Amrum : Der Kampf mit 50 Falten

Mit großem Eifer erlernten die Amrumerinnen das Schneidern einer Friesentracht.  Foto: kta
Mit großem Eifer erlernten die Amrumerinnen das Schneidern einer Friesentracht. Foto: kta

Trachten-Nähkurs: Innerhalb einer Woche wurde der eigene Pei fertiggestellt.

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26. April 2013, 09:10 Uhr

Amrum | Wenn sich Catharina "Tina" Staupe mit einem Trachten-Nähkurs auf Amrum anmeldet, dann sind die Teilnehmerplätze schnell vergeben. Neun Frauen freuten sich dieses Mal darauf, ihren eigenen "Pei", den Rock der Amrumer Friesentracht, zu nähen. Einige Näherinnen hatten bereits im letzten Jahr ihre eigenen "Sliaven", die Ärmel, nähen können.

Traditionen pflegen und Nähkunst weitergeben stand auch in diesem Jahr auf dem Programm, als es hieß, mit Tina Staupe zu nähen. Der Pei besteht aus einem Oberteil und einem Rock, diese beiden Teile werden in gefühlten 100 Schritten und mit viel Handarbeit zusammengenäht. Die schweren Wollstoffe fallen fließend, jedoch sind die fast 50 Falten im Rücken des Peis eine unglaubliche Herausforderung für die Näherinnen. Doch der Lohn ist ein atemberaubender Anblick, wenn sich eine Friesin in ihrer Tracht dreht. Zirka fünf Meter Stoff werden hier nur durch die Falten auf 18 Zentimeter zusammen genäht und bringen eine gewisse Schwere und Kraft in die Friesentracht.

Auch in diesem Jahr konnte die pensionierte Schneidermeisterin und Trachtenbeauftragte des Nordfriesischen Vereins mit ihrer Engelsgeduld die Amrumer Hobbynäherinnen über eine Woche lang positiv bestärken und anleiten. Auch wenn manch eine Teilnehmerin mehr Nähte auftrennte als zusammennähte, weil es nicht nach Schema "F" ging, ließ sich die fröhliche Stimmung nicht beeinträchtigen. Tina Staupe wusste auf jede Frage eine Antwort, zeigte den einen oder anderen Kniff und machte das Nähseminar wieder zu einem ganz besonderen Highlight.

Jede Teilnehmerin wurde vermessen, musste eigene Schnittmuster erstellen und die Stoffe zuschneiden. Anschließend ging es an die Nähmaschinen, die allerdings zum Leidwesen der Teilnehmerinnen manchmal ein unverständliches Eigenleben entwickelten. "Ein tolles Gefühl, seine eigene Tracht zu nähen", meinte eine Amrumerin, die sich darauf freut, beim nächsten Auftritt der Trachtengruppe ihren eigenen, selbst genähten Pei tragen zu können.

In der heutigen Zeit wird die Amrumer Friesentracht nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen, zum Beispiel bei der Konfirmation oder Hochzeit und immer häufiger auch bei Schulentlassungen. Außerdem ist sie während der Sommersaison bei den Auftritten der Trachtengruppe zu bewundern. Mit der aus dem 19. Jahrhundert stammenden, von den hiesigen Seefahrern aus Portugal mitgebrachten und der spanischen Hoftracht nachempfundenen Fiesentracht bieten die Frauen einen wundervollen Anblick. Die wertvolle Panzerkette mit den Zeichen Glaube, Liebe und Hoffnung in Form des Kreuzes, Herzens und Ankers sowie die filigranen Silberknöpfe tragen dazu bei, die Tracht und ihre Trägerin besonders hervorzuheben.

In diesem Jahr sind die Amrumer Näherinnen ihrer eigenen Tracht wieder ein ganz großes Stück näher gekommen. Nun freuen sie sich schon auf das nächste Seminar, in dem voraussichtlich Schürzen genäht werden. So arbeitet Tina Staupe Stich für Stich am Erhalt alter Traditionen und Werte und die Frauen können ihre selbst genähten Trachten mit noch mehr Stolz tragen.

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