Aus der Föhrer Historie : Der Föhrer Erk Timm und der Untergang der MS Brandenburg im Ärmelkanal

Author: Karin de la Roi-Frey
Erinnerung an einen vor 50 Jahren umgekommenen Föhrer Seemann: Erk Timm auf der "Rantum".

2021 suchte Koos van der Niet nach Informationen über seinen Kollegen und Freund Erk Timm auf dessen Heimatinsel Föhr. Timm war am 12. Januar 1971 ums Leben gekommen.

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17. Januar 2022, 16:22 Uhr

2021 suchte Koos van der Niet nach Informationen über seinen Kollegen und Freund Erk Timm auf dessen Heimatinsel Föhr. Timm war am 12. Januar 1971 ums Leben gekommen.

Seit einiger Zeit fehlt in der südwestlichen Ecke des Friedhofs St. Nicolai in Boldixum ein Grabstein. Er verzeichnete den Namen und die Lebensdaten von Kapitän Fritz Timm, der mit seiner Frau Margit viele Jahre im Stockmannsweg wohnte. Sein Grabstein konnte für den gemeinsamen Sohn Erk nur ein Gedenkstein sein, denn seine Leiche wurde nie gefunden.

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Erk Timm gehörte zu den Besatzungsmitgliedern der „MS Brandenburg“, die im Januar 1971 in Minutenschnelle im Ärmelkanal versank. Zwei Jahre zuvor war er zusammen mit dem Holländer Koos van der Niet auf der 1953 in Rendsburg gebauten „Rantum“ der Reederei Entz gefahren, zu dieser Zeit mit ihren 114 Metern Länge das größte und modernste Schiff der deutschen Handelsflotte. Die Maschine der „Rantum“, dessen erster Offizier in den Anfangsjahren von Föhr kam und Eduard Boetius hieß, war ein gigantischer Einzylinder Zweitakter mit 3600 PS und konnte im Gegensatz zu den üblichen Schiffsmotoren mit billigem Schweröl betrieben werden. Dieser erste in Deutschland gebaute Schwerölmotor brachte die „Rantum“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 26 km/ h oder 14 Knoten voran.

Koos van der Niet auf den Spuren Erk Timms

2021 suchte Koos van der Niet nach weiteren Informationen über seinen Kollegen und Freund Erk Timm auf dessen Heimatinsel Föhr. Die namensgleiche Elke Timm in der Großen Straße konnte ihm zwar nicht direkt weiterhelfen, gab Koos van der Niets Anfrage aber weiter an den „Insel-Boten“ mit der Bitte um Vermittlung an die Autorin (Anmerkung der Redaktion: Karin de la Roi-Frey). Die erhielt schließlich einige Tage später einen Anruf aus Holland und konnte Koos van der Niet weiterhelfen. Er ist dabei, seine Erinnerungen als holländischer Seemann auf deutschen Schiffen aufzuzeichnen und bat um eine Fotografie des Gedenk- und Grabsteins der Familie Timm. Der aber war inzwischen nach Auskunft des Friedhofsgärtners Hartmut Petersen nach Langeneß gebracht worden, wo sich Erk Timms vor einiger Zeit verstorbene Mutter Margit hatte beerdigen lassen.

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Eines der schwersten Schiffsunglücke der deutschen Nachkriegszeit

Erk Timm verlor am 12. Januar 1971 bei einem der schwersten Schiffsunglücke der deutschen Nachkriegszeit sein Leben. Er gehörte zu den zwanzig Männern und Frauen, die Opfer eines schweren, nicht vorhersehbaren Schiffsunglücks im Ärmelkanal wurden. Elf Männer überlebten und wurden von britischen Fischern gerettet.

Rückblick: Von Antwerpen soll es in Richtung Karibik gehen. Am nächsten Morgen geht kurz nach 7 Uhr ein Geräusch durch den Stückgutfrachter, das das Schlimmste befürchten lässt. Und genauso kommt es. Der HAPAG-Frachter "Brandenburg" ist mit Wrackteilen des einen Tag vorher gesunkenen Tankers "Texaco Caribbean" zusammengestoßen. Der Rumpf wird auf breiter Front aufgerissen und lässt das Schiff in Minutenschnelle sinken. Der Funker Erk Timm kann keinen Notruf mehr absenden, der Strom ist ausgefallen. Eine Notstromversorgung gibt es nicht. In die Rettungsboote der "Brandenburg" schafft es keiner mehr.

Das Funktagebuch wurde nie gefunden

Bei einer Erkundung der gesunkenen "Brandenburg" konnten weder eventuell eingeschlossene Besatzungsmitglieder noch das Funktagebuch gefunden werden. Die "Brandenburg" wurde von den Versicherern aufgegeben, da eine Bergung im Ärmelkanal zu unsicher und kostspielig geworden wäre. Die Position des Schiffes lautete 50° 58′ 30″ N, 1° 17′ 44″ O und gilt als Sterbeort von Erk Timm, der erst kurze Zeit verheiratet und Vater einer kleinen Tochter war. Am 17. Januar 1971 fand in der Hamburger St. Trinitatis-Kirche ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Unglücks statt.

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