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Auf Föhr : Dem Plastikmüll zu Leibe gerückt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Föhrer BUND hatte aufgerufen: 26 Säcke mit Kunststoff-Abfällen auf einem Strandabschnitt von einem Kilometer Länge sammelten Einheimische und Gäste in Witsum

Der Föhrer Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte im Rahmen des Projektes „Plastikfrei wird Trend“ zur Strandreinigung aufgerufen. 16 freiwillige Helfer, Einheimische und Gäste, nahmen an der Aktion in Witsum teil und rückten dem an der Godelniederung angeschwemmten Müll zu Leibe.

Auf einer Strecke von einem Kilometer füllten die Helfer 26 Müllsäcke und sammelten mehrere Fischkisten sowie ein halbes Dutzend Plastikkanister ein. In den Müllsäcken landeten unter anderem Luftballonschnüre, Einweggeschirr, Getränkeflaschen, Deckel, Teile von Fischernetzen und Kunststoffseile, viele Lebensmittelverpackungen und ein Meditationskissen. Alarmierend war die große Menge der angeschwemmten Plastikschnüre. Einzeln oder in großen Knäueln fanden sich überall am Strand orangefarbene, blaue und schwarze Kunststofffasern. „Es handelt sich um Scheuerfäden aus der Fischerei“, erklärte Angela Ottmann vom Föhrer BUND. Sie werden in die Netze gebunden, um diese bei Bodenkontakt vor der Abnutzung zu schützen.

„Diese sogenannten Dolly Ropes sind eine große Bedrohung für die maritime Tierwelt“, weiß Angela Ottmann: „Vögel verheddern sich darin oder bleiben mit dem Schnabel in den Plastikknäueln hängen und verenden.“ Im Modellprojekt „Plastikfrei wird Trend“, das der BUND Föhr initiiert hat, sollen nun umweltverträgliche Alternativen für die Scheuerfäden entwickelt und erprobt werden.

Denn für die Meeresbewohner ist die massive Belastung mit den Hinterlassenschaften des Menschen ein großes Problem, die meisten Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar und benötigen lange, um zu zerfallen. Eine Getränkeflasche etwa braucht 450, eine Angelschnur sogar 600 Jahre. Eine Wasserflasche – in wenigen Stunden ausgetrunken – überdauert unsere eigene Lebensspanne somit um ein Vielfaches. Und Plastikteile im Meer werden zur tödlichen Falle für dessen Bewohner. In Folien, Griffen, Ringen und Bändern verfangen und strangulieren sich Tiere. In den allgegenwärtigen Knäueln aus Plastikfäden und Luftballonschnüren verenden Fische und Vögel, die sich ausweglos im Gewirr der Plastikfasern verheddern.

Hinzu kommt, dass Plastik, wenn es verwittert, in immer kleinere Bruchstücke zerfällt. Diese werden von Meerestieren mit Nahrung verwechselt oder unbeabsichtigt aufgenommen. Immer größere Mengen Plastik sammeln sich so in ihren Mägen an. In letzter Konsequenz müssen die Tiere verhungern, weil im Magen kein Platz für natürliche Nahrung mehr ist.

Beim Zerfall größerer Plastikteile entsteht Mikroplastik mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Dieses wird von Muscheln, Krebsen oder Fischen gefressen. Meerestiere, die auch auf dem Speiseplan des Menschen stehen, der damit am Ende der Nahrungskette ebenfalls mehr Schadstoffe aufnimmt.

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erstellt am 24.Feb.2016 | 12:30 Uhr

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