zur Navigation springen

In Wyk : „Damit entwickeln wir uns weiter“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Erste Entwürfe für die neue Seebrücke ernten Zustimmung. Hafenausschuss spricht sich einstimmig für den Beginn der Vorplanung aus.

Die marode Mittelbrücke soll einem Neubau weichen. Ein alter Wunsch, der nun Realität werden soll. Für eine Brücke im Zick-Zack-Kurs hatte sich der Hafenausschuss vor einem Vierteljahr entschieden. Eine Skizze war es lediglich, die der Kieler Landschaftsarchitekt Jens Bendfeldt vorgelegt und damit ins Schwarze getroffen hatte. Die Grundidee war klar und Einigkeit schnell erreicht, wenn in der Runde auch einige Änderungswünsche geäußert wurden. Hausaufgaben, die Bendfeldt mit nach Kiel genommen hatte, der nun erneut in Wyk zu Gast war und dem Gremium das Ergebnis präsentierte.

So war die Brücke zu kurz und sollte um rund 50 Meter verlängert werden. Bei einer Breite von fünf bis sechs Metern stellten sich Wyks Politiker zudem einen rund eineinhalb Meter höheren Neubau vor, um künftig Überflutungen zu verhindern. Darüber hinaus wurden eine Plattform am Ende der Brücke, eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe sowie ein Standort für je einen Container der DLRG und einen Kiosk angeregt. Hier hatten sich die Ausschussmitglieder gegen die Idee des Architekten ausgesprochen, die Container zu stapeln, und sprachen sich dafür aus, beide nebeneinander zu platzieren. Schließlich stand ein zusätzlicher Schwimmponton als Anlegestelle für Sportboote auf der Wunschliste.

Nun stellte der Fachmann aus Kiel eine weitere Skizze vor, die wiederum gefiel. Rund 165 Meter wird die Brücke demnach lang sein, bei einer Breite von 3,60 Metern an der schmalsten Stelle bis 5,50 Metern. Eine Plattform am Kopfende soll ins Wasser führen, mit Stufen versehen, die auch als Sitzgelegenheit dienen können. Für die DLRG sowie Segel- und Ausflugsboote ist je ein separater Steg vorgesehen, die jeweils über eine Rampe erreichbar sind. Zudem soll es einen Bade-Schwimmsteg geben und auch die gewünschte Planschmöglichkeit für kleinere Kinder dichter am Strand hatte Bendfeldt eingearbeitet. Vorgesehen ist hier ebenfalls ein Steg, der seinen Platz an dem rund 40 Meter langen ersten der drei Brückenteile finden soll. Schließlich sind am Kopf der Brücke, die mit langen Sitzbänken ausgestattet werden soll, die Standorte für die Container für die DLRG und einen möglichen Kiosk vorgesehen.

Damit hatte der Planer alle Wünsche des Gremiums berücksichtigt. Und Bendfeldt hatte auch den Vorschlag Holger Frädrichs, einen Wasserstandsmesser als Information für die wohl auch künftig mit Leidenschaft von dem dann zirka eineinhalb Meter höheren Brückengeländer springenden Kinder zu installieren, aufgegriffen, dessen endgültiger Standort allerdings noch nicht feststeht. Gleiches gilt für den Kiosk, der seinen Platz laut erster Planung auf der Südseite der Brücke finden soll und der auf die Nordseite wandern könnte.

Für die Geländer auf beiden Seiten und den Decksbelag soll Holz Verwendung finden. Eine Vollbeplankung, mit fingerbreiten Abständen zwischen den Balken, um ins Wasser schauen zu können. Die Unterkonstruktion werde aus Stahlbeton oder beschichtetem Stahl bestehen, schaute Bendfeldt weiter voraus. Mit dem Vorteil, „dass alles, was dem Seewasser ausgesetzt ist, eine deutlich längere Standzeit als eine Holzkonstruktion hat“. Eine Stütze aus Rundrohr stellt sich der Fachmann vor, die, aus kunststoffbeschichtetem Stahl mit einem Durchmesser von 800 bis 1000 Millimetern, eingespült wird. Querträger, gleichmäßig auf dem Unterbau verteilt, sollen das Holz tragen. Justierbare Befestigungen, die Halfenschienen ähneln, so Bendfeldt, in die Edelstahlanker eingefügt werden, an die – von außen nicht sichtbar – jede Unterkonstruktion an jeder beliebigen Stelle befestigt werden könne. Dass Schäden an der Unterkonstruktion nicht auszuschließen seien und Eisgang die größte Gefahr darstelle, bestätigte Bendfeldt auf Nachfrage Volker Meuches (Grüne). Allerdings habe die Qualität der Beschichtungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Lebensdauer der Betonkonstruktion schätzt der Fachmann auf 30 bis 40 Jahre. Kürzer ist diese bei Holz: hier stehe nach 20 bis 25 Jahren ein Austausch an.

Wie tief die Unterkonstruktion eingespült wird, ergebe sich erst im Zuge der weiteren Planung, antwortete Bendfeldt auf Nachfrage von Arne Arfsten (CDU). Die alten Unterlagen müssten gesichtet und der Unterschied von Holz- zu Stahlträgern berücksichtigt werden. Auch die Dauer der Bauzeit, ebenfalls von Arfsten erfragt, ließe sich noch nicht angeben, so der Architekt: „Ich schätze, dass es nicht unter vier Monaten geht.“

Dass für die einzelnen Stahlbetonträger nach der ersten Planung jeweils nur ein Pfeiler vorgesehen ist, stieß nicht auf ungeteilte Begeisterung. „Durch jeweils nur einen Pylon könnte der Charakter einer Brücke verloren gehen“, befürchtete Peter Schaper (SPD) und regte an, Alternativen zu erarbeiten. Immerhin erlaube die neue Höhe bei Niedrigwasser einen sehr viel größeren Blick auf den Unterbau. Eine Frage, die, wenn im Zuge der eigentlichen Konstruktion ein Statiker hinzugezogen werde, beantwortet werden könne, sagte Jens Bendfeldt. „Wenn die Brücke über eine bestimmte Breite geht, macht es auch Sinn, zwei Pylone nebeneinander zu setzen, was dem jetzigen Erscheinungsbild eher entspräche.“

Kontrovers diskutiert wurde nicht, lediglich das Obermaterial Holz und die damit verbundene Rutschgefahr wurden kurz erörtert. Hier hatte die Ausschussvorsitzende Annemarie Linneweber (SPD) als Alternative recycelten Kunststoff vorgeschlagen, wie er im Sportboothafen verwendet werde. Dass Holz in jedem Fall Verwendung finden soll, befand dagegen Peter Schaper, „das Material macht den Charme letztlich aus“. Und ob überhaupt ein Kiosk installiert werden soll, und wenn ja, in welcher Form dieser betrieben werden könnte, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Derzeit gelte es lediglich, im Zuge der Planung die Möglichkeiten dafür zu schaffen, sagte der Leiter des städtischen Hafenbetriebes, Ulrich Koch. Zumal Wasser- und Stromversorgung sowie Telefonanschluss ohnehin für die DLRG vorhanden sein müssten. Die Umsetzung sei dann ein zweiter Schritt.

„Lasst uns diese Brücke, wie sie sich jetzt darstellt, nach vorn bringen. Damit entwickeln wir uns wirklich weiter, die ist wirklich toll“, befand Lars Schmidt (CDU). Erwachsene, Kinder und ältere Urlauber würden gleichermaßen bedacht und man sei gut aufgestellt. Dem schloss sich das Gremium an, das Jens Bendfeldt einstimmig mit der Vorplanung beauftragte. Die ist Voraussetzung für den Antrag auf Fördermittel; die Verantwortlichen hoffen auf eine Förderung in Höhe von 60 Prozent für den Bau der Brücke. Die Kosten werden auf zirka 4,5 Millionen Euro geschätzt. Bereits morgen, Dienstag, wird der Finanzausschuss sein Votum abgeben, das letzte Wort haben dann die Stadtvertreter in ihrer Sitzung am 13. Juli.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Jul.2017 | 18:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen