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schlechte aussichten : Die Angst vor der Struktur-Reform

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Reformkonzept der Projektgruppe Zukunftentwicklung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes sorgt im Norden nicht nur für gehörigen Wirbel, sondern bedroht die Insel-Vereine in ihrer Existenz.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 06:45 Uhr

Während die Arbeiten am Helu-Heim munter vorangehen, bereiten zwei weitere Baustellen den Verantwortlichen des FSV Wyk derzeit gehöriges Kopfzerbrechen. So sorgt das Reformkonzept der Projektgruppe Zukunftentwicklung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) im Norden nicht nur für gehörigen Wirbel, sondern bedroht die Insel-Vereine in ihrer Existenz. Sechs Fußball-Regionen statt der bisher 13 Kreise sieht die Struktur-Reform ab dem Spielbetrieb 2015/16 vor – die Kreise Nordfriesland, Dithmarschen und Flensburg sollen zusammengelegt werden.

Die Folge wäre eine Zentralisierung des gesamten Entscheidungsapparates nach Kiel. Darüber hinaus sollen die Staffeleinteilungen künftig jährlich neu zugeschnitten werden, eine Lösung, die alles andere als Insel-freundlich wäre. Möglich wäre dann, dass eine Mannschaft in Richtung Flensburg fahren muss, die zweite nach Eckernförde und eine weitere in Richtung Heide. Für Patrick Gregersen, den Vorsitzenden des Kreisfußballverbandes Nordfriesland, „schlicht und ergreifend nicht bezahlbar“, vor dem Hintergrund, dass Föhr bereits jetzt aufgrund der Insellage die höchsten Kosten im Kreisvergleich hat.

„Der Schreck war groß, als wir im vergangenen Jahr erstmals davon gehört haben“, sieht auch der FSV-Vorsitzende Gerd Köster sorgenvoll in die Zukunft. Denn ein Auswärtsspiel könnte künftig den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Für eine Stunde Fußball, so Köster, würden bei diesem Zeitfenster auch die Betreuer nicht lange an Bord bleiben.

Hintergrund der geplanten Reform: Den Vereinen geht der Nachwuchs aus, die Mitgliederzahlen gehen zurück und Spielgemeinschaften nehmen zu – es gibt zunehmend Schwierigkeiten, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Durch die Zusammenlegung der Kreise könnte ein Pool gebildet werden und aus geographischen Gegebenheiten sollen sich dann Teams zu einer Liga zusammenfinden.

Im Ansatz nicht verkehrt, so Köster, nur für die Inseln nicht praktikabel. Während auf dem Festland am Spieltag schlicht 20 Kilometer weiter gefahren werden muss, würde die Entfernung für die Insulaner künftig bis zu 150 und 200 Kilometer betragen. „Für uns wäre die Entscheidung pro Reform der Genickbruch“, sagt der Vorsitzende eine fußballfreie Zukunft auf Föhr voraus. Eventuell könne eine Seniorenmannschaft aufrechterhalten werden, für den Jugendbereich aber wäre die Reform das Aus.

Dazu kommt, dass die G-Junioren – beim FSV von Annelie Hauschildt betreut – in dem neuen Konzept nicht mehr vorgesehen sind. Ein Unding aus Sicht Patrick Gregersens, den demografischen Wandel zu beklagen und gleichzeitig landesweit mit Trainern und allen anderen Betreuern mehr als 3000 Sportler aus dem Betrieb herauszunehmen. Zudem würden sich Kinder und Eltern alternative Sportarten auswählen und wären in späteren Jahren nur schwer für den Fußball zu gewinnen.

Keine guten Aussichten für die Insulaner, deren Lage vielen Verantwortlichen kaum bewusst ist. Das räumte auch Gustav Haack, Kreisvorsitzender aus Dithmarschen, jüngst bei einem Treffen in Dörpum ein. Thematisiert wurde bei der Zusammenkunft eine Allianz zwischen Dithmarschen, Steinburg und Nordfriesland, um der Westküste eine gemeinsame Stimme zu geben. Von Signalen des Kreises Segeberg berichtet Gregersen, die ebenfalls dabei sein wollen, und auch Lauenburg zeige Interesse. „Es ist uns zu wenig, einfach nur nein zu sagen“, vielmehr wolle man eine Alternative anbieten und basisorientierter arbeiten, als es das Konzept vorsieht.

Für das die Entscheidung am 8. November im Rahmen einer Beiratstagung fallen soll, die voraussichtlich in Bad Segeberg stattfinden wird. Und anders als Gerd Köster ist Patrick Gregersen optimistisch, dass die geplante Reform noch abgewendet werden kann. „Viele Vorsitzende und Vorstände wollen die Kreise erhalten“, setze sich diese Ansicht durch, sei das gesamte Konzept ad absurdum geführt und könne nicht mehr stattfinden.

„Alles was bisher von oben angeregt wurde, wurde auch durchgezogen“, sieht der FSV-Vorstizende das Glas dagegen eher halbleer. Angesichts der künftigen Entfernungen würden die Kosten derart explodieren, „dass wir entweder abmelden oder in zwei Jahren Insolvenz anmelden müssen“.

Derzeit beträgt der Reisekostenetat des Vereins knapp 30 000 Euro, den die Stadt mit rund 4500 Euro bezuschusst. Eine beachtliche Summe, die der FSV erwirtschaften muss, und von der gut die Hälfte unter dem Posten „Niebüller Verkehrsbetriebe“ (NVB) verbucht ist. Die aber, und das ist die nächste Baustelle des Vereins, den Sportlern im April mitgeteilt haben, dass sie den Busbetrieb für die Fußballer zum Saisonende einstellen werden. Als Grund nannte das Unternehmen die fehlende Wirtschaftlichkeit.

Seit rund 20 Jahren befördern die NVB die Mannschaften zu den Auswärtsspielen. „Wenn der Spielbetrieb weitergehen soll, brauchen wir auf dem Festland jemanden, der uns fährt“, ist Gerd Köster deshalb angesichts der Ende August beginnenden Spielzeit händeringend auf der Suche nach einer Alternative.

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