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Handlungsbedarf in Wyk : Der traurige Charme der Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Seit vielen Jahren ist die Neugestaltung der Fußgängerzone ein Dauerthema. Nun wollen die Politiker endlich Fakten schaffen.

von
erstellt am 01.Jun.2016 | 12:00 Uhr

Rund sieben Jahre ist es her, dass Dr. Jörn Wagner den Ideenwettbewerb „Grenzenloses Stadterleben“ gewonnen hatte. Zielsetzung der von der Kommunalen Gemeinschaft initiierten Ausschreibung war die Neugestaltung der Fußgängerzone. Passiert ist seither wenig, doch das soll sich nach dem Willen der Wyker Politiker nun ändern. Gesucht wird nun der Königsweg – insbesondere für die Große Straße und wie stets unter finanziellen Aspekten.

Diskutiert wird derzeit, ob das teure Konzept des Kieler Landschaftsarchitekten oder eine kostengünstigere Variante den Zuschlag erhält. Immerhin rund vier Millionen Euro hatte Wagner veranschlagt, sollte sein Entwurf umgesetzt werden. Der sah eine Granitpflasterung und Maßnahmen für das Rosenbeet, das inzwischen mit der Stadtsäule eine optische Veränderung erfahren hat, vor. Zudem sollten Alleinstellungsmerkmale geschaffen werden, deren Wiedererkennungswert die Urlauber immer wieder nach Föhr lockt. Dies zu erreichen, hatte Wagner Lichtstelen oder Lichtbänder vorgeschlagen, die in die Seitenstraßen führen. Oder in das Pflaster eingelassene Intarsien-Motive, etwa in Form eines Walfisches, um auf die Historie der Insel hinzuweisen. Auch Einsparungen wären möglich, hatte der Landschaftsarchitekt signalisiert. So könnten die Granit- durch Betonsteine ersetzt und auf Lichteffekte verzichtet werden. Ohnehin sieht der Entwurf mit der Großen Straße, dem Dreiecksplatz am Rosenbeet und dem Stück Mittelstraße bis zum Glockenturm sowie der Mittelstraße bis zum Sandwall eine Umsetzung in Teilabschnitten vor. Um weitere Kosten zu sparen, könnten die Gassen, die die Große- und die Mittelstraße verbinden, ausgeklammert werden.

Trotz aller Einsparungen müsste eine Menge Geld in die Hand genommen werden, weshalb unter den Stadtvertretern ausgiebig diskutiert wurde, ob es denn der „große Wurf“ werden soll. Den – in abgespeckter Form – eine deutliche Mehrheit favorisiert. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass man in Konkurrenz zu anderen Urlaubsregionen stehe, betont Annemarie Linneweber (SPD). Der touristische Wettbewerb ist auch das alles entscheidende Argument für Jörn Wagner, der „nicht mit der Zeit zu gehen“ für das falsche Signal hält. Es müsse erreicht werden, dass sich die Spaziergänger nicht nur am Sandwall, sondern auch in der Fußgängerzone aufhalten, hatte er vor knapp zwei Jahren vor dem Bauausschuss betont. Auch würde sich eine neue Gestaltung positiv auf die Zahl der Tagesgäste auswirken und den Ortscharakter wahrnehmbar machen. Neue Identitätsmerkmale mit der Folge, dass der Tourist sich gut an Wyk erinnert und gern zurückkehrt.

Pro Wagner-Konzept spricht sich auch Till Müller (Grüne) aus, der allerdings nicht alle gestalterischen Vorschläge für sinnvoll hält. Und auch Lars Schmidt (CDU) befürwortet die Idee. Schmidt warnt mit Blick auf andere zukunftsorientierte Projekte auf der Insel – den geplanten Hotels am Wyker Südstrand und in Nieblum sowie dem Wohnmobil-Platz in Utersum – davor, sich nicht weiter zu entwickeln. Dazu gehöre auch, die von vielen Gästen und Einheimischen geschätzte Fußgängerzone attraktiver zu machen. „Am Hafen soll etwas entstehen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass die Innenstadt entsprechend aufgestellt ist und vernünftig aussieht.“

Quer durch die Parteien ist man sich einig, dass die Entscheidung nicht allein von den Stadtvertretern zu treffen ist. Mitreden sollen Anlieger und alle anderen Bürger, denn es handle sich um „eine erhebliche Weichenstellung mit gesamt-touristischen Auswirkungen“, so Müller. Folgen soll nun eine Einwohnerversammlung, in der die Bürger ihr Votum abgeben können, ob die kleine oder die große Lösung favorisiert wird.

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