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Friesenmuseum in Wyk : Der tägliche Kampf mit der Enge

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Einrichtung platzt aus allen Nähten. Der Umbau des Hauses Jansen soll Abhilfe schaffen. Exponat-Beschriftung ist teilweise abgeschlossen.

von
erstellt am 02.Mär.2016 | 09:00 Uhr

„So schnell wie möglich, denn ich brauche Platz“, antwortet Museumsleiterin Jutta Kollbaum-Weber auf die Frage, wann mit dem Umbau und der Renovierung des Haus Jansen in der Badestraße begonnen wird. Es ist das derzeit größte Projekt des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseums, und das wichtigste. Denn die Einrichtung am Rebbelstieg kann kaum noch Exponate aufnehmen. „Wir platzen aus allen Nähten“, beschreibt Kollbaum-Weber das Problem, das auch in der Bibliothek deutlich wird. Man schiebe nur noch die Kartons hin und her, und eine Schenkung mit Seefahrtsliteratur harre noch immer der weiteren Verwendung.

Momentan ist man dabei, die Voraussetzungen für das Förderprogramm „ITI Westküste“ zu erfüllen. Demnächst werden der Architektenplan und ein Energiegutachten eingereicht, denn gefordert ist unter anderem ein modernes Energiekonzept. Die Museumschefin hofft auf eine Zusage der Förderung noch in diesem Jahr, dann soll es losgehen. Angedacht ist im Haus Jansen ein Museumscafé, in dem auch Exponate ausgestellt werden sollen, die aus der Sammlung von Ingke und Heie Martens-Sönksens stammen. Die oberen Räume sollen ein Magazin beherbergen und somit Platz im Hauptgebäude schaffen.

2014 war das Museum als eines von sechs Häusern in Schleswig-Holstein zertifiziert worden. Ein wichtiger Schritt, der mit einigem Aufwand verbunden ist. Die Exponat-Beschriftung ist veraltet und muss modernisiert werden. Die sei, berichtet Kollbaum-Weber, in der Archäologie-Abteilung abgeschlossen, hier sei man auf dem aktuellen Forschungsstand. „Noch vor Ostern soll eine große Föhr-Karte installiert werden, auf der die historischen Funde eingetragen werden, die auf der Insel gemacht wurden.“ Der Archäologe Bente Majchczack hat die Karte überarbeitet und aktualisiert. Die aufwendige Neubeschriftung wird nun in den übrigen Räumen fortgesetzt. Das Schwierige sei, so die Museumschefin, die richtige Mischung zu finden, denn die alte Ästhetik, die teilweise altertümliche Darstellung soll nicht durch große Texttafeln verlorengehen. Im Obergeschoss etwa, wo teilweise noch Schreibmaschinen-Beschriftungen aus den 1970-er Jahren die Besucher informieren.

Rund 30  000 waren es im vergangenen Jahr und Jutta Kollbaum-Weber hofft für 2016 auf ähnliche Zahlen. Gerade in den Wintermonaten nutzen auch Einheimische die Zeit, das Museum zu besuchen. Die zeigten insbesondere Interesse an der Sonderausstellung „Theodor Möller – Föhr in alten Photographien“, sagt Kollbaum-Weber, die deshalb verlängert wurde und noch bis zum April zu sehen sein wird.

Unverzichtbar für die Unterhaltung des Museums sind die Investitionen und ehrenamtlichen Arbeiten des Zweckverbandes und des Museumsvereins. So konnten neue Gartenlampen angeschafft werden, nachdem die hölzernen Vorgänger zweimal dem Vandalismus zum Opfer gefallen waren. Demnächst wird die Beleuchtung im Museum umgestellt auf sparsamere LED-Strahler und bereits installiert sind neue Beleuchtungen in den Archäologie-Vitrinen, die vom Museumsverein und der Eilun-Feer-Stiftung bezahlt wurden. Froh ist die Museumsleiterin zudem, dass auch die Unterstützung durch die Fielmann-AG weitergeht. Derzeit werden fünf Gemälde aus der Ausstellung restauriert, Ende des Jahres wird es eine zweite Charge geben. Kein billiges Unterfangen, denn pro Bild kann eine Restauration mehrere Tausend Euro kosten.

Eine wertvolle Unterstützung bei Führungen und Kinderveranstaltungen ist Göntje Christiansen. Eine gebürtige Dunsumerin, die nach ihrem Pädagogik-Studium im Friesenmuseum ein Praktikum als Museumspädagogin gemacht hatte und nun als freie Mitarbeiterin tätig ist. Und auch die Absolventen des „Freien Sozialen Jahres Kultur“ seien eine echte Hilfe, sagt Jutta Kollbaum-Weber. Derzeit ist dies Femke Lorenzen aus Süderende, die sich in den vergangenen Wochen durch die gesamte Bibliothek arbeitete und erstmals eine Revision vornahm. Der Enge geschuldet, inventarisierte sie neue Bücher und brachte stellvertretend Karten an deren künftigem Platz an. Eine tolle Idee, lobt die Museumsleiterin: „Sobald wir mehr Platz haben, können wir alles verrücken und die Bücher einordnen.“ Ein weiteres wird voraussichtlich in der zweiten März-Woche dazukommen: Dann soll das Buch „In Brand geschossen und auf Strand gesetzt“ des verstorbenen früheren Wyker Bürgermeisters Heinz Lorenzen erscheinen, das die Fliegerangriffe britischer Jagdflugzeuge auf zwei Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Sommer 1944 aufarbeitet.

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