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Einsatz in Wyk : Dichter Rauch und vermisste Kinder

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Notruf aus der evangelischen Kindertagesstätte St. Nicolai erwies sich glücklicherweise als Übung, die alle Beteiligten mit Bravour meisterten.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2017 | 13:30 Uhr

Feueralarm am Mittwochabend in Wyk: Aus der evangelischen Kindertagesstätte St. Nicolai wurden eine schwere Rauchentwicklung und mehrere vermisste Kinder gemeldet. Eine Übung, wie sich herausstellt, und eine gute für den Ernstfall. Als die Freiwillige Feuerwehr Wyk gegen 19.30 Uhr anrückt, werden sofort Schläuche ausgerollt und die Drehleiter ausgefahren. Acht Kinder, gespielt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehren Wyk und Boldixum, sind in den Räumen der Kita eingeschlossen. Drinnen ist alles voller Rauch, unablässig piepen die Rauchmelder. Die Erzieherinnen samt Kita-Leiterin Klaudia Hobje haben als Aufgabe „Panik und Krawall machen“ bekommen. Sie schreien, suchen vermisste Kinder, hetzen ziellos durch die Räume und wollen sich nicht anfassen lassen. „Sie haben ihren Job perfekt gemacht“, sagt später einer der Brandschützer bei der Nachbesprechung.

Eine Meinung, die Zugführer Nils Twardziok teilte: „Es ist sogar besser gelaufen, als gedacht. Wir hatten die Erzieherinnen so geimpft, dass sie einfach mal durchdrehen sollten.“ Im Ernstfall, so Twardziok, wären bei solch einem Alarm auch die Wehren aus Wrixum und Nieblum im Einsatz gewesen. Der Zugführer war gemeinsam mit Marvin Wildemann, dem Jugendwart der Boldixumer Nachwuchswehr, Ideengeber und Vorbereiter des Szenarios.

Es war die erste Übung der Feuerwehr in der Einrichtung, die schon deshalb aus Sicht des Wyker Wehrführers Kai Sönnichsen überaus wichtig war. „Es wurde Zeit, da wir das Gebäude nur von außen kannten.“ So habe man sich mit den Räumlichkeiten vertraut machen können. „Wo sind die Gas- und Wasseranschlüsse“ oder „wer ist der Ansprechpartner“ seien wichtige Fragen.

Ein positives Fazit zog auch Klaudia Hobje. „Als die Anfrage der Feuerwehr kam, ob man unser Objekt nutzen könnte, war ich sofort einverstanden. Das ist für uns eine große Chance, mögliche Schwachstellen kennenzulernen.“ Hobjes Vorschlag, einen solchen Testlauf auch mit Kindern zu machen, traf beim Wehrführer auf Zustimmung. Wichtig sei, dass Kinder die Angst verlieren, denn diese rennen nicht raus. „Wenn sie Angst haben, verstecken sie sich. In Schränken oder wo auch immer." Bei Feuer sei das natürlich ein Problem. Auch sei es gut, Feuerwehrmänner mit Atemmasken kennenzulernen. „Damit sie die Angst vor dem großen, roten Mann mit der Maske verlieren.“

Nicht weniger spannend war die Übung für die „Verletzten“ der Jugendwehren. „Das war meine erste Statistenrolle bei einer Übung, und ich war ziemlich aufgeregt. Überall war der Rauch von der Nebelmaschine. Wir sollten uns irgendwo verstecken, unter Gerüsten, im Flur, egal wo“, berichtete der 14-jährige Justin Schulz, seit acht Jahren bei den Blaujacken. Und auch die Erzieherinnen zogen ein positives Fazit: „Ich fand das toll, wie die Männer mit uns kreischenden Wesen umgegangen sind“ sagte Helga Lorenzen. Trotz allem nett, und „sie haben uns Durchgeknallten sofort eine Aufgabe gegeben. Das hat uns beruhigt“.

Gegen 21 Uhr wurde Entwarnung gegeben, war der Einsatz beendet. „Die Kleinen müssen evakuiert werden, alle sollen weg vom Gebäude und die Kinder dürfen bei der Sammelstelle nicht allein gelassen werden“, zählte Kai Sönnichsen bei der gemeinsamen Nachbesprechung noch einmal die wichtigsten Punkte auf. Außerdem müssten Einsatzleiter (gelbe Weste) und Gruppenleiter (blaue Weste) informiert werden, wie viele Kinder noch fehlen. Wichtig seien zudem regelmäßige Räumungsübungen. Auch empfahl der Wyker Wehrführer, Kontakt zum Brandschutzerzieher aufzunehmen. Bei Hauke Brett, Amtswehrführer und Chef der Nieblumer Blaujacken, gebe es Anschauungs- und Übungsmaterial, wie zum Beispiel ein aufklappbares Haus, an dem man die Rauchentwicklung beobachten kann.

Das Fazit des Wyker Wehrchefs fiel positiv aus: „Die Aufgabenstellung wurde erfüllt und alle Personen konnten gerettet werden.“

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