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In Wyk : Der steinige Weg zur Mitbestimmung

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Jugendliche bekommen wieder einen Beirat. Die Altersgrenze für das Gremium wird angehoben.

von
erstellt am 24.Nov.2015 | 20:00 Uhr

Immer wieder hat es in Wyk Versuche gegeben, einen Jugendbeirat zu installieren, der die Interessen junger Insulaner gegenüber den Stadtpolitikern vertreten soll. Mehrfach wurden solche Gremien gewählt, die aber meistens nach relativ kurzer Zeit wieder auseinander fielen – entweder, weil die Jugendlichen kein Interesse oder keine Zeit mehr hatten, oder weil sie nach dem Schulabschluss wegen einer Ausbildung die Insel verlassen mussten. Acht Jahre ist es her, seit der letzte Beirat gewählt wurde, nun haben Föhrer Jugendliche einen neuen Anlauf gestartet, mussten dabei einige Hürden nehmen und haben eine Lektion in Sachen Demokratie bekommen.

Hürde Nummer 1: Nur Jugendliche, die in der Stadt Wyk leben, können dem Beirat angehören, die Landjugend, obwohl sie in Wyk zur Schule geht, das Jugendzentrum besucht und die Wyker Freizeitangebote nutzt, bleibt außen vor.

Hürde Nummer 2: In den Jugendbeirat gewählt werden kann man nur bis zum Alter von 18 Jahren, so dass für viele junge Menschen zu dem Zeitpunkt, wo sie sich eine Mitarbeit zutrauen und auch bereit und in der Lage sind, länger am Ball zu bleiben, schon wieder Schluss ist.

Viele Gedanken gemacht hat sich deshalb die Gruppe um den Schülersprecher der Eilun-Feer-Skuul, Dennis Nissen, und den stellvertretenden Juso-Vorsitzenden Malte Scheibe. Die Jugendlichen haben einen eigenen Satzungsentwurf für einen Beirat entwickelt, den sie jetzt den Stadtpolitikern vorlegten.

Beziehungsweise vorlegen wollten, denn auch hier mussten sie im ersten Anlauf eine Hürde nehmen. Ganz erstaunt hatten die beiden jungen Männer festgestellt, dass ihr Anliegen nicht auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Jugend-, Kultur- und Sozialausschusses stand, hatten sie doch, wie sie zu Beginn dieser Sitzung berichteten, ihren Satzungsentwurf beim Bürgermeister abgegeben. Doch die Ausschussmitglieder wussten nichts davon, empfahlen den Jugendlichen, ihre Anliegen künftig, um sicher zu gehen, allen Fraktionen mitzuteilen und mussten ihnen dann gleich einen „Zahn ziehen“. Denn im in der Ausschuss-Sitzung dann verteilten Satzungsentwurf der Jugendlichen hatten diese sich eine Hilfskonstruktion einfallen lassen, um ihren Altersgenossen vom Land doch eine Partizipation zu ermöglichen. „Die Mitglieder müssen Einwohner der Stadt Wyk oder Schüler der Eilun-Feer-Skuul sein“, hieß ihr Vorschlag, der aber mit geltendem Recht kollidiert. Denn die Gemeindeordnung, so erfuhren Nissen und Scheibe an diesem Abend, sieht nur Jugendbeiräte für Ortsparlamente vor, deren Mitglieder dann auch in diesen Orten leben müssen.

Blieb der Wunsch der Jugendlichen, die Altersgrenze heraufzusetzen. Darüber wurde jetzt in der Stadtvertretersitzung diskutiert, auf deren Tagesordnung es der Jugendbeirat geschafft hatte. Auch hier versuchte sich Paul Raffelhüschen als Bremser, teilte mit, dass es laut Auskunft der Kreis-Kommunalaufsicht einen juristischen Kommentar zur Gemeindeordnung gebe, in dem stünde, dass über 18-Jährige keine Jugendlichen mehr seien.

Für die anderen Stadtvertreter kein Argument. „Es gibt eine Stellungnahme der Landesregierung, die sagt, dass Jugendbeiratsmitglieder auch älter als 18 sein dürfen“, wusste Peter Schaper (SPD). In anderen Gemeinden gebe es sogar eine Altersgrenze von 27 Jahren. „Wenn das möglich ist, sollten wir die Altersgrenze hochsetzen“, pflichtete Till Müller von den Grünen Schaper bei. Und auch Claudia Andresen aus Raffelhüschens CDU-Fraktion positionierte sich klar: „Unsere Fraktion findet es sinnvoll, das Alter hoch zu setzen, das ist bei uns Konsens“. Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (Kommunale Gemeinschaft) lobte nicht nur den Satzungsentwurf der Jugendlichen als „tolle Fleißarbeit“, sondern hatte auch selber einen Satzungstext gelesen – den der Hauptsatzung der Stadt Wyk. Und dort steht zwar einiges über Zusammensetzung, Aufgaben und Pflichten des Jugendbeirats, aber keine Altersgrenze. „Ihr könnt also einfach los legen“, empfahl sie den jungen Männern.

Doch so leicht wollte Paul Raffelhüschen es den Jugendlichen dann doch nicht machen. Er wollte das Thema zunächst an den Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss überweisen, kam damit aber nicht durch. Die Stadtvertretung beschloss einstimmig, das Alter von Jugendbeiratsmitgliedern auf 14 bis 24 Jahre festzulegen. Vor Weihnachten werde das mit einer Wahl aber nichts mehr, war Raffelhüschen offenbar alles andere als begeistert.

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