem der Winterabschiebestopp vorbei ist, denn einige der Flüchtlinge kommen aus sicheren Drittländern. Zudem werden wohl demnächst zwei Familien Föhr wieder verlassen. Sie warten – nach dem „Dublin-Verfahren“ – darauf, in die Länder zurückzukehren, in die sie erstmals eingereist sind.

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