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Ein Sieger aus Wyk : Der tapfere Alban und das Kochmobil

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der zwölfjährige Alban Wichmann kocht sehr gerne mit seiner Familie. Jetzt hat er beim Kochwettbewerb gewonnen und seine Klasse eingeladen.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 20:00 Uhr

Stell’ dir vor, du bist zwölf Jahre alt, hast deine ganze Klasse zum Essen eingeladen, musst dein Drei-Gänge-Menü in einer komplett fremden Küche kochen, und dann ist noch die Presse da und scharwenzelt ständig um dich und dein Helferteam herum: „Alban, guck doch mal“, „Alban, halt da noch mal den Löffel rein“, „Alban, riecht das angebrannt?“, „Alban, lach mal!“ – „Irgendwann konnte ich dann nicht mehr lachen, also zumindest nicht mehr unverkrampft“, sagt Alban Wichmann lachend. Der Sechtklässler von der Eilun-Feer-Skuul hat so viel Spaß am Kochen, dass er sich am Kina-Kochwettberwerb beteiligt und prompt gewonnen hat. „Ich weiß nicht, ich hab’ das gelesen und mir gedacht, ich gewinne eh nicht, aber ich mach’ da mit.“ Tja, so kann’s kommen ... Gemeinsam mit fünf anderen Schleswig-Holsteinern ist er jetzt ein Sieger und bekam Besuch vom Kochmobil. Um 13 Uhr fuhren sie in Boldixum im Pastoratsgarten vor, wo Alban mit zwei Schwestern und seinen Eltern, dem Pastorenehepaar der St.-Nicolai-Gemeinde wohnt. Zeit für Aufgeregtsein blieb dem jungen Kochkünstler nicht: Er kam direkt von der Schule und verschwand sofort im top ausgestatteten Kochmobil. Das Ziel: Als Vorspeise Grüner Salat, dann Reis mit frischem (unzerkochtem!) Gemüse und als Desert Schokopudding mit Smileygesicht-Sahne. „Das ist eins meiner ersten Mittagessen, das ich gekocht habe. Das Rezept stand so ähnlich mal in einem Kinder-Kochbuch.“

Zwölf Klassenkameraden hatten auf seine schön gemachte, schriftliche Einladung hin zugesagt, ein paar waren gleich mittags zum Helfen da. Nach maximal zwei Minuten Orientierungszeit kamen schon die ersten Befehle von Alban, dem Küchenchef: Salat scheiden (insgesamt acht Köpfe), Möhren putzen (fünf Kilo), Zwiebeln schneiden (ein Kilo, mit wechselnder Besetzung wegen Tränenalarm). Fragen kommen auf: Wo sind die Wassemelonen für den Saft? (fehlten, einer musste noch los), wo soll denn der Reis rein? „Am Anfang hab' ich gedacht, das wird nie was, das war alles so unkoordiniert“, sagt Alban. „Alban, guck doch mal!“, rief Kina-Chefin Ina Reinhart mit der Kamera im Anschlag.

Föhr war die erste Station der Siegertour des Kina-Kochmobils, und niemand wusste, ob wohl der Zeitplan aufgeht. Noch auf dem Weg zu Alban hatte das Team beim unterstützenden EdekaMarkt eine Riesenladung Zutaten abgeholt. Jetzt schnippelten zig Hände Salat, Alban suchte die richtigen Töpfe, koordinierte alle Arbeiten, ließ sich nebenbei vom Flensburger Kochmobil-Chef Kai Schröder in die Technik des gewaltigen Reiskochers einführen und – verbrannte sich mitten im schönsten Gemenge und Gebrutzel die Hand an der Pfanne. „Ich hab’ nicht daran gedacht, dass der Griff ja total heiß ist.“ Aber ein Hoch auf den tapferen Koch! Ab da an zog die Kaltwasserschüssel, die die heißen Finger kühlte, ständig mit um, egal, wohin der Chef musste: Raus zu den Klassenkameraden, die vor dem Mobil an langen Tischen die Zuarbeiten erledigten („Sollen die Pilze in Stücke oder Scheiben?“) und wieder rein an den vierflammigen Gasherd. „Alle fünf Minuten umrühren und gucken, dass es knackig bleibt“, ist die Anweisung für Küchenhelferin Frida. In der rollenden Luxusküche fehlt es an nichts: Doppelfriteuse, Lavasteingrill, zwei Kühlschränke, drei Waschbecken, Waffeleisen .... Das tolle Teil gehört dem Jugendzentrum AAK Flensburg und wurde durch großzügigste Spenden und viele Mitmach-Aktionen finanziert. AAK-Leiter Schröder, der auch in der Kochjury sitzt, bringt damit Jugendliche aller Länder gemeinsam an den fahrenden Herd. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Kai und seinem Wagen diese Tour machen können,“ sagt Kina-Chefin Reinhart. Nach knapp zwei Stunden stand das leckere Essen auf dem Tisch. Netter Zug vom jungen Koch: Er hatte nicht nur seine Lehrerin Anke Gründler eingeladen, sondern auch die Patentante und seine erste Kindergärtnerin.

Das Kochmobil fuhr mit der Abendfähre (und hoffentlich mit dem Abwasch) wieder aufs Festland. „Das ist schon ein besonderes Feeling gemeinsam mit Freunden zu kochen.“



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