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NAchruf : Der Insel- und Halligwelt verbunden

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Zum Gedenken an August Jakobs: Der Nebeler Kapitän hat sich in vielfältiger Weise für seine nordfriesische Heimat eingesetzt.

von
erstellt am 05.Apr.2015 | 19:30 Uhr

Anlässlich des Empfangs zum 130. Geburtstag der Wyker Dampfschiffs-Reederei war er am 14. März noch einmal nach Föhr gekommen. Ein wenig müde wirkte er, wie er da als Ehrengast neben dem Rednerpult saß – bis er dann selbst das Wort ergriff. Wie August Jakobs an diesem Tag in alten Geschichten kramte, hellwach und wie stets mit einer guten Portion Schalk im Nacken, hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass der Amrumer Kapitän nicht mal zwei Wochen später für immer die Augen schließen würde.

Mitten im Wattenmeer, auf der Hallig Langeneß, geboren und aufgewachsen, hat sich Jakobs Zeit seines fast 95 Jahre währenden Lebens in vielfältiger Weise für seine nordfriesische Heimat eingesetzt. Als Sohn eines Halligschiffers war es ihm praktisch in die Wiege gelegt, dass er selbst einmal den Seemanns-Beruf ergreifen würde. Und so heuerte Jakobs nach dem Schulabschluss 1936 bei verschiedenen Reedereien an, besuchte die Seefahrtsschule in Hamburg und war dann als Offizier auf Truppentransportern und Frachtschiffen tätig.

1945 kehrte er zurück nach Langeneß und kam noch im selben Jahr mit seiner Frau Gertraude, die er 1943 geheiratet hatte, als Kapitän beim Wasser- und Schifffahrtsamt nach Amrum. Die Insel sollte ihm zur Heimat werden. Bereits 1948 machte sich Jakobs mit einem eigenen Schiff selbstständig und gründete 1960 – als Gegengewicht zur mächtigen Wyker Dampfschiffs-Reederei und unterstützt durch die Kreise Husum und Südtondern – die Amrumer Schiffahrts-Aktien-Gesellschaft (ASAG). Elf Jahre später fusionierten die Konkurrenten und Kapitän Jakobs fuhr bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1983 für die WDR auf der Halliglinie.

Auch nach seinem Ausscheiden blieb er der Wyker Dampfschiffs-Reederei eng verbunden. Von 1971 bis 2003 war er Mitglied im WDR-Aufsichtsrat. Als Pensionär ging August Jakobs außerdem mit einem ganz besonderen Projekt für die Reederei auf „Große Fahrt“: Er konzipierte die Ausstellung „Vom hölzernen Dampfschiff bis zur High-Tech-Fähre“, mit der er weit über die Landesgrenzen hinaus für die Wyker Dampfschiffs-Reederei und seine nordfriesische Heimat warb. Von 1991 bis 2004 haben mehrere Millionen Menschen diese Ausstellung besucht.

Neben seiner eigenen Wanderausstellung engagierte Jakobs sich auch für das Husumer Schifffahrtsmuseum, an dessen Aufbau er fachkundig mitgewirkt hatte.

Nicht nur als Seemann setzte Kapitän Jakobs sich für die Insel- und Halligwelt ein. Auch als Kommunalpolitiker und in diversen Ehrenämtern war er aktiv. August Jakobs gehörte im Jahr 1956 zu den Gründungsmitgliedern des CDU-Ortsverbandes Amrum. Er war viele Jahre Mitglied der Nebeler Gemeindevertretung, von 1982 bis 1990 vertrat er die Belange seiner Heimatinsel im nordfriesischen Kreistag, von 1986 bis 1990 war er Bürgermeister der Gemeinde Nebel und gehörte auch dem Amrumer Amtsausschuss an.

Gründungsmitglied war August Jakobs, der seit 1953 mit seiner 2009 verstorbenen Frau und fünf Töchtern in Steenodde lebte, außerdem bei der Ortsfeuerwehr von Süddorf-Steenodde.

Seine Erfahrung brachte er auch in den Amrumer Yachtclub ein, und in den Nautischen Verein Nordfriesland, dessen Wiedergründung im Jahr 1971 er aktiv begleitete und dem er viele Jahre vorstand.

Es war August Jakobs vergönnt, bis ins hohe Alter aktiv zu bleiben. Und so war er ein gefragter Zeitzeuge, der immer wieder auch vor Fernsehkameras aus seinem reichen Erfahrungsschatz plauderte und so vielen Menschen das manchmal harte Leben auf den Inseln und Halligen nahebrachte – immer gewürzt mit einer Prise trockenen Humors.

Am 27. März hat August Jakobs seine letzte Reise angetreten.

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