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Orkan „Christian“: : Das große Aufräumen am Tag danach

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch nicht absehbar. Bei Dachdeckern und Versicherungen herrscht Hochbetrieb. Auf Amrum waren die Feuerwehren auch heute noch im Säge-Einsatz. Für sämtliche Inselwälder wurde ein Betretungsverbot erlassen.

„Das war deutlich schlimmer, als ‚Anatol‘ vor 14 Jahren.“ Wyks Wehrführer Kai Sönnichsen und Amtswehrführer Joachim Christiansen waren sich am Tag danach einig: Die Schäden, die Orkantief „Christian“ am Montag auf den Inseln angerichtet hatte, übertrafen bei Weitem die Bilanz des berühmt-berüchtigten Vorgängers, der sich seinerzeit als Jahrhundertsturm ins Gedächtnis der Insulaner eingeprägt hatte.

Damals wie heute waren Bäume umgeknickt, als wären sie Streichhölzer, Dächer durch die Luft geflogen und Fassaden beschädigt worden. Und damals wie heute hatte der Wind enorme Schäden an Land angerichtet, während die angekündigte Sturmflut nur halb so schlimm ausfiel, wie befürchtet.

„Am Oldsumer Schöpfwerk lief das Wasser gerade mal 1,20 Meter über dem mittleren Tidehochwasser auf“, berichtete Hark Ketelsen, der Geschäftsführer des Föhrer Deich- und Sielverbandes, dass Schäden an den Föhrer Küsten am Montag ausblieben. Die waren heute gründlich inspiziert worden, war doch zufällig für diesen Tag die Herbst-Deichschau angesetzt.

Nur ein paar Meter hinter den Stränden bot sich dagegen auch am Dienstag auf beiden Inseln ein Bild der Verwüstung. Auf Amrum waren die Feuerwehren noch den ganzen Tag damit beschäftigt, umgestürzte Bäume zu zersägen, wo diese Sicherheitsrisiken darstellten. „Da liegt Baum an Baum. Für 500 Meter brauchten wir drei Stunden“, berichtete ein erschöpfter Feuerwehrmann von dieser für die Einsatzkräfte lebensgefährlichen Arbeit.

Eine Arbeit, die den Männern an den Motorsägen auch im Föhrer Forst und in den Wyker Grünstreifen alles abverlangte. Aus Sicherheitsgründen habe man noch gar nicht in alle Bereiche vordringen können, berichtet der Föhrer Förster Ole Sieck, der davon ausgeht, dass einige Hektar Wald „Christian“ zum Opfer gefallen sind. „Das sind mehrere Fußballfelder an einem Stück“ beschreibt Sieck den Schaden in seinem Forst, in dem, wie überall auf den Inseln, auffallend viele große, kräftige Bäume umgekippt sind, die schon viele Stürme überstanden haben. Doch der Orkan am Montag war für sie ebenso zuviel, wie für etliche Dächer und Fassaden. „Das wird jetzt nach und nach abgearbeitet, wer durch seine Zimmerdecke direkt den Himmel sehen kann, ist als erster dran“, beschreibt der Oevenumer Dachdecker Stefan Mengel die Vorgehensweise nach dem heutigen Kundenansturm. Auf regulären Baustellen müssten die Arbeiten nun ruhen, die Sturmschäden hätten Priorität.

Ansturm hatten nicht nur Dachdecker und Gartenbaubetriebe, die mit dem Abtransport von Ästen und Strauchwerk kaum nachkamen. Auch bei den Versicherungen liefen heute die Telefone heiß.

Zum Glück mussten ihnen bisher nur Gebäudeschäden gemeldet werden. Und dabei hätte die Sturmbilanz noch viel schlimmer ausfallen können. So durchstießen an einem Haus in Wyk Äste eines umgestürzten Baumes das Dach und landeten im Schlafzimmer, direkt auf dem Bett. „Hätte jemand darin gelegen, der hätte keine Chance gehabt“, berichtet Kai Sönnichsen. Der Einsatz an diesem Haus war für ihn – neben zwei großen Flachdächern, die einfach weggeweht wurden – einer der heftigsten am Montag, als die Wyker Feuerwehr insgesamt 59 Mal wegen Sturmschäden ausrücken musste. „Erst um 21.30 Uhr waren wir fertig“, berichtet der Wehrführer, dessen Leute sich immer wieder in Gefahr begaben, um Bereiche zu sichern und Rettungswege frei zu schneiden. Und dabei oft nur den Kopf schütteln konnten über die Unvernunft mancher Passanten, die im schlimmsten Sturm unterwegs waren, während vor und hinter ihnen die Bäume auf die Straßen krachten.

Unvernünftige gab es auch heute, die, als wäre nichts gewesen, durch die Wälder liefen. Dabei wurden diese auf beiden Inseln schon am Morgen gesperrt, weil immer noch die Gefahr besteht, dass Bäume umkippen. Während Wyks Grün-Bau-Chef Ulrich Koch davon ausgeht, dass die Spazierwege im Lauf der nächsten Wochen nach und nach wieder frei gegeben werden können, wird es auf Föhr-Land und auf Amrum wohl noch wesentlich länger dauern, bis Spaziergänge in dem, was vom Wald noch übrig ist, wieder möglich sein werden.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 20:51 Uhr

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