zur Navigation springen

In Alkersum : Die Faszination der Burschenschaften

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Vortrag in der Ferring-Stiftung über die Verbindung von Kommers und studentischen Verbindungen.

shz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 12:30 Uhr

„Der sogenannte Kommers bei Feiern auf der Insel, das Halten von Reden und Gegenreden und das gemeinsame Singen, fast schon ritualisiert, hat mit der Burschenherrlichkeit zu tun. Das ist vielen gar nicht bewusst“, so Professor Volkert Faltings als Vorsitzender der Ferring-Stiftung in Alkersum, der Dr. Claas Riecken als „Frühschoppen“- Referenten zum Thema: „O alte Burschenherrlichkeit in der friesischen Bewegung“ begrüßen konnte.

Der „Bursche“ des 19. Jahrhunderts war ein Student, das Wort, erklärte Riecken, komme von „Burse“, der alten Bezeichnung von Studentenwohnheim. Mit den napoleonischen Befreiungskriegen 1813 änderte sich die Haltung der studentischen Landsmannschaften, die bis dato aus allen möglichen Regionen des heutigen Deutschlands kamen. Spätestens seit Napoleons Niederlage bei Waterloo wuchs in ihnen das Nationalgefühl, Deutsche sein zu wollen. Die Uniformfarben Schwarz, Rot, Gold des Lützowschen Freikorps gegen Napoleon zierten daraufhin die Fahne der Urburschenschaft, gegründet 1815 in Jena.

„Was geschah derzeit in Kiel?“, fragte sich Claas Riecken, denn die Universität Kiel gehörte zum dänischen Reich. „Dänemark hatte gewissermaßen aufs falsche Pferd gesetzt“, so Riecken plakativ, denn Dänemark sei ein Unterstützer Napoleons gewesen. In der Universität lehrten damals deutsch gesinnte Professoren eher dänisch gesinnte Studenten.

Zum Wartburgfest im Oktober 1817, einer studentischen Versammlung anlässlich des 300. Jahrestages der Reformation, marschierten auch 25 Kieler Studenten. Zusammen mit anderen proklamierten sie ihre Ablehnung gegen die Kleinstaaterei und für einen Nationalstaat. In Kopenhagen fragte man sich irritiert, was denn die Friesen nun seien – deutsch oder dänisch?

Professor Niels Nikolaus Falck wollte 1818 eine friesische Geschichtsgesellschaft gründen und hoffte auf die Unterstützung seines Sylter Musterstudenten Uwe Jens Lornsen. Letzterer setzte aber auf das „Große Ganze“ und ging in den Vorstand der Jenaer Urburschenschaft.

Als eine vergleichbare friesische Bewegung kann nach Rieckens Interpretation die Gründung des „Friesenclubs“ 1874 gelten, einer Untergruppe der „Concordia“. Diesem Seminaristen-Verein gehörten wissensdurstige, unternehmungslustige Studenten des Tonderner Lehrerseminars an. Damit wäre der „Friesenclub“ fünf Jahre älter als der 1879 in Niebüll gegründete Nordfriesische Verein.

Oevenums berühmter Sohn und Dichter, Lorenz Conrad Peters (1885-1949) gehörte der studentischen Verbindung „Albingia“ in Kiel an. Viele Lieder, die er dort gehört und gesungen hatte, textete er ins Friesische um. Bis heute sind sie fester Bestandteil auf Feierlichkeiten und gehören zum „Kommers“.

„Der nationale Gedanke, der den Burschenschaften zugrunde gelegen hat, hat viel für den friesischen Gedanken gebracht“, schloss Riecken seinen interessanten Vortrag, „ und ihn gleichzeitig untergebuttert.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen