Neubaugebiet : Deutliche Worte im Bauausschuss

Die geringe Anzahl der zu vergebenen Erbpacht-Grundstücke führte zu Unstimmigkeiten.
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Die geringe Anzahl der zu vergebenen Erbpacht-Grundstücke führte zu Unstimmigkeiten.

Bewerber um ein Baugrundstück sind sauer: In der Einwohnerfragestunde wurden die mangelhaften Informationen über die Vorgehensweise am Kortdeelsweg kritisiert.

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20. Januar 2015, 11:45 Uhr

Zwar hatten nur wenige Gäste den Weg in die jüngste Sitzung des Bauausschusses gefunden, dennoch sollte die Einwohnerfragestunde der spannendste Teil des Abends werden. Malte Sieck machte seinem Unmut über das Vorgehen der Stadt bei der Vergabe der Grundstücke im Neubaugebiet am Kortdeelsweg Luft und konfrontierte die Ausschussmitglieder und insbesondere Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU) mit Vorwürfen, deren Entkräftung den anwesenden Politikern nur teilweise gelang.

Irritiert und ratlos sei er, so Sieck, nachdem er sich für ein Grundstück beworben und keinerlei Reaktion seitens der Stadt erhalten habe. Bewerber, die bei der anstehenden ersten Vergabe nicht zum Zuge kämen, seien nicht informiert worden. Unklarheit habe auch beim Ausfüllen der Fragebögen geherrscht, denn den potenziellen Häuslebauern war die Punkteliste, auf der die erforderlichen Kriterien aufgeführt sind, nicht mit an die Hand gegeben worden. Und auf den Härtefallantrag, den die Siecks Anfang Dezember des vergangenen Jahres gestellt hatten, warte man immer noch zumindest auf eine Eingangsbestätigung.

Abgesehen von Paul Raffelhüschen, der die Ratlosigkeit Siecks nicht zu teilen vermochte, zeigte der Ausschuss Verständnis. Schon früher sei angemahnt worden, so Till Müller (Grüne), dass es nicht sein könne, dass nur diejenigen angeschrieben werden, die berücksichtigt werden. Für Müller ist es schlicht ein Ärgernis, dass diese Forderungen nicht gehört wurden. Um extreme Fälle abzufedern, habe man sich für eine Härtefallentscheidung ausgesprochen. Im Nachhinein erweise es sich als Fehler, nicht auch gleich ein Verfahren für diese Option mit verabschiedet zu haben. Eine Regelung gibt es in der Tat bis heute nicht. Dass es nun einen vernünftigen Ablauf geben müsse, betonte die Ausschussvorsitzende Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG). Eine Entscheidung, die der Finanzausschuss treffen muss. Oder, von Ofterdinger-Daegel favorisiert, der Ältestenrat. „Der einfachste Weg, da in diesem Gremium alle Fraktionen und der Bürgermeister vertreten sind.“

Dass der mangelnde Informationsfluss auch innerhalb der Gremien ein Problem ist, wurde an diesem Abend ebenfalls deutlich. So zeigte sich Heinz Lorenzen (KG) überrascht von der überschaubaren Anzahl der Grundstücke, die im Rahmen des Erbbaurechts in einem ersten Schritt vergeben werden. „Ich weiß nur, dass wir ein Gebiet von knapp sieben Hektar zur Verfügung haben, insofern überrascht mich diese Zahl“, bezeichnete es Wyks früherer Bürgermeister als untragbar, dass Stadtvertreter über derartige Fakten nicht in Kenntnis gesetzt würden.

Dass in diesem ersten Schritt nur die westliche Achse des Baugebietes, der Teil zum Fehrstieg, erschlossen werden soll, sei im Ausschuss besprochen und in der Ausschreibung festgelegt worden, konterte Paul Raffelhüschen, der auf die Sonder- und Tauschgebiete sowie die Flächen für den Mietwohnungsbau verwies, als Erklärung für die wenigen verbleibenden Grundstücke.

Das Punktesystem, ebenfalls von Malte Sieck kritisiert, sei gut, in diesem Punkt war man sich einig. Es sei objektiv und sinnvoll, so Müller, denn man könne nicht den jeweiligen Leidensdruck einzelner Bewerber gegeneinander abwägen. Und Paul Raffelhüschen machte dem Kritiker sogar Mut, als er berichtete, dass die ersten 30 auf der Liste angeschrieben worden seien. Sollten sich hier Bewerber anders entscheiden, könne es sein, dass nachnominiert werde und die nächsten auf der Liste angeschrieben werden.

Ob diese Prognose sich bewahrheitet, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Informationsabend jedenfalls war mit 26 Interessenten gut besucht. Deutlich wurde, dass sich die Doppelhäuser keiner großen Beliebtheit erfreuen. Was dazu führte, dass sich einige von der verdichteten Bauweise verabschiedeten und stattdessen Einzelhäuser entstehen sollen. Zudem gab es zwei Rücktritte, so dass jetzt 24 Grundstücke für 24 Bewerber in der Vergabe sind. Die haben nun bis zum 6. Februar Zeit, sich zu entscheiden.

„Nun warten wir auf die Rückläufe, es ist denkbar, dass noch jemand abspringt“, ist sich Silke Ofterdinger-Daegel sicher, dass alle in Frage kommenden Interessenten berücksichtigt werden können. „Sonst müssen wir eben an den Rest des Gebietes ran.“

Das aber, betont Paul Raffelhüschen, gestalte sich als schwierig. Erschlossen werden könne der verbleibende Teil bis zur Strandstraße nur zu 100 Prozent, und diese Maßnahme sei aktuell nicht ausgeschrieben. Die östliche Achse vorerst in ihrem jetzigen Zustand zu belassen – abgesehen vom Straßenkörper und den Rohren für die Leitungen – sei politisch gewollt. Lediglich die Grundstücke an der Straße könnten über den Kortdeelsweg erschlossen werden.

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