Amrum : Der Friedhof bleibt das Sorgenkind

Hans-Peter Traulsen (stehend) berichtete den zahlreichen Besuchern vom Gemeindejahr.
Hans-Peter Traulsen (stehend) berichtete den zahlreichen Besuchern vom Gemeindejahr.

Mit 18 Bestattungen lassen sich die Kosten nicht decken. Die Kirchengemeinde blickt auf turbulentes Jahr zurück.

shz.de von
29. Januar 2018, 12:30 Uhr

Rappelvoll war es im St.-Clemens-Hüs bei der Versammlung der Kirchengemeinde, bei der es auch die Gelegenheit gab, Amrums zukünftige Pastorin zu beschnuppern. Denn Martje Brandt und ihre Lebensgefährtin nahmen an der Versammlung teil. Brandt, bisher in Pinneberg tätig, wird am 4. März in ihr Amt eingeführt. „Gedanklich bin ich auf dem Weg, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte die 52-Jährige. Die Seelsorgerin wird noch bis ins Jahr 2019 eine bereits begonnene Fortbildung absolvieren, was zur Folge hat, dass Interims-Pastorin Thurid Pörksen der Insel noch ein wenig erhalten bleibt. „Ich hatte ihr all meine Weiterbildungszeiten geschickt mit der Frage, an welchen Terminen sie mich vertreten könne“, erzählte Brandt. „Und ich habe ihr sofort geantwortet, dass ich mir alle einrichten werde“, sagte Pörksen lachend. „Ich bin ja zu gerne hier.“

Einem schönen Geschenk können Pörksen und ihr Mann Arend Bertzbach entgegensehen: Das Ehepaar bekommt von der Kirchengemeinde zum Abschied neue Hühner. „Schließlich musstet ihr eure ja weggeben, als ihr nach Amrum kamt“, sagte der Kirchengemeinderatsvorsitzende Hans-Peter Traulsen und lobte augenzwinkernd die preußische Arbeitsauffassung Pörkens, die im Pfarrhaus selbst zum Pinsel gegriffen hatte, „um das Heim für unsere neue Pastorin und die nächsten Jahre in einen nachhaltig guten Zustand zu versetzen“. Bereits 2016 hatte das Pastorat eine neue Heizungsanlage erhalten. Mittlerweile sind auch Fenster ausgetauscht und das Kirchenbüro netzwerktechnisch auf modernen Stand.

Allein durch Spenden und ehrenamtliches Engagement konnten die Außentür der Kirche sowie die Nordinnenwand saniert werden. Für das Baugerüst und die Fassadenarbeiten an den Außenwänden, die 2018 auf der Agenda stehen, kann die Gemeinde auf Zuschüsse durch den Kirchenkreis und die Landeskirche hoffen. Die Empore wurde neu gepolstert, und in Wittdün die Orgel repariert. Die Sanierung des dortigen Kurseelsorgerhauses ist in Arbeit, eine Schadstoffprüfung beauftragt. „Da erwarten wir gespannt das Ergebnis, da es sich bei dem Gebäude um ein Fertighaus der ersten Generation handelt“, sagte Traulsen. Auf dem Plan für 2018 stehen Kooperationsgespräche mit der politischen Gemeinde darüber, Gebäude gemeinsam zu nutzen. „Bisher haben sie noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt“, sagte Traulsen. Mit dem Jugendzentrum wolle man Möglichkeiten gemeinsamer Jugendarbeit eruieren und mit der Amrum-Touristik über eine Zusammenarbeit bei Veranstaltungen sprechen. Das St.-Clemens-Hüs soll renoviert und energetisch saniert werden, und der Friedhofsgärtner soll Unterstützung durch eine Saisonhilfe bekommen. Für ihre 22 Jahre lange Betreuung des Gemeindehauses dankte Traulsen Doris Burghardt, die zum 1. April in den Ruhestand geht.

Die Amtshandlungen auf der kleinen Insel bleiben zahlenmäßig weiter im Rahmen. Weder bei Taufen (19), noch bei Trauungen (6), Bestattungen (18) und Konfirmationen (15) gab es große Abweichungen zu den Vorjahren. Sechs Eintritten stehen 13 Austritte gegenüber, was aktuell zur Zahl von 1126 Gemeindemitgliedern führt. Das sind 52 mehr als 2016 und 89 weniger als 2015.

Für den Jahresabschluss 2017 liegen die Zuweisung aus Überschussmitteln und der Erlös der Üüs-Skaap-Stiftung noch nicht vor; in 2016 ergaben sich Defizite für Kirchenmusik (3678 Euro) und Friedhofskasse (9703 Euro) sowie ein Überschuss in der Kirchenkasse von 8730 Euro. Die Gesamteinnahmen im Jahr 2016 betrugen 118 284 Euro mit den dicksten Posten Kirchensteuerzuweisung in Höhe von 63 388 Euro und Einnahmen aus Erbpacht von 32 662 Euro.

Ein Sorgenkind seien die Friedhöfe, sagte Traulsen. Die Kirche darf laut Verwaltungsordnung keine Haushaltsmittel für den Friedhofsbetrieb einsetzen, dieser muss sich allein durch eigene Einnahmen finanzieren. „Was bei einer Zahl von 18 Bestattungen, darunter immer mehr Urnenbegräbnisse, ja nicht möglich ist“, so Traulsen. Hier gab es Gespräche mit dem Amt hinsichtlich einer Beteiligung durch die Gemeinden und als Ergebnis einen von beiden Seiten bisher nicht ratifizierten Vertragsentwurf. „Der Friedhofsausschuss wird bei der nächsten Gemeindeversammlung sicherlich ein Konzept für eine nachhaltige Lösung präsentieren können, zumal die Zeit hier drängt“, sagte Traulsen.

Mit einem hoffnungsvollen Blick auf Amrums Inselchronisten Georg Quedens wurde das Thema „Infotafel Ehrenfriedhof“ angesprochen. Bei der Grabstätte am Eingang des Neuen Friedhofs in Nebel würde man gern die Schicksale der Soldaten, ihrer Frauen und Kinder dokumentieren und sucht die Zusammenarbeit mit Amrumern, die sich mit Wissen und Elan beteiligen möchten.

Beim Großprojekt St-Clemens-Orgel wird zur Zeit geprüft, ob eine deutliche Verbesserung der akustischen Verhältnisse einen teuren Orgelneubau rechtfertigt. Die Gemeinde wird hier professionell unterstützt. Dank der engagierten Kirchenmusikerin Anne-Sophie Bunk hat die St.-Clemens-Gemeinde in Sachen Konzert und Chor ein wirklich volles Programm. „Wir haben einen neuen Gospelchor, hatten einen wunderbaren Choraustausch mit dem Nieblumer Singkreis und den ersten Open-Air-Gottesdienst an der Vogelkoje“, berichtete sie.

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