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Literatursommer : Das frühere Föhr zum Leben erweckt

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

In zwei Lesungen stellte Henning Boëtius seinen autobiografischen Roman „Der Insulaner“ vor. In dem arbeitet der Autor sein schwieriges Verhältnis zur Insel auf.

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erstellt am 16.Sep.2013 | 08:00 Uhr

Henning Boëtius bereicherte auch in diesem Jahr den Literatursommer Föhr und las aus seinem Roman „Der Insulaner“. Ein Mammutprojekt, an dem der Autor bereits einige Jahre arbeitet und das nach eigener Einschätzung frühestens in zwei Jahren vollendet sein wird.

Rund 450 Seiten umfasst der bereits abgeschlossene Teil über Wyk, aus dem Boëtius einige Passagen vortrug. Sprachgewaltig erweckt er das damalige Föhr zum Leben und charakterisiert mit Augenzwinkern und Ironie die Eigenheiten der Insulaner. Ob die geliebte Großmutter „Muttel“, Tante Hanna und ihre legendäre Muschelsuppe, Onkel Emil oder Onkel Albert – die Gäste unter den Zuhörern lernen die Protagonisten kennen und die Älteren der anwesenden Familie erinnern sich belustigt.

Henning Boëtius ist aufgeregt, sein Verhältnis zur Insel nach wie vor ambivalent. Achteinhalb Jahre hat er hier gelebt, und während die Mutter allgegenwärtig war, verbrachte der Vater die meiste Zeit auf See, verkehrte per Brief mit dem Sohn. Der, ein hochbegabter Sonderling mit autistischen Zügen, suchte vergeblich Anschluss und als er am 31. August 1954, nach einer letzten Fahrradtour über die geliebte Insel, Föhr verließ, tat er dies, wie er sagt, „als „Idiot mit Spezialwissen“, ohne Realitätsbewusstsein und nicht kommunikationsfähig“.

Mehrfach stand Henning Boëtius, der ursprünglich Atom-Physiker werden wollte, vor einer großen Karriere. Stets gelang es ihm erfolgreich, diese zu verhindern. Herauszufinden warum, dabei soll unter anderem der Roman helfen. In dem in einer Mischung aus Poesie und Chronik ein bisweilen irrwitziges Leben erzählt wird. Einige Jahre wird das Werk den Autor noch beschäftigen, das am Ende, so Boëtius’ Einschätzung, 1500 bis 2000 Seiten umfassen wird. „Das haben bisher nur James Joyce und Marcel Proust geschafft, ich möchte der Dritte sein“, liefert er augenzwinkernd die Erklärung. „Die Sprache ist irgendwo zwischen James Joyce und Utta Danella angesiedelt“, für ihn eine Herausforderung.

Nach etlichen Romanen und Sachbüchern wurde Henning Boëtius zunehmend autobiografischer. Der bereits in der Trilogie „Die blaue Galeere“, „Der Strandläufer“ und „Phönix aus Asche“ einen Vorgeschmack lieferte. Auch hier waren Mutter und Vater präsent, stand die Aufarbeitung des klassischen Vater-Sohn-Konflikts im Mittelpunkt. Aus dem „Strandläufer“ las der 74-Jährige schließlich ein Kapitel vor, das ihm sichtlich nahe ging. In dem wird der Tod des Vaters beschrieben. In einem Altersheim auf dem Festland hatte Eduard Boëtius das letzte Lebensjahr verbracht, da er nicht auf das touristisch zu stark veränderte Föhr zurück wollte.

In vier Teile ist das Buch gegliedert. Der Krieg und Föhr sind fertig, Teil drei, der das Festland, die Schule und das Studium thematisiert, ist gerade in Arbeit. Auf den vierten Teil freut sich Hennig Boëtius besonders. „Niemandsland“ wird der heißen, „in dem bin ich dann ganz frei und kann treffen wen ich will“. Und spätestens in diesem Teil wird der Autor dem geneigten Leser endlich erklären, warum er – aus Versehen – die Studentenrevolte mit ausgelöst hat.

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