Nostalgie auf Amrum : Deutscher Rock aus den Achtzigern

Deutlich war den Bandmitgliedern die Begeisterung für die fast schon nostalgischen Lieder anzumerken.
Deutlich war den Bandmitgliedern die Begeisterung für die fast schon nostalgischen Lieder anzumerken.

Die Band Zonenrocker trat gleich zweimal in Wittdün auf und erweckte die DDR-Musikgeschichte zum Leben.

shz.de von
03. Juli 2015, 20:45 Uhr

Die „Zonenrocker“ präsentierten in der „Blauen Maus“ eindrucksvoll Songs von DDR-Rockgiganten der 1980-er Jahre. Die Musiker verstanden es, die eigene Begeisterung zu transportieren und selbst die weniger Textsicheren unter den Besuchern mit auf die nostalgische Reise zu nehmen.

Unbekannt sind die Musiker Enrico und Andre Schelzer nach sieben Auftritten auf Amrum nicht, wenn sie auch mit dieser Besetzung und unter dem Bandnamen „Zonenrocker“ erstmals auf der Insel auftraten. 2012 hatten sie ihre Identität als „Hurensöhne“ abgelegt und sich einen neuen Namen gegönnt. „Die Veranstalter hatten sich zu oft an dem alten Bandnamen gestört“, erklären die Zwillingsbrüder.

Veränderungen standen sowieso an, denn die Zusammensetzung der Band änderte sich. Gunter Thil (Keyboard) und Mike Meyer (Bass) stießen zu den Brüdern und es war an der Zeit, alte Konserven über Bord zu schmeißen. „Wir haben dann mal die Computer schweigen lassen und komplett auf Handmade umgestellt“, so Frontmann Enrico Schelzer aus Ilsenburg bei Magdeburg. Mit Gunter, einem alten Hasen im Geschäft, haben sie einen Keyboarder, der bereits in den 1970-ern bei der Band „Alexanders Berlin“, aus der die Band „Karat“ hervorging, gespielt hat. „Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit fast 63 Jahren noch Rockmusik spiele“, schmunzelt Thil.

Dass sie es können, stellten sie eindrucksvoll unter Beweis. Zudem haben die Musiker großen Spaß daran, auf Amrum aufzutreten, und hatten 2010 während einer zweitägigen Inseltour sogar eine Live-CD produziert.

Die Musik faszinierte zwar das gesamtdeutsche Publikum, doch für einige Rockfans bedeutete der Abend eine überwältigende Erinnerung an den Ost-Rock. „Man muss schon genau zuhören, um alle Kritik und Botschaften in den Liedertexten zu hören“, erinnert sich ein Amrumer an die Zeiten, in denen in der DDR nicht alles erlaubt war. „Als ich mit meiner Familie von Kühlungsborn aufgebrochen bin, um über Ungarn zu fliehen, lief das Lied „Als ich fortging“ von ‚Karussell‘. Und seit 26 Jahren habe ich keine Ostrock-Band mehr spielen sehen“, schwelgte ein nun Wittdüner in seinen Erinnerungen.

Die Zwillingsbrüder, vor 46 Jahren geboren, begannen ihre musikalische Ausbildung bereits im zarten Alter von zehn Jahren. Sie spielten in den letzten Jahrzehnten in verschiedensten Bands und standen auch schon mit „Karat“ auf der Bühne. 1990 gründeten die Brüder die Band „Taufrisch“ und tourten bis 1993 unter diesem Namen durch die Lande. Es sollte noch bis Anfang 2008 dauern, bis aus der Idee, die DDR-Rockgeschichte auf die Bühne zubringen, Realität wurde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen