Auf Föhr : Damit es summt und brummt

Prächtig blüht  die alte Apfelsorte „Maren Nissen“ in einem Föhrer Garten.
Prächtig blüht die alte Apfelsorte „Maren Nissen“ in einem Föhrer Garten.

Der BUND will Streuobstwiesen anlegen. Alte Obstsorten sollen Insekten anlocken.

shz.de von
29. Mai 2018, 18:00 Uhr

Die Inselgruppe Föhr des Naturschutzverbandes BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) startet ein neues Naturschutzprojekt. In möglichst vielen Inselgemeinden und der Stadt Wyk sollen Streuobstwiesen angelegt werden. Umrahmt von kleinen Wildblumenstreifen soll eine Vielzahl von Insekten dort Nahrung und Nistmöglichkeiten finden. So soll ein kleiner Beitrag zum Erhalt der Biodiversität geleistet werden.

Streuobstwiesen bilden in der heutigen ausgeräumten Landschaft eine bedeutende Oase für tausende Tier- und Pflanzenarten. Denn auch auf Föhr führt die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, das Versiegeln von Flächen und die weitere Trockenlegung von Feuchtwiesen zu einem Rückgang der Artenvielfalt.

Im Rahmen des von der Deutschen Postcode-Lotterie geförderten Projektes ist geplant, alte und für Föhr und Norddeutschland typische Obstsorten anzuschaffen. Föhrer Imker könnten dann ihre Bienenvölker in der Nähe platzieren und im Herbst kann vitaminreiches Obst geerntet werden – klimaschonend ohne große Transportwege.

„Die Streuobstwiesen sollen zum Verweilen und als Nahrungsquelle für Insekten einladen und sie können auch als Informations- und Lehrpfad für Schüler, Insulaner und Gäste dienen“, so BUND-Mitarbeiterin und Projektideengeberin Angela Ottmann.

Im Streuobstbau werden keine chemisch-synthetischen Pestizide und kein künstlicher Dünger eingesetzt. Deshalb findet man auf Streuobstwiesen vor allem standortgerechte und widerstandsfähige, oft alte Sorten, die keine große Anfälligkeit für Krankheiten besitzen.

Ein Obstplantagenbaum wird bis zur Ernte bis zu 18 Mal pro Jahr gespritzt. Von den über 200 verschiedenen Mitteln lassen sich auch Spuren in den jeweiligen Äpfeln der behandelten Bäume finden. Auf einer Streuobstwiese ist dies unmöglich: Hier kann man den Apfel direkt vom Baum pflücken und genießen.

Gemeinsam mit Bürgern und Bürgermeistern der Inselgemeinden möchte der BUND innerorts der Dörfer kleinere und größere Standorte finden, um im Herbst erste Obstbäume pflanzen zu können. „Wir können schon auf kleinen Flächen viel erreichen. Pflanzen wir vier oder fünf Obstbäume, legen eine kleine Wildblumenwiese drum herum an und staunen wir im nächsten Frühjahr übers Summen und Brummen der Insekten“, meint Angela Ottmann.

Das Projekt wird ab der nächsten Präsidentschaftsperiode auch vom Föhrer Rotary-Club unterstützt. „Ich möchte mein Präsidentschaftsjahr ab Juli dem Naturschutz widmen und nachdem Angela Ottmann mir das Streuobstwiesenprojekt vorgestellt hatte, war ich sofort begeistert“, sagt der zukünftige Rotary-Präsident Eibe Schönberg. „Hier können wir was für Föhr tun, unsere Insel hat es verdient, eine vielfältige Natur zu haben“. Nun wünschen sich alle am Projekt beteiligten reges Interesse bei den Föhrer Politikern und Insulanern, damit schon im nächsten Jahr das erste Apfelfest gefeiert werden kann. Wer Flächen zu Verfügung stellen möchte, kann sich an die BUND-Inselgruppe wenden.

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