Erster Weltkrieg auf Föhr : Das Rätsel um Roluf N. Peters

<p>In der Champagne gefallen: Roluf N. Peters.</p>
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In der Champagne gefallen: Roluf N. Peters.

Irritationen und Spekulationen über einen Namen und zwei Todesdaten: Wann starb der Nieblumer wirklich?

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22. Juni 2018, 19:00 Uhr

Am Osteingang des Nieblumer Friedhofs stehen vier weiße Grabsteine in einer Reihe, die zur Familie Peters gehören. Darunter befindet sich auch der eindrucksvolle Stein für den am 27. Mai 1916, erst 22 Jahre alt, in Frankreich in der Champagne gefallenen Roluf Nanning Peters. Und genau dieses Datum führte zu einigen Irritationen, wiederholten Nachprüfungen und Spekulationen. In den gedruckten Geschlechterreihen St. Johannis (GRJ), also im Kirchenregister, erscheint Roluf N. Peters nämlich mit dem Todesdatum vom 20. Januar 1924. Hatte er vielleicht überlebt? Hatte er die Nachkriegsjahre unerkannt, krank oder verwirrt irgendwo verbracht? Aber dann hätte man doch das Datum ändern müssen. Oder kam es nicht mehr dazu? Wer könnte darüber noch etwas wissen? Hundert Jahre sind seitdem vergangen. Geschichten von verwechselten Identitäten, von „ausgebüxten“ Soldaten und andere Schicksale gibt es öfter als angenommen. Wilde Phantasien jagten einander, bis der Verstand zur Ordnung rief und eine gründliche Recherche forderte. Also wurde erst einmal das familiäre Umfeld von Roluf N. Peters abgesteckt, um so vielleicht dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Roluf N. Peters gehörte einer auf Föhr weit verzweigten Familie an, die auf die Oevenumer Buurnstrat 42 zurückgeht und in der bekannte Inselnamen wie Knudsen, Hassold und Duer erscheinen. So war der Heimatschriftsteller Lorenz Conrad Peters (1885-1949), genannt „Lonje Kunje“ oder einfach „CLP“, ein Cousin des gefallenen Roluf N. Peters. „Lonje Kunje“ war ebenfalls Kriegsteilnehmer, kehrte aber im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Offizierstellvertreter Peter Peters, zurück. Peter Peters starb wenige Monate nach seinem Cousin Roluf N. Peters in Kaunus/ Litauen an der Ruhr.

Schließlich gelangten die Recherchen zu den Eltern von Roluf N. Peters. Volkert Junghans (1869-1926) und Maria, geb. Johannsen (1868-1940), nach dem Vornamen und Beruf ihres Mannes genannt „Mia Volkert Bäcker“. Sie lebten mit ihren Kindern im Nieblumer Alkersumstieg 6. Soweit schien alles geklärt zu sein, ohne dass es eine Antwort auf die Frage nach dem tatsächlichen Todesdatum von Roluf N. Peters gegeben hätte. Eine Bitte um entsprechende Recherche im originalen Kirchenregister der Gemeinde St. Johannis brachte wieder nur das gleiche Ergebnis. Unter der Grabnummer 432 fand sich Roluf N. Peters mit dem Todesdatum 1924. Eine erneute Anfrage bei der geduldigen Frau Nickelsen im Nieblumer Pastorat brachte schließlich die Lösung des Rätsels. Sie schickte eine Kopie der Verstorbenen-Liste für das Jahr 1924. Auch dort wieder der gleiche Eintrag, der nun aber endgültig eine Ahnung bestätigte. Auf beiden Kopien befand sich hinter dem Namen von Roluf N. Peters der Eintrag „1 Mt.“ Damit war klar, dass der dort beerdigte Roluf N. Peters nur einen Monat alt geworden war. Damit konnte das nicht der gefallen Roluf N. Peters sein. Das Rätsel war also gelöst.

Aber wer war dieses Kind? Es war der gleichnamige Sohn von Roluf N. Peters Bruder Peter Eschel (1896-1981) und dessen Frau Maria, geb. Volkerts, aus Nieblum. Nur einen Monat nach seiner Geburt im Jahr 1924 war der kleine Junge, der wohl im Gedenken an den Gefallenen den Namen seines Onkels erhalten hatte, gestorben und in Nieblum beerdigt worden. Durch den gleichen Namen wurden die zwei Personen verwechselt und für den Gefallenen das falsche Todesdatum in die gedruckten Geschlechterreihen von St. Johannis eingetragen.

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