„föhreinander“ : Der Traum vom Zusammenleben

Grillabend bei winterlichen Temperaturen mit dem Vorsitzenden Dirk Hartmann (r.).
Grillabend bei winterlichen Temperaturen mit dem Vorsitzenden Dirk Hartmann (r.).

Vor fünf Jahren bezogen die ersten Bewohner das Mehr-Generationen-Haus in der Strandstraße.

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26. Februar 2018, 19:00 Uhr

„Das ist hier fast so etwas wie ein kleines Dorf.“ Sybille Wahala wohnt seit der ersten Stunde im Mehrgenerationen-Haus „föhreinander“ in der Wyker Strandstraße und hat ihre Entscheidung für dieses Projekt bisher ebenso wenig bereut, wie viele ihrer Mitbewohner, die sich zum Grillen unter eher ungemütlicheren Verhältnissen versammelt hatten. Anlass für das Beisammensein unter freiem Himmel war der fünfte Jahrestag des Einzugs in dieses Haus. 42 Erwachsene und elf Kinder wohnen hier in 27 geförderten und einer nicht geförderten Wohnung. Außerdem haben hier der Föhrer BUND und der Verein „Die Brücke“ nach einigen Wanderungen feste Domizile gefunden.

Ein Wohnprojekt, das nicht nur günstig ist, sondern auch der Gemeinschaft einen breiten Raum bieten sollte, war vor etwa zehn Jahren der Traum einiger Insulaner. Bereits bei einem ersten Informationstreffen hatte sich gezeigt, dass das Interesse an diesem Vorhaben sehr groß war. Vom Traum zur Wirklichkeit war es dann ein langer Weg, der vor allem von Mitgliedern der Inselgruppe Föhr des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beschritten wurde. Und die „Träumer“ waren auch nicht allein. Besonders im damaligen Bürgermeister Heinz Lorenzen und in Ulrich Schmidt vom städtischen Bauamt hatten sie starke und kompetente Unterstützer. Auch die Umweltstiftung Bingo und der BUND-Landesverband erwiesen sich als wichtige Helfer, die besonders bei der Fianzierung der Machbarkeitsstudie halfen.

Im September 2009 wurde dann die Genossenschaft „föhreinander“ als Trägerin des Projektes gegründet, die sich zunächst mit der besonders mühseligen Suche nach einem passenden Grundstück befassen musste. Allzu groß war die Auswahl nicht. Bei allen Grundstücken, die in Betracht kamen, gab es unterschiedlichste Haken mit unüberwindlichen Problemen. Da kam der glückliche Zufall dem Vorhaben zugute, dass die Wyker Dampfschiffsreederei (WDR) ihr Areal an der Strandstraße, wo die Busgaragen standen, in dieser Form nicht mehr nutzen wollte. Es gelang der Genossenschaft, das Grundstück zu erwerben, und am 18. Oktober 2011 fand bei strömendem Regen der erste Spatenstich für ein Wohnprojekt statt, das den zukünftigen Bewohnern große Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gestaltung einräumte und außerdem einen hohen ökologischen Standard repräsentiert.

Dirk Hartmann und Manfred Hinrichsen, die „Chefs“ der Genossenschaft „föhreinander“, freuen sich am fünften Jahrestag des Mehrgenerationen-Hauses, dass sich der Traum vom Zusammenleben weitestgehend erfüllt hat. Sie können von einer recht guten Mischung der Alters- und Lebensgruppen berichten. Die etwas älteren, rüstigen Frauen seien etwas in der Überzahl, doch gerade sie hätten auch den Wunsch, sich im Gemeinschaftsleben zu engagieren. „Natürlich gibt es auch Mieter, die den Vorteil des günstigeren Wohnens nutzen, sich aber weniger in die Gemeinschaft einbringen wollen. Die heile Welt ist natürlich auch hier nicht eingetroffen“, berichtet Manfred Hinrichsen. Generell funktioniere das Leben im Mehrgenerationen-Haus aber wirklich gut. Es gibt Gruppen, die sich um die technischen Einrichtungen und die Gartenanlagen kümmern, und auch das gemeinsame Brunchen oder Grillen, egal wie das Wetter ist, gehört zum gemeinsamen Leben an der Strandstraße.

Günstig sind die Mieten auf jeden Fall: 5,25 Euro pro Quadratmeter in den geförderten Wohnungen sind möglich, weil die Genossenschaft keine Gewinne machen darf, sondern lediglich wirtschaftlich arbeiten soll, um Darlehen bedienen und etwaige Reparaturen bezahlen zu können. Dirk Hartmann und Manfred Hinrichsen sind überzeugt von ihrem genossenschaftlichen Wohnprojekt, und sie bieten allen ihre Unterstützung an, die ähnliche Vorhaben auf Föhr initiieren wollen.

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