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125 Jahre Seebad Norddorf (Teil 3) : „Den Charakter als ruhiges Seebad erhalten …“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

1925 war Norddorf selbstständige Gemeinde geworden und hochfliegende Vorhaben wurden nicht geduldet: Die Reize der unverdorbenen Natur sollten geschützt werden.

In den 1880/90-er Jahren war das Inselleben mangels Existenzmöglichkeiten auf der Heimatinsel noch geprägt von der Auswanderung nach Amerika. Aber nun bot sich den Insulanern mit dem Fremdenverkehr ein neuer Erwerb und es begann eine lebhafte Bautätigkeit, zunächst an der Strandstraße von Norddorf‚ dann über den historischen Ortsbereich hinaus hinein an das im Westen angrenzende Dünengelände und zunächst vereinzelt nach Süden über die noch landwirtschaftlich genutzte Feldmark.

1925 war Norddorf selbstständige Gemeinde geworden und nahm nun auch den Fremdenverkehr gleichrangig mit dem Seehospiz in die eigene Hand. Aber Norddorf duldete keine hochfliegenden Vorhaben, wenn es denn dazu Initiativen gab. Ein Prospekt aus den 1930-er Jahren verrät: „Norddorf will das einfache Bad mit allen Reizen der unverdorbenen Natur bleiben und gibt keine Gelegenheit, geschweige denn Verpflichtung, zum Aufwand. Kurveranstaltungen, wie sie andernorts bloßem Zeitvertreib und leichter Zerstreuung dienen, kommen nicht in Frage. Damit bleibt Norddorf auf dem Wege, den ihn sein Entdecker, Pastor Bodelschwingh, gewiesen hat...“ Dieses Ziel überstand auch den Zweiten Weltkrieg mit dem Stillstand des Fremdenverkehrs von 1939 bis etwa 1950 und der notwendigen Rückbesinnung auf Handwerk und Landwirtschaft. In den ersten Prospekten der 1950-er Jahre stellt sich Norddorf als „Seebad ohne Lärm“ vor und postuliert: „Die Kurverwaltung bemüht sich, den Charakter des ruhigen, gepflegten Seebades zu erhalten und alles Störende fernzuhalten.“ Die Zeitumstände gingen aber doch nicht ganz spurlos vorüber. Um die Nachfrage nach Bauland zu befriedigen, wurden weitere Bauplätze – aber nur für Einheimische – am Dünenrand ausgewiesen, leichtsinnigerweise aber auch über die private Feldmark südlich von Norddorf. Und hier konnte die Gemeinde die Nutzung nicht regulieren, so dass hier etliche Bauplätze an Auswärtige verkauft wurden.

1957 wurde eine großzügige Strandhalle mit Restauration gebaut und der ehemalige Schuppen des DGzRS-Rettungsbootes als Badekabinenhaus mit Sanitäreinrichtungen und Wohnungen für Rettungsschwimmer der DLRG umgestaltet. Und Anfang der 1970-er Jahre konnte auch Norddorf sich nicht der an den Küsten grassierenden Schwimmbad-Euphorie versagen und baute ein Meerwasserschwimmbad, das aber die Hoffnungen auf Saisonverlängerung nicht erfüllte. Nur wenige Prozente der anwesenden Gäste besuchten das Bad, so dass es aus finanziellen Gründen im Jahre 2005 wieder geschlossen wurde. Der Abbruch und die Erneuerung des „Seeheimes“ 2014 waren dann das bisher letzte Großprojekt.

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erstellt am 06.Sep.2015 | 09:00 Uhr

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