Auf Amrum : „Das hat so viel Spaß gemacht“

Sechs neue Tänze lernten die Line-Dancer in den Workshops.
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Sechs neue Tänze lernten die Line-Dancer in den Workshops.

Island-Dancer feiern zehnjähriges Bestehen. Jubiläums-Party mit Workshops und jede Menge Tanz.

shz.de von
09. September 2018, 17:50 Uhr

„Kennen Sie den Dorothy?“ fragt Tanztrainer Niels Poulsen auf Englisch und die voll motivierte Tanzfläche im „54° Nord“ nickt. „Okay. Let’s go: Right Dorothy steps turning quarter left, left Dorothy, right rock forward, shuffle back turning half right. Eight counts, okay?“

Wir sind beim Jubiläums-Workshop der Island-Dancer des TSV Amrum und das waren gerade die ersten acht Takte von 32 in Poulsens Choreografie „One Hundred“ zur Musik von Ida Corr. „Der Tanz hat seine eigene Sprache, und die wird auf Englisch von Anfang an mitgelernt“, erklärt Petra Gerrets, seit fast sechs Jahren Trainerin der Amrumer Tanzgruppe. Er wird international verstanden und das macht die Line-Dancer zu einer weltweiten Familie. Die Japanerinnen seien meist am schnellsten, eine neu getanzte Choreografie ins Netz zu stellen, ist man sich einig. Line-Dance-Choreografien kann man auch allein tanzen, aber zusammen macht es viel mehr Spaß. Man trifft sich zum Tanztraining, lädt sich gegenseitig zu Workshops und Tanz-Parties ein. Auch beim diesjährigen Tanz-Event der Island-Dancer sind nicht nur die 35 Aktiven des TSV Amrum dabei, sondern viele Gäste aus Deutschland und sogar aus Tondern in Dänemark.

Zu ihrem zehnjährigen Bestehen hatten die Island-Dancer ein tolles Programm auf die Beine gestellt und Niels Poulsen eingeladen, die Workshops zu leiten. Er ist einer der wenigen internationalen Profi-Choreografen für Modern Line-Dance und unterrichtet bei Tanz-Events auf allen Kontinenten. Für seine Arbeit wurde er schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Crystal Boot Award. Poulsen bildet in seinem Heimatland Dänemark auch Tanzlehrer aus und Line-Dance-Techniken als Turniersportart, war früher selbst Turniertänzer und gewann die Weltmeisterschaft im Intermediate 2006.

„Modern Line-Dance“ wird nicht in Cowboy-Stiefeln und Petticoat-Look zu traditioneller Westernmusik getanzt, sondern nach neuen Choreografien zu jeder Art von rhythmisch tanzbarer Musik. Es gibt sechs grobe Stilrichtungen: Waltz, Cha-Cha, Funkie, Smooth, Lilt, Showdance – und keinen festen Dress-Code, der richtet sich nach Tanz und Anlass.

Bei der Warm-up-Party am Vorabend hatte sich Niels Poulsen mit dem Level auf der Tanzfläche des „54° Nord“ vertraut gemacht und danach die Tänze für die Workshops ausgesucht. Unterschieden wird nach Schwierigkeitsgraden: Beginner, Improver, Intermediate und Advanced. Sechs Tänze von Niels Poulsen haben die Line-Dancer in den Workshops neu gelernt und am Ende werden alle hintereinander noch einmal durchgetanzt. Die Akteure sind auch nach sechs Stunden Workshops nicht geschafft und freuen sich auf die Party. „Das hat so viel Spaß gemacht!“

Am Abend sind alle wieder da – die Geburtstagsparty kann losgehen. Plötzlich sind die Island-Dancer doch ein bisschen aufgeregt. Sie haben zur Feier des Tages einen Showdance einstudiert und die TSV-Damen müssen als Erste auf’s Parkett. Petra Gerrets hat mit ihnen eine eigene Choreografie zu den Klängen von „Fever“ einstudiert: Dandies nehmen sich die Tanzfläche, Schwarzlicht reflektiert weiße Fliegen, Handschuh und Zylinderchen. Doch hoppla, wer umgarnt hier wen? Und „who is who“? Frauen als Männer tanzen um Frauen in Männerkleidern, Frauen als Männer werden umtanzt von Frauen in Männerkleidern. Und umgekehrt. Ein Spiel mit der Mehrdeutigkeit in wechselnden Rollen. Und dann war Showtime für die Kids: Sie tanzen ein Potpourri ihrer Lieblingstänze, Weltmeisterin Britta Lindner hatte ihnen beim Einstudieren geholfen. In Sekundenschnelle wechseln sie zu jedem Tanz ihre Accessoires und führen sportlich durch die Stil-Geschichte des Line-Dance von Classic-Folk bis Lilt.

Die Island-Dancer kassierten einen Riesen-Applaus und ab ging die Party. Dirk Leibing, Choreograf und Tanztrainer der City-Stompers aus Henstedt-Ulzburg bei Hamburg legte auch in diesem Jahr wieder die Musik auf. Er war von Anfang an auf Amrum dabei, hat viele Workshops geleitet und steuerte zur Warm-up-Party am Vorabend einen eigenen Tanz bei – sein persönliches Geburtstagsgeschenk.

Vor zehn Jahren fand die erste Line-Dance-Party auf der Insel statt und das war der Startschuss für die Island-Dancer, die Reinhard Melcher und die im letzten Jahr verstorbene Ingrid Kühl-Seyer 2008 gegründet haben. Ingrid Kühl-Seyer kam aus der Nähe von Hamburg und hatte schon bei Dirk Leibing mit den City-Stompers in Henstedt-Ulzburg getanzt, bevor sie auf die Insel kam. Bei einem Besuch ihres früheren Trainers und Choreografen saß man zusammen im Café „Schult“ und heckte die Idee aus, das erste Line-Dance-Event auf Amrum zu organisieren: Eine Warm-up-Party, ein Workshop und die Tanzparty am folgenden Tag. Es wurde ein großer Erfolg – und der hielt an.

Die Island-Dancer sind stetig gewachsen und haben sich weiterentwickelt. Seit fünf Jahren gehören sie zur Tanzsport-Sparte des TSV Amrum und ließen auch die Frauenquote des Vereins tüchtig in die Höhe schnellen. Britta Lindner und Leene Motzke konnten international beachtliche Erfolge im Turniertanz erzielen und seit vier Jahren gibt es für den Nachwuchs eine eigene Line-Dance-Gruppe. „Wir werden vom TSV super unterstützt“, sagt Petra Gerrets und freut sich, wie breit der Tanzsport auf Amrum inzwischen aufgestellt ist: im Alter von 6 bis weit über 70 Jahren wird hier Line-Dance getanzt.

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