Wyk : Chrom blitzt, Ente kämpft und Wasser läuft

Die gelben Quietscheenten sind immer ein Publikums-Magnet.  Undine Bischoff
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Die gelben Quietscheenten sind immer ein Publikums-Magnet. Undine Bischoff

Beim Hafenfest wurde wieder viel geboten. Trotzdem gab es deutlich weniger Besucher.

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13. August 2018, 13:00 Uhr

Der blank polierte Chrom an den alten Treckern kam anfangs gar nicht so richtig zum Leuchten – der bewölkte Himmel und ein paar Schauer gaben es einfach nicht her. Fachgespräche gab es dennoch, und der 85-jährige Martin Sönnichsen aus Wyk erzählte vor seinem Fiat 500 gern, wie er den Lanz Bulldog verkaufte, als sein Rücken schlechter wurde, und er nicht mehr schnell genug zur Kupplung kam. Dafür schafft der silbrig-glänzende Winzling – Baujahr 73 – noch 100 Stundenkilometer. „Eigentlich fahren die nur 80, ich glaube, der hat Sportfelgen“, sagte der alte Mann, der mit seinem Mobil zwischen den tollen Treckern stand.

Das Hafenfest ließ sich am Sonnabend langsam an und wurde mittags mit zunehmendem Wetter auch zunehmend besser. Die über 1000 Enten, die dieses Jahr erstmals unter der Schirmherrschaft des Rotary-Clubs Wyk an edle Spender gebracht wurden, liefen allerdings verkaufstechnisch von Anfang an. „Mit dem Geld, was wir mit den Losen einnehmen, wollen wir Jugendprojekte unterstützen, außerdem das Streuobstwiesenprojekt vom BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz)“, sagten Antje Boetius und Andreas Knauer.

Wyks Wehrführer Kai Sönnichsen war mit über 30 Kollegen und mehreren Feuerwehrfahrzeugen samt lebensgroßer Übungspuppe am Start. Frage eines kleinen Mädchens: „Kann man mit der Verstecken spielen?“ Antwort Feuerwehrmann: „Das bringt nix. Wir kennen hier jeden Winkel.“ Auch im Feuerwehrprogramm: Autozerschneiden und Kanisterumsprühen. Da waren lange Kinderschlagen garantiert. Schlangen gabs auch vor dem Rettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“, der von seiner Station auf Amrum rüberkam. Auch nach vier Stunden Open Ship und bestimmt fünf- bis sechshundert Besuchern, wie Seenotretter Lars Jensen schätzte, ließ die Frage nach einem Streifzug auf und unter Deck nicht nach. Die häufigsten Fragen: Wieviel Einsätze im Jahr? (60 bis 80) Wie schnell? (24 Knoten).

Es bleibt ein Phänomen, wie das Pütschern von 1000 kleinen Gummienten eine Feiergemeinde derart eint, dass der Moderator dieser Show schon bei der Runterzählprobe Schwierigkeiten hatte, die Begeisterung seiner zighundert Zuschauer zu zähmen. Wobei – das muss man den Siegerenten zuerkennen – es dieses Jahr ein echt spannendes Rennen war, weil der Schwarm nicht, wie 2017, von der Strömung gepuscht als Masse ins Ziel gedrückt wurde. Nein! Siegerentlein 1 lag klar vor 2 (und so weiter), und jede musste sich mühsam ihren Weg über das Hafenbecken erkämpfen. Tourismuschef Jochen Gemeinhardt war ganz angetan und stiftete spontan noch einen Sonderpreis (Übernachtung im Schlafstrandkorb in Utersum) – „weils so schön ist.“

Trotzdem fällt seine Festbilanz gemischt aus. Der Freitagabend sei schlechter gelaufen als im vergangenen Jahr, sagte Gemeinhardt. 15 bis 20 Prozent weniger Umsatz hätten die Betriebe auf der Festmeile wohl gemacht, obwohl das stürmische Schauerwetter abends schon vorbei war. Und auch am Sonnabend war erst Richtung Feuerwerk wirklich Betrieb rund um den Binnenhafen. „Wir haben sehr viele Stammgäste, die kennen das alles schon und wollen nicht jedes Jahr das selbe vorfinden“, meint Gemeinhardt. Was als Fazit bleibt für ihn: „Wir werden die Veranstaltung auf den Prüfstand stellen. Sie ist in die Jahre gekommen und vielleicht braucht sie nochmal ein bisschen neuen Anstrich.“ Man werde sich jetzt im Team zusammensetzen und überlegen, was man ändern kann, kündigt er an und hat am späten Sonnabend-Abend auch schon eine Idee: „Vielleicht sollten wir das ganze Fest an den Fähranleger verlegen. Da herrscht einfach noch mehr maritime Atmosphäre.

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