zur Navigation springen

Lesung mit Dörte Hansen : Das „Alte Land“ auf Föhr

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadtbücherei war mit Zuhörern gefüllt: Autorin Dörte Hansen las aus ihrem erfolgreichen Erstlingswerk.

„Frostspanner“ – so hätte Dörte Hansen ihren Debütroman „Altes Land“ beinahe genannt. „Dieser Titel hätte die Gefühle meiner Hauptcharaktere perfekt widergespiegelt.“, meint die Autorin. Die Hauptcharaktere sind Vera, ein „Polackenkind“, das nach dem Zweiten Weltkrieg in das Alte Land fliehen muss, und Anne, ihre Nichte, die nach ihrer gescheiterten Beziehung frustriert aus Hamburg zu ihrer Tante zieht. In dieser Landschaft fällt es Anne schwer, Fuß zu fassen. Sie fühle sich wie ein Parasit, so Hansen. Eben wie ein Frostspanner, der die Obstbäume im Alten Land befällt.

Der Roman beschreibt, wie sowohl Vera als auch Anne nach einer echten Heimat suchen und dabei im Alten Land landen. Dabei sind diese zwei Frauen von Grund auf unterschiedlich. Vera ist eine alte Zahnärztin, die in ihrem Dorf nicht sonderlich beliebt ist. Anne ist dagegen Flötenlehrerin im überfüllten Hamburg, wo sie sich mit übervorsichtigen Müttern herumschlagen muss, die in ihrem Kind den Weltstar von Morgen sehen.

Gekonnt verbindet Hansen die beiden Geschichten, beschreibt die Annäherung zwischen den Hauptfiguren und deren Suche nach Halt. Mit Humor lästert sie über die Großstädter, die sich auf dem Land aufspielen, als wüssten sie alles besser.

Mit dieser Mischung aus Ernsthaftigkeit und lockerem Erzählstil hat Dörte Hansen viele Leser überzeugt. Seit Wochen steht das Buch ganz oben auf den Bestseller-Listen, die Warteliste auf das Buch in der Stadtbücherei Wyk ist lang.

Genau dort hat Hansen nun auch aus ihrem Buch gelesen. Rund 90 Zuschauer fanden Platz, die Nachfrage nach Karten war größer als das Angebot.

Dass die Autorin überhaupt auf Föhr gelesen hat, war eine Art Zufall. Als der Termin festgelegt wurde, war das Buch nämlich noch gar nicht erschienen – und der Erfolg nicht vorherzusehen. Dörte Hansen selbst war von dem Einschlag ihres Buches ebenfalls überrascht: „Man guckt auf die Bestseller-Liste und denkt: Wow, da ist noch eine Dörte Hansen. Die muss ja ein gutes Buch geschrieben haben. Dann merkt man, dass es das eigene Buch ist. Man kann das gar nicht begreifen“, sagte sie.

Die Lesung in Wyk hat Hansen genossen. Zwar würden mit dem Erfolg auch die Säle größer, aber auch die kleinen Lesungen würden immer wieder Spaß machen: „Das Publikum heute war wirklich aufmerksam. Es war echt schön“, meinte die frühere Journalistin, die bereits öfter auf Föhr zu Gast war. Und die Zuhörer waren nach der Lesung ebenfalls zufrieden. Viele wollten sich ihr Exemplar des Buches signieren lassen, andere hatten noch Fragen an die Autorin.

„Frostspanner“ war übrigens tatsächlich Dörte Hansens Arbeitstitel für das Buch. Der Verlag habe aber einen positiveren Titel gewollt, so sei man auf „Altes Land“ gekommen, erzählte sie. Und das ist ein Titel, der die Suche nach Heimat perfekt beschreibt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen